Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Polizeiticker Leipzig Menschenhandel in Leipzig: Mann verkaufte Freundin an Freier
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Menschenhandel in Leipzig: Mann verkaufte Freundin an Freier
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:55 26.11.2018
Will nicht erkannt werden: der Angeklagte im Landgericht Leipzig. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Kaum dass sie sich kennengelernt hatten, schickte Norman N. seine Freundin in Leipzig auf den Strich. Er verkaufte die Studentin an diverse Freier – und steckte den Lohn von mehreren tausend Euro letztlich komplett ein. Am Montag kam der 26-Jährige am Landgericht Leipzig mit 18 Monaten Haft auf Bewährung davon. Hauptgrund der milden Sanktion: eine „rechtsstaatswidrige Verfahrensverzögerung“, wie es hieß.

Angebot auf einschlägiger Internet-Seite

Der Fall datiert bereits von Ende 2013/Anfang 2014: In einer Wohnung in der Nürnberger Straße in Leipzig sollte die 19-Jährige der Prostitution nachgehen. Den Ermittlungen zufolge lernte die Studentin den gebürtigen Altenburger im September 2013 kennen. Es war ihr erster Sexualpartner. Norman N. überredete die junge Frau, anschaffen zu gehen. Sein Argument: Er benötige große Mengen Geld zur Behandlung für seine an Krebs erkrankte Mutter. Die Studentin gab nach – und Norman N. bot sie wochenlang auf einer einschlägigen Internet-Seite zu bestimmten Preisen an. Am 25. März 2014 zeigte sie ihn jedoch bei der Polizei an.

Anderthalb Jahre später, im September 2015, erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Der Vorwurf: Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Laut Anklage verlangte er für 30 Minuten Oralverkehr 70 Euro, wovon sie zunächst 20 Euro erhielt. Später behielt er alles.

Ersturteil: Zwei Jahre und drei Monate Haft

Im Januar 2016 ließ das Amtsgericht als erste Instanz die Anklage zu, setzte für April 2016 einen Prozesstermin an – und wieder ab, weil es noch einen Gutachter einschaltete. Schließlich fand die Verhandlung Ende 2017 statt. Das Urteil erging am 11. Dezember und wertete zugunsten des nicht Vorbestraften „die überlange Verfahrensdauer“. Norman N. sollte für zwei Jahre und drei Monate hinter Gitter. Im Urteil hieß es: „Sie bediente täglich fünf bis sieben Kunden.“ An den Wochenenden seien es mehr gewesen, bis zu 16 Personen. Tatzeit: 31. Januar bis 25. März 2014. Norman N. habe „einen Vermögensvorteil von 10 000 Euro erlangt“.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte gingen in Berufung. In der zweiten Instanz ein Jahr später am Landgericht akzeptierte die Verteidigung nunmehr den Schuldspruch, wobei die Summe von 10 000 Euro strittig blieb. Die Anklagebehörde nahm am Montag ihre Berufung zurück. Somit stand „nur“ die Strafhöhe zur Debatte. Die 10. Strafkammer hielt 18 Monate Haft auf Bewährung für ausreichend. Hauptgründe: Dauer des Verfahrens, Schuldeingeständnis.

Zurück bleibt ein Opfer, dem der arbeitslose Angeklagte am Montag zusagte, 3000 Euro Ausgleich zu zahlen. Eine inzwischen 24-Jährige, die massiv unter den Folgen leidet und laut ihrer Anwältin Nadine Maiwald endlich richtig therapiert und nicht immer wieder mit dem Fall konfrontiert werden möchte.

Von Sabine Kreuz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Glühwein, Würstchen, Weihnachtsstress: Während potenzielle Opfer abgelenkt sind, nutzen Ganoven die Vorweihnachtszeit und gehen verstärkt auf Diebestour. Polizei und Handel in Leipzig rüsten sich.

26.11.2018

Seit Freitag wird Tessa Kelpe aus Bad Langensalza in Thüringen vermisst. Die 16-Jährige ist nicht in das Haus ihrer Eltern im Ortsteil Wiegleben zurückgekehrt. Die Polizei vermutet, dass sie sich in Leipzig aufhalten könnte.

26.11.2018

Im Leipziger Stadtteil Marienbrunn sind in der Nacht zum Samstag neun Autos aufgebrochen und beschädigt worden. Die Polizei schnappte nach Hinweis eines Zeugen drei junge Männer.

26.11.2018