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Messerattacke gegen eigenen Vater: Prozessbeginn in Leipzig

Messerattacke gegen eigenen Vater: Prozessbeginn in Leipzig

Jahrelang litt die Familie unter dem Zustand ihres offenbar kranken Sohnes - und dann kam es beinahe zu einer tödlichen Tragödie: Offensichtlich unter Wahnvorstellungen soll Christian L.

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Sohn griff Vater mit Fleischermesser an: Prozessbeginn in Leipzig.

Quelle: Uli Deck/Symbolbild

Leipzig. (26) am 21. Januar dieses Jahres mit einem Fleischermesser über seinen Vater Bernd L. (56) hergefallen sein. Donnerstag begann am Landgericht Leipzig der Prozess gegen ihn.

Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat als versuchten Totschlag. Allerdings: Der Angeklagte ist seit Langem drogensüchtig und leidet unter paranoider Schizophrenie. Deshalb gilt er als schuldunfähig.

"Probleme mit Christian gab es schon seit der Lehre", sagte Bernd L., der im Prozess gegen seinen Sohn als Nebenkläger auftritt, am Donnerstag vor Gericht. "Er hat an Drogen so ziemlich alles genommen, was es gibt." Wegen seines Hanges zur Schizophrenie sei er in Behandlung gewesen, habe Medikamente bekommen. Doch als Christian L. 18 Jahre alt wurde, habe er diese Mittel abgesetzt. Später soll er auch noch einen für ihn bestellten Betreuer abgelehnt haben. "Und dann ging es richtig bergab."

Seine Eltern ließen sich 1994 scheiden, Christian L. blieb zunächst bei seiner Mutter, lebte aber auch einige Zeit bei seinem Vater. Beide berichteten von den seltsamen Begegnungen mit ihrem Sohn, der für sie wie ein Fremder gewesen sein muss. "Einmal stand er vor einem Türschloss und hat eine Viertelstunde mit diesem geredet", so der Vater. "Und er hat seine Zigaretten gegessen."

Seine Ex-Frau erinnerte sich an die vielen Bibeln, die ihr Sohn besaß. "Das war sein kostbarster Schatz", so die Hausfrau, "er sagte von sich, er sei Gott." Doch vor Jahren habe er auch mal versucht, sie zu schlagen. "Da hatte ich vor ihm richtig Angst", räumte sie ein. Die Eltern fühlten sich offenbar überfordert und mit dem Problem alleingelassen. "Uns wurde von den Behörden immer nur gesagt, man könne nichts machen", so Bernd L. Ihr Sohn sei volljährig, so das Argument, so lange nichts Schwerwiegendes vorfällt, gebe es keine Handhabe.

Auch als Christian L. eine eigene Wohnung bezog, gab es Ärger, bis er zwangsgeräumt wurde. Laut Anklage soll er einen Hausbewohner mit einer Machete angegriffen haben, ein anderes Mal habe er mit einer Schreckschusswaffe auf den Kopf eines Mannes gezielt und ihm mit dem Tode gedroht.

Am schwersten wiegt jedoch der Angriff auf seinen Vater, in dessen Schkeuditzer Wohnung. Mit einer 19 Zentimeter langen Messerklinge habe Christian L. auf ihn eingestochen, "um ihn zu töten", stellte Staatsanwältin Tanja Lötschert fest. Bernd L. konnte sich bei der Rangelei vor schweren Verletzungen schützen, die Messerklinge brach schließlich ab. Der Kraftfahrer erlitt eine leichte Stichverletzung und später einen Nervenzusammenbruch. "Er hatte vor dem Angriff sogar die Zimmertür von innen zugeschlossen", so Bernd L. "In diesem Moment war ich nicht sein Vater."

In der bis 11. Juli geplanten Hauptverhandlung vor der 1. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Hans Jagenlauf geht es in einem Sicherungsverfahren nun darum, ob der Angeklagte dauerhaft in der Psychiatrie, im Maßregelvollzug, unterzubringen ist, weil er gefährlich für die Allgemeinheit ist. Seine Mutter berichtete, dass sich der Zustand ihres Sohnes im Krankenhaus durch die Einnahme der Medikamente erheblich verbessert habe. Sie hat Christian L. in Altscherbitz besucht, auch seine beiden Brüder waren schon da. Nur Bernd L. will keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn. "Ich möchte, dass er ein anständiges Leben führen kann, aber nicht in meiner Nähe", sagte er.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.07.2014

Döring, Frank

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