Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Polizeiticker Leipzig Messerangriff auf Frau in Leipziger Kneipe – sechs Jahre Haft
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Messerangriff auf Frau in Leipziger Kneipe – sechs Jahre Haft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:55 28.03.2018
Angeklagter Martin L. Quelle: Foto: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Ausgerechnet bei der Feier zu seinem 35. Geburtstag kam es zur Eskalation: In der Kneipe „Sachseneck“ in Gohlis rammte der Leipziger Martin L. am 10. September 2017 einer Besucherin ein Messer in den Bauch. Die gleichaltrige Frau erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Wegen versuchten Totschlags verurteilte das Leipziger Landgericht den Angeklagten am Mittwoch zu sechs Jahren Haft. Es wies ihn zudem zur Therapie in eine Alkoholentziehungsanstalt ein.

Mann wollte sich überfahren lassen

„Der Angeklagte konnte die Geschädigte auf den Tod nicht leiden“, hatte Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller am Mittwoch zum Hintergrund des Messerangriffs gesagt. „Sie war auf dem besten Wege, die Beziehung zwischen ihm und seiner Ehefrau zu zerstören.“

Demnach hatte Daniela S. einige Monate zuvor die Ehefrau des Angeklagten geküsst und zudem fälschlicherweise in Umlauf gebracht, wiederum mit ihm ein Verhältnis zu haben. „Das führte zu einer Krise in der Ehe, die bereits kurz vor dem Scheitern stand“, so der Staatsanwalt. Martin L. hatte sich deshalb in volltrunkenem Zustand Ende Mai 2017 auf eine Kreuzung gelegt, weil er sich überfahren lassen wollte. Er wurde in eine psychiatrische Klinik gebracht.

Als sich dann im September alle Beteiligten im „Sachseneck“ erneut begegneten, „kam der ganze Frust auf Daniela S. wieder hoch“, sagte der Staatsanwalt weiter. Nach gegenseitigen verbalen Beschimpfungen stach Martin L. zu. Die 35-Jährige brach blutüberströmt zusammen. Sie überlebte nur dank einer sofortigen Not-Operation.

Staatsanwalt will acht Jahre Gefängnis

Für den Staatsanwalt stellte sich der Angriff – so wie auch angeklagt – als versuchter Mord dar. Er forderte acht Jahre Gefängnis. Die Geschädigte habe mit keiner Silbe damit gerechnet, dass ihr nach dem Leben getrachtet werde; der Angriff sei heimtückisch gewesen.

Das Gericht wiederum hatte Zweifel daran, dass Martin L. die Arg- und Wehrlosigkeit der Frau ausnutzte. Das Mordmerkmal der Heimtücke sei somit nicht erfüllt, weshalb der Schuldspruch auf versuchten Totschlag lautete. Verteidiger Matthias Luderer wiederum plädierte auf gefährliche Körperverletzung und eine Strafe bis maximal drei Jahre Haft.

Opfer hat „keine Rachegelüste“

Übereinstimmend folgten alle Beteiligten der Einschätzung von Psychiater Matthias Lammel, dass Martin L. zur Tatzeit aufgrund seiner Alkoholisierung (zwei Promille), seiner Persönlichkeitsstruktur und „affektiver Erregung“ vermindert schuldfähig war. Laut Gutachter hatte die Ehe im Wertgefüge des Angeklagten, den er als einfach strukturierten, selbstunsicheren Mann einschätzte, „einen hohen Stellenwert“. Dafür sei er auch bereit gewesen, „in den Kampf zu ziehen“.

Die Ehefrau hält nach wie vor zu ihrem Mann, war auch bei der Urteilsverkündung dabei. Zu Lasten des Angeklagten, einem Prospekt-Zusteller, wertete das Landgericht das Dutzend Vorstrafen, so der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf. Zugute hielt es ihm sein Geständnis, seine Reue und Schuldeinsicht.

Opfer und Nebenklägerin Daniela S. habe „keine Rachegelüste“, so ihr Anwalt Wolfgang Männel. Er stellte keinen konkreten Strafantrag.

Von Sabine Kreuz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wegen eines Feuerwehreinsatzes musste die Eisenbahnstraße am Mittwochnachmittag voll gesperrt werden. Aus einem leerstehenden Wohnhaus schlugen Flammen. 

28.03.2018

Der seit Anfang März vermisste Matthias S. aus Leipzig ist am Sonntag tot aufgefunden worden. Spaziergänger fanden den Leichnam des 36-Jährigen im Auwald nahe des Cospudener Sees.

29.03.2018

In der Nacht zum Mittwoch sind im Leipziger Zentrum-Süd drei Kleintransporter, die von einem Logistik-Unternehmen im Auftrag der LVZ-Post genutzt wurden, durch mutmaßliche Brandstiftung zerstört worden.

29.03.2018
Anzeige