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Messerattacke vor dem Leipziger Hauptbahnhof: Angeklagter Mustava R. räumt Tat ein

Prozess am Landgericht Messerattacke vor dem Leipziger Hauptbahnhof: Angeklagter Mustava R. räumt Tat ein

Im Prozess um die Messerstecherei am Leipziger Hauptbahnhof hat der Angeklagte am Mittwochmorgen ein Geständnis abgelegt. „Ich war im Recht, weil ich mich verteidigen musste“, sagte Mustava R. (24), „aber ich war im Unrecht, weil ich ein Cuttermesser dazu benutzt habe.“

Bis 21. Dezember ist der Prozess am Landgericht geplant.
 

Quelle: Andreas Döring

Leipzig.  Im Prozess um die Messerstecherei am Hauptbahnhof hat der Angeklagte am Mittwochmorgen ein Geständnis abgelegt. „Ich war im Recht, weil ich mich verteidigen musste“, sagte Mustava R. (24), „aber ich war im Unrecht, weil ich ein Cuttermesser dazu benutzt habe.“

Der Asylbewerber aus dem Irak war am 7. Juli 2016 gegen 20.50 Uhr an der Zentralhaltestelle mit dem Syrer Amjad K. (17) aneinandergeraten. Mit einem Messer zerschnitt er ihm das Gesicht und fügte ihm Wunden an den Armen zu. Die Staatsanwaltschaft wertet die Bluttat als versuchten Totschlag (die LVZ berichtete).

Aufnahmen einer Überwachungskamera an der Haltestelle, die das Gericht am zweiten Prozesstag in Augenschein nahm, zeigen, wie Mustava R. zunächst mit anderen Ausländern – es war die Gruppe um Amjad K. – sprach. „Unter ihnen war mein Freund Achmed, ein Syrer, der mit mir im Asylbewerberheim wohnt“, so der Angeklagte. Sie hätten sich begrüßt und dabei Sachen gesagt wie „Ich bringe dich um“ und „ich schlachte dich ab“. Unter Arabern, beteuerte Mustava R., seien solche Späße üblich. Selbst Mütter redeten bisweilen so mit ihren Söhnen, „das ist normal bei uns“.

Amjad K. habe dies jedoch nicht so locker gesehen, ihn deshalb beschimpft und erniedrigt. „Ich sagte ihm, er soll sich raushalten, da kamen zwei Leute aus seiner Gruppe und schoben mich fort“, schilderte der Angeklagte. „Ich wollte dann eigentlich weggehen.“ Doch dazu kam es nicht mehr. Auf dem Überwachungsvideo ist zu sehen, wie kurz darauf ein Mann – offenbar Amjad K. – mit Anlauf den Iraker ansprang und ihm einen Fausthieb verpasste. Mustava R. ging zu Boden, stand zornig wieder auf. In dem Moment sei er „außer Kontrolle geraten“, so Mustava R. „Ich wollte ihm eine Lektion erteilen, aber ich wollte ihn nicht umbringen. Als ich gesehen habe, wie schwer er verletzt war, habe ich sofort aufgehört.“ Zu dem Zeitpunkt hatte er nach eigenen Angaben sieben bis acht Flaschen Bier und einen Joint intus.

Er habe zuvor noch nie jemanden derart schlimm verletzt. Das Messer und auch Pfefferspray habe er sich angeschafft, seit er und seine Mutter im Asylbewerberheim von vier Männern angegriffen wurden. Er gehöre auch nicht zur Terrormiliz des IS, versicherte Mustava R. Sein Opfer hatte im Prozess erklärt, der Messerstecher habe sich mit dem Ruf „Allahu akbar!“ auf ihn gestürzt und gesagt, er gehöre zum IS und sei hier, „um uns abzuschlachten“. Mustava R., der seit einem Jahr in Deutschland ist, räumte ein: „Jeder, der hierher kommt, sieht sich diese IS-Videos im Internet an.“ Dies sei nichts Besonderes.

Stattdessen stellte er die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen in Frage. Amjad K. habe ihm am Telefon gedroht, dass er und sein Bruder Dschihad ihn finden würden. Er habe sich nur als 17-Jähriger ausgegeben, eigentlich sei er schon 23 Jahre alt. Und er komme auch nicht aus Syrien, sondern sei Palästinenser.

Unterdessen soll Amjad K. als Opfer der Messerattacke ein „angemessenes Schmerzensgeld“ zugesprochen werden, so dessen Anwältin Nadine Lippold, die dafür einen sogenannten Adhäsionsantrag stellte. Verteidiger Malte Heise schloss am Mittwoch eine Verständigung dazu nicht aus.

Die Schwurgerichtskammer des Leipziger Landgerichts hat für den Prozess noch vier Verhandlungstage bis 21. Dezember geplant.

Von Frank Döring

Leipzig 51.339695 12.373075
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