Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -7 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Messerstecherei in Leipziger Asylunterkunft: Opfer vermuten religiösen Hintergrund

Prozess in Leipzig Messerstecherei in Leipziger Asylunterkunft: Opfer vermuten religiösen Hintergrund

Beleidigungen, Angst, Gewalt – so erlebten Bewohner den Alltag in der Flüchtlingsunterkunft in der Puschstraße. Im Prozess am Landgericht um eine beinahe tödliche Messerstecherei bestätigten Security und Polizei: Rangeleien und Körperverletzungen sind dort offenbar an der Tagesordnung.

Prozess am Landgericht Leipzig.
 

Quelle: LVZ

Leipzig.  Beleidigungen, Angst, Gewalt – so erlebten Bewohner den Alltag in der Flüchtlingsunterkunft in der Puschstraße. Im Prozess am Landgericht um eine beinahe tödliche Messerstecherei in dem für 550 Asylbewerber ausgelegten Quartier auf der Alten Messe bestätigten auch Security und Polizei: Rangeleien und Körperverletzungen sind hier offenbar an der Tagesordnung.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft sollen zwei Brüder aus Afghanistan im März und April 2016 immer wieder mit Mitbewohnern aneinandergeraten sein. Majid Z. (17) ist deshalb wegen Bedrohung, Nötigung und Körperverletzung angeklagt, sein Bruder Schoheib Z. (19) wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Die Motive für den Gewaltexzess blieben jedoch auch am fünften Verhandlungstag vor der 3. Strafkammer unklar.

„Majid hat spätabends laut an unsere Tür geklopft“, erinnert sich Ahmin S. (22). Als der vierfache Vater ihn zur Rede stellte, soll der Teenager ihm einen Kopfstoß gegen den Unterkiefer verpasst haben. „Bis heute habe ich Schmerzen an den Zähnen“, so Ahmin S., der am Dienstag auch noch einen weiteren, aktuellen Vorfall schilderte. Demnach soll Majid ihn am 20. Oktober auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung angegriffen und bedroht haben. „Er hat zur mir gesagt: ,Geh da nicht als Zeuge hin!’“, behauptet Ahmin S. „Majid sagte auch, falls man ihn aus Deutschland abschiebt, werde er noch ein paar Leute mit dem Messer abstechen. Meine Familie hatte Angst, sich in der Asylunterkunft aufzuhalten, zu essen oder in die Schule zu gehen. Deshalb haben wir auch eine Wohnung bekommen, wir sollten so schnell wie möglich da raus.“ Seine Frau (27) bestätigte vor Gericht die Bedrohungslage. „Wir haben zurzeit sehr viel Angst“, sagte sie. „Angst, dass uns was passiert. Die wissen ja, in welche Schule unser Sohn geht.“

Die Opfer-Familie glaubt, der Streit habe einen religiösen Hintergrund. Sie selbst gehörten den Hazara an, einer ethnischen Gruppe in Afghanistan, die überwiegend aus Schiiten besteht. Die Beschuldigten gehörten hingegen zu den verfeindeten Sunniten. „Die Mutter der Angeklagten fing an, mich im Waschbereich als Hazara zu beleidigen“, so die Frau von Ahmin S. „Sie sagte: ,Ihr seid keine Menschen’. Und sie drohte, dass sie ihrem Sohn ein Messer gekauft hat, mit dem er meinem Mann und unserem Sohn Leid zufügen könne.“

Masuda Z., die Mutter von Majid und Schoheib, wies diese Anschuldigungen zurück. „Die Aussagen der Zeugen entsprechen größtenteils nicht der Wahrheit“, ließ sie über einen Dolmetscher erklären. „Wegen der Kontrollen durch die Security gibt es keine Möglichkeit, ein Messer in die Unterkunft zu schmuggeln.“ Die frühere Lehrerin aus Kabul ist Mutter von fünf Kindern. Ein Sohn ist bereits gestorben, einer ist auf dem Weg nach Europa zwischen Iran und Pakistan verschollen. Ihr Mann sei von Taliban entführt worden, berichtete sie. Wegen der großen Gefahr seien sie nach Deutschland gekommen und hätten einen Asylantrag gestellt. Mit ihren beiden Söhnen habe es zuvor nie Ärger gegeben, der habe erst in der Leipziger Flüchtlingsunterkunft begonnen. „Dort gab es häufig Beleidigungen persönlicher Art, zum Beispiel bei der Essensausgabe oder wenn Kinder miteinander gerauft haben“, so Masuda Z. „Und Beleidigungen können meine Söhne nicht ausstehen.“ Der Alkohol, mit dem die Jungs in Deutschland das erste Mal in Berührung gekommen seien, habe ein Übriges getan. Der Ärger in der alten Messehalle sei aber von Ahmin S. ausgegangen. Dieser habe auch mit anderen Bewohnern immer wieder Probleme gehabt. Inzwischen lebt Masuda Z. mit ihrer Familie in einer eigenen Wohnung in Leipzig. Ihr Sohn Schoheib sitzt in Untersuchungshaft.

Sein mutmaßliches Opfer, der Mann, der durch die Messerattacke fast gestorben wäre, soll zu einem der nächsten Verhandlungstage vor Gericht vernommen werden.

Von Frank Döring

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Leipzig
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Leipziger Ordnungsamt. mehr