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Messer-Mord an Ehefrau: Anklage fordert lebenslänglich

Prozess am Landgericht Messer-Mord an Ehefrau: Anklage fordert lebenslänglich

Sie verblutete vor den Augen ihrer beiden kleine Söhne, erstochen vom eigenen Ehemann: Für den gewaltsamen Tod seiner Frau Ngoc Duyen T. (34) soll der 39-jährige Van Thang T. nach dem Willen der Staatsanwaltschaft lebenslänglich hinter Gitter.

Im Prozess um den Mord an einer vietnamesischen Mutter soll nächste Woche das Urteil verkündet werden.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Sie verblutete vor den Augen ihrer beiden kleine Söhne, erstochen vom eigenen Ehemann: Für den gewaltsamen Tod seiner Frau Ngoc Duyen T. (34) soll der 39-jährige Van Thang T. nach dem Willen der Staatsanwaltschaft lebenslänglich hinter Gitter.

Nach Überzeugung von Staatsanwalt Martin Oette war es ein heimtückischer Mord. Das arglose Opfer sei von gezielten Stichen in Brust und Rücken getötet worden. Das Motiv des Familienvaters: rasende Eifersucht und das – offenbar berechtigte – Gefühl, dass die Frau ihn betrügt und verlassen will.

Nach sechs Verhandlungstagen sah Oette die Anklageschrift im Wesentlichen bestätigt. Demnach kam es am 3. September 2015 gegen 20.15 Uhr in der Georg-Schumann-Straße zum Streit der Eheleute. Weil er annahm, dass sie sich für ein Treffen mit ihrem Liebhaber zurechtmacht, stellte er sie zur Rede. Sie sprach von Scheidung und davon, dass sie als Prostituierte gearbeitet hat. Außerdem beschimpfte sie ihn als Hund. Während sie sich zu ihren Söhnen (6 und 9 Jahre alt) ins Schlafzimmer zurückzog, ging er in die Küche. Angeblich um etwas zu trinken. Doch als er zurückkam, hatte er ein Messer in der Hand. Er richtete die Klinge auf sich und sagte zu seiner Frau: „Wenn du mich schon verlassen willst, kannst du mich auch umbringen.“ Sie entgegnete: „Wenn du dich umbringen willst, dann tue es doch selber, aber nicht in der Wohnung!“

Daraufhin stach Van Thang T. nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft mit dem Küchenmesser dreimal heftig und blitzschnell zu. Rechtsmediziner stellten später fest, dass die mehrfache Mutter durch einen Herzdurchstich innerlich verblutete. Unmittelbar nach seiner Festnahme hatte er – wie berichtet – ein Geständnis abgelegt. Gegenüber dem psychiatrischen Gutachter erklärte er, sich nicht genau an die Stiche erinnern zu können.

Verteidiger Malte Heise bejahte ein Tötungsdelikt, allerdings liegen seiner Ansicht nach keinerlei Mordmerkmale vor. Im Gegensatz zu Nebenklagevertreter Reinhard Baehr, der dem Angeklagten einen „ganz klaren Vernichtungswillen“ attestierte, sagte Heise: „Das tragende Empfinden war Verzweiflung“. Sein Mandant habe sich in einem „vollkommenen Ausnahmezustand“ befunden. Der drohende Weggang seiner Frau sei für ihn einem Fall ins Bodenlose, einem Untergang der Welt gleichgekommen. Hinzu komme, dass Ngoc Duyen T. einer DNA-Analyse zufolge wechselnde Intimpartner hatte. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Aussagen zum Thema Prostitution stelle sich die Frage, ob sie auch für diese außerehelichen Kontakte entlohnt wurde, so Heise. Er plädierte auf Totschlag im minderschweren Fall – der Gutachter konnte eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit nicht ausschließen – und forderte eine Haftstrafe von sechs Jahren.

Der Angeklagte, der aus bettelarmen Verhältnissen in Vietnam stammt, ist suizidgefährdet und hat in Deutschland fast keine sozialen Kontakte. Die Familie seiner Frau hat ihn im Prozess erheblich belastet und durchblicken lassen, dass sie in Vietnam Blutrache nehmen würde. Seine Söhne leben bei einer Tante, sind in Therapie. „Es ist damit zu rechnen, dass sie ihrem Vater gegenüber Hass aufbauen“, so Opferanwältin Ina Alexandra Tust. „Die Kinder mussten zusehen, wie ihnen das Liebste auf der Welt genommen wird.“

Das Urteil wird nächsten Freitag verkündet.

Von Frank Döring

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