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Polizeiticker Leipzig Messer-Sets und Dachrinnen: Die Maschen der Betrüger
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Messer-Sets und Dachrinnen: Die Maschen der Betrüger
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07:00 23.09.2017
Leipziger berichten, wie Betrüger sie hereinlegten. (Symbolbild) Quelle: dpa
Leipzig

Günter M. aus Wahren bekam in den vergangenen Tagen schon häufiger Besuch von Osteuropäern, die mit einem weißen Mercedes Sprinter vor seinem Haus parkten, an der Tür klingelten und ihm Dach- sowie Regenrinnenreparaturen verkaufen wollten. „Unser Dach ist in Ordnung, daher habe ich das Angebot abgelehnt“, sagt er. „Daraufhin wurden die Männer aggressiv und beschimpften mich unter anderem als Hitlerjungen. Damit nicht genug: Kurz darauf sei einer der vermeintlichen Handwerker auch noch in das Grundstück eingedrungen. „Erst als ich laut aus dem Fenster rief, dass Nachbarn es hören konnten, verschwand der Mann“, so M.

Etwa im Jahr 2012 tauchten solche sogenannten Dach-Haie das erste Mal in Leipzig auf. Damals vergriff sich ein dubioser Handwerkertrupp bei einem Ehepaar in Probstheida unaufgefordert an den Dachrinnen. Die Täter wechselten die guten Zinkteile gegen billige Modelle aus Plastik aus – und verlangten auch noch eine hohe vierstellige Summe dafür. Offenbar noch immer ein Erfolgsmodell: Im Frühjahr 2017 fiel ein 49-Jähriger auf vier Rumänen herein, die ihm das Garagendach neu deckten. Statt ihres ursprünglichen Angebots von 350 Euro verlangten sie schließlich weitere 2700 Euro. Deshalb warnen Verbraucherschutz und Polizei unverdrossen davor, auf solche plötzlichen, unaufgeforderten Reparaturangebote einzugehen – trotz verlockend klingender Kostenangebote.

Scheinbare Schnäppchen wurden auch Sigrun P. (*) angeboten. Neulich hielt ein Sportwagen neben der 69-Jährigen, in dem ein Mittdreißiger und eine deutlich ältere Frau – nach eigenen Angaben seine Mutter – saßen. „Er sprach mich zuvorkommend an, dass er mir etwas schenken wolle“, so die Leipzigerin. „Sie müssten nach Dubai fliegen und könnten ein Messer-Set sowie Keramik-Peeler nicht mitnehmen.“ Dann hätten die Fremden auch noch ein Grillset mit Koffer für 4600 Euro offeriert. Hildegard G. wollte lediglich 20 Euro für das erste Set zahlen, worauf der Anbieter sie bedrängte, wenigstens etwas Goldschmuck für seine Mutter zu holen. Sie weigerte sich, gab dem Unbekannten schließlich 50 Euro. Wie sich später herausstellte, war das Messer-Set, das angeblich aus der Edelschmiede in Solingen stammen sollte, ein polnisches Billig-Fabrikat.

Mit Messern sowie Besteck und Rasierapparaten zweifelhafter Herkunft war neulich auch ein 72-Jähriger in Möckern von Betrügern abgespeist worden (die LVZ berichtete). Nach Angaben der Polizei erschlichen sich die Täter das Vertrauen des Rentners als vermeintliche Bekannte seines Sohnes. Sie brachten ihn dazu, seine EC-Karte mit Pin herauszurücken – angeblich um einen 500-Euro-Schein wechseln zu können. Stattdessen hoben sie vom Konto ihres Opfers mehrere Hundert Euro ab und nahmen ihm auch noch einen 50-Euro-Schein ab. Angesichts dieses Falles rät die Polizei, Fremden nicht leichtfertig zu trauen, die vorgeben, enge Verwandte zu kennen. Unter keinen Umständen sollten EC-Karten und Pin herausgegeben werden. „Und da Betrüger immer wieder die Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft älterer Menschen ausnutzen, sind auch Familienangehörige aufgefordert, wachsam zu sein und ihre Großeltern, Eltern und sonstige ältere Angehörige aufzuklären“, so Polizeisprecherin Katharina Geyer.

Hinweise zu den jüngsten Betrugsfällen nimmt die Kriminalpolizei unter der Telefonummer (0341) 96 64 66 66 entgegen

*Name auf Wunsch geändert

Frank Döring

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