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Mauer des Schweigens bei Rocker-Prozess gegen Hells Angels in Leipzig

Nach Mord auf der Eisenbahnstraße Mauer des Schweigens bei Rocker-Prozess gegen Hells Angels in Leipzig

Bei einer Schießerei im Leipziger Rockermilieu auf der Eisenbahnstraße stirbt im Juni 2016 ein Mann, zwei weitere werden schwer verletzt. Ein Prozess gegen vier Hells Angels soll nun den Hergang klären. Aber die Richter stießen beim Prozessauftakt am Freitag auf Schweigen.

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen hat am Landgericht der Prozess um die tödlichen Schüsse im Leipziger Rockermilieu neu begonnen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ein Mitglied des Rockerclubs United Tribuns wird in Leipzig am helllichten Tag erschossen. Vier Mitglieder der Hells Angels sind wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Wahrscheinlich waren Machtkämpfe der Auslöser für die tödlichen Schüsse im Sommer 2016. Das Landgericht Leipzig wird er schwer haben, den Hergang und die Motive zu erhellen. Gleich zu Beginn des Prozesses am Freitag lassen alle vier Angeklagten ihre acht Verteidiger erklären, dass sie „derzeit keine Angaben“ machen wollen.

Auch die ersten Zeugen, die erkennbar dem Lager der Hells Angels zuzurechnen sind, machen einer nach dem anderen von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Sie waren bei der Schießerei in der Eisenbahnstraße dabei. Gegen sie wird selbst ermittelt, daher dürfen sie vor Gericht schweigen. Zwei 35 und 32 Jahre alte United-Tribuns-Mitglieder, die jeweils von einem Schuss getroffen wurden und nur knapp überlebten, machen ebenfalls keine Aussage.

Am Leipziger Landgericht hat der Prozess gegen vier Mitglieder der Hells Angels neu begonnen. Sie sind nach den tödlichen Schüssen auf der Eisenbahnstraße im Juni 2016 wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt.

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Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war die tödliche Eskalation ein Racheakt. Am Vormittag des 25. Juni 2016 habe der spätere mutmaßliche Schütze Streit mit dem Vizepräsidenten der United Tribuns gehabt. Daraufhin hätten die angeklagten Hells Angels gemeinsam den Plan zur Rache gefasst. Sieben Schüsse feuerte der mutmaßliche Haupttäter, ein bulliger 31-Jähriger mit Glatze, ab. Als ein 27 Jahre alter United Tribun getroffen zu Boden ging, sollen ihm die drei anderen, 35, 40 und 46 Jahre alten Angeklagten mehrfach gegen den Kopf und den Körper getreten haben. Das Opfer starb wenig später.

Die United Tribuns, eine im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen gegründete Gang mit Mitgliedern vorwiegend aus dem Türsteher- und Bodybuilder-Milieu, waren zur Tatzeit noch relativ neu in Leipzig. Erst im Mai 2016 hatten sie laut ihrer Facebook-Seite ein Clubhaus in der Messestadt eröffnet. Die Leipziger Hells Angels lösten sich dagegen kurz nach der Schießerei auf.

Der Prozess am Landgericht Leipzig begann am Freitag schon zum zweiten Mal. Im ersten, im Juli begonnenen Anlauf war er wegen der Erkrankung eines Richters geplatzt. Für das Verfahren gelten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot vor dem Gerichtsgebäude präsent. Zuschauer mussten sich doppelten Einlasskontrollen unterziehen. Sie wurden nach gefährlichen Gegenständen durchsucht und musste ihre Handys vor dem Saal abgeben. Die Strafkammer hat Verhandlungstermine bis Januar 2018 vorgesehen. Am Dienstag (12. September) wird der Prozess fortgesetzt.

LVZ

Landgericht Leipzig 51.333579 12.371512
Landgericht Leipzig
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