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Polizeiticker Leipzig Messerangriff auf Polizistin – Täter schuldunfähig
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Messerangriff auf Polizistin – Täter schuldunfähig
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18:01 09.05.2018
Das SEK im Anmarsch in der Stötteritzer Kolmstraße: Nachdem Alexander S. eine Polizistin mit seinem Messer verletzt hatte, wurde er von Spezialkräften überwältigt. Quelle: Foto: Dirk Knofe
Leipzig

Um ihn zu holen, musste die Polizei schon ihre Eliteeinheit schicken: Am 12. November vorigen Jahres rückte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) in der Stötteritzer Kolmstraße an, um Alexander S. (56) festzunehmen. Immer wieder hatte der gebürtige Russe in dem Stadtteil unvermittelt Passanten massiv bedroht und angegriffen, schließlich sogar eine Polizistin mit einem Messerstich verletzt. Seit Mittwoch steht er vor dem Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor.

Willkürliche Angriffe auf Passanten

So soll er am 21. Juni 2017 gegen 21.30 Uhr in der Holzhäuser Straße einen Passanten plötzlich mit Fäusten traktiert haben. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich am 1. August gegen 16.30 Uhr in der Sommerfelder Straße. Hier schlug Alexander S. zunächst einen Mann gegen den Kopf und versuchte diesen auch noch zu treten, schilderte Staatsanwalt Torsten Naumann zum Prozessauftakt. Dann sei er auf eine Frau losgegangen, die eingreifen wollte. Beide Opfer wurden leicht verletzt. Bereits einen Tag später gegen 9.50 Uhr schlug er der Staatsanwaltschaft zufolge in der Kolmstraße einem Mann ins Gesicht, der dadurch Schwellungen am Kiefer erlitt.

Erstmals Waffe im Einsatz

Am 12. November eskalierte die Lage dann endgültig, weil erstmals eine Waffe im Spiel war. Gegen 9.45 Uhr stach er nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden im Bereich Prager Straße/Schönbachstraße auf einen Mann ein, der gerade mit seinem Hund auf Gassirunde war. Zum Glück verfehlte er mit der acht Zentimeter langen Klinge sein Opfer. „Er wollte mit Tötung drohen“, so Staatsanwalt Naumann.

Polizistin zum Glück nur leicht verletzt

Gegen 12 Uhr rückte die Polizei bei Alexander S. in der Kolmstraße an. Weil der gelernte Schlosser, der aus einem kleinen Dorf in Russland stammt, seine Wohnungstür nicht öffnen wollte, erwirkten die Behörden einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss und drangen mit Gewalt in die Wohnung ein. Sofort soll der Beschuldigte versucht haben, mit einem Messer in Richtung der Beamten zu stechen. Nach Polizeiangaben war der Russe äußerst aggressiv und konnte auch durch den Einsatz von Pfefferspray nicht gebändigt werden. Als eine Polizistin versuchte, ihn unter Einsatz ihres Schlagstocks zu entwaffnen, stach Alexander S. wuchtig in Richtung ihres Halses und Kopfes, so Naumann. „Es war lediglich dem Zufall zu verdanken, dass die Beamtin nur am Kinn getroffen wurde. Er wusste, dass ein Stich in Kopf und Hals geeignet ist, einen Menschen zu töten.“ Die Polizistin hatte Glück, kam mit einer Stichverletzung am Kinn davon. Nach der Messerattacke zogen sich die Einsatzkräfte zurück, riefen Verstärkung. Doch auch sogenannte Erstsprecher, Verhandlungsexperten für Krisenlagen, drangen zu dem aufgewühlten Mann nicht durch. Gegen 14 Uhr überwältigten Spezialkräfte den renitenten Mieter.

Täter leidet an psychischer Erkrankung

Trotz der erheblichen Vorwürfe: Alexander S. wird für seine Taten nicht verurteilt, da er als schuldunfähig gilt. Er leidet an paranoider Schizophrenie, soll etwa sein Vernehmungsprotokoll mit „Jesus der Allmächtige“ unterschrieben haben. Bei dem Prozess am Landgericht handelt es sich deshalb auch um ein Sicherungsverfahren, bei dem es um die Frage geht, ob der Beschuldigte in den Maßregelvollzug muss, in die Psychiatrie. Dort ist er gegenwärtig bereits untergebracht. Entscheidend ist, ob von dem Mann aufgrund seines gesundheitlichen Zustands weitere erhebliche Straftaten zu befürchten sind und er für die Allgemeinheit gefährlich ist. Verteidiger Malte Heise kündigte für den nächsten Verhandlungstag am 31. Mai eine Erklärung des Beschuldigten an.

Von Frank Döring

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