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Messerstich ins Gesicht: 21-Jähriger steht wegen Bluttat in der Wurzner Straße vor Gericht

Messerstich ins Gesicht: 21-Jähriger steht wegen Bluttat in der Wurzner Straße vor Gericht

Für die Staatsanwaltschaft war es sogar versuchter Mord: Ein junger Tschetschene soll vor einer Spielothek in der Wurzner Straße einem Inder die Messerklinge durch einen Teil des Gesichts gestochen haben.

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Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Seit Donnerstag muss sich Turpal-Ali B. (21) deshalb vor dem Landgericht verantworten. Die Strafkammer geht von gefährlicher Körperverletzung aus.

Auf den unscharfen Bildern einer Überwachungskamera ist zu sehen, wie die Männer am 28. Oktober 2014 gegen 21.40 Uhr in der Spielhalle aneinandergerieten - und dann gestenreich rausgingen. Der Angeklagte hatte es nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auf Geld abgesehen - einer der Inder hatte kurz zuvor 120 Euro am Automaten gewonnen. Vor der Tür habe Turpal-Ali B. einmal mit der Faust zugeschlagen, weil der Glückspilz seinen Gewinn nicht herausrücken wollte. Während der Inder getroffen zu Boden ging, soll der Angeklagte dessen Begleiter attackiert haben.

Mit einem Messerstich von oben nach unten habe er in die Oberlippe des Mannes (30) gestochen, die Klinge sei an der Wangentasche wieder ausgetreten. "Das Leben und die Gesundheit des Opfers war ihm in diesem Moment vollkommen gleichgültig", sagte Staatsanwältin Tanja Lötschert. Ohne sofortige medizinische Behandlung, so die Anklage, hätte der Verletzte den Angriff nicht überlebt. Und: Als Turpal-Ali B. merkte, dass sein Kontrahent noch am Leben ist, soll er noch zwei weitere Male versucht haben, in dessen Gesicht zu stechen.

Die Inder konnten den Messerstecher schließlich überwältigen. Überrascht von der Gegenwehr, so Lötschert, sei der Angeklagte schließlich wieder zurück in die Spielothek geflohen. Vorher habe er den beiden Männern noch gedroht: "Passt lieber auf, ich bin Tschetschene!"

Die Staatsanwaltschaft klagte die Bluttat als versuchten Mord an. Allerdings sah die zuständige Strafkammer keinen hinreichenden Tatverdacht für ein versuchtes Tötungsdelikt, das Hauptverfahren wurde deshalb lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung eröffnet. Noch vor Beginn des Prozesses prüfte das Gericht auch eine Begutachtung des Angeklagten im Hinblick auf eine mögliche Traumatisierung durch die beiden Tschetschenienkriege. Doch Turpal-Ali B. selbst habe sich dagegen ausgesprochen.

Gleich zu Beginn der gestrigen Verhandlung gab der Angeklagte eine Erklärung ab, zunächst über seinen Verteidiger André Röhrich, dann selbst. Geld habe für ihn keine Rolle gespielt. Zum Streit sei es gekommen, weil einer der Inder die Angestellte der Spielothek belästigt habe, woraufhin er - verbal - eingeschritten sei. An die einzelnen Messerstiche könne er sich nicht erinnern, es sei alles so schnell gegangen. Gezielt zugestochen habe er jedoch nicht, sondern in Notwehr gehandelt.

Auch das Opfer der Messerattacken äußerte sich widersprüchlich, wich teilweise von seinen Aussagen in früheren polizeilichen Vernehmungen ab. Noch immer habe er durch die Stichverletzungen Taubheitsgefühle und Schmerzen, könne nicht mehr richtig lachen. Turpal-Ali B. nutzte die Gelegenheit, um sich bei dem Inder zu entschuldigen.

Für den Prozess sind noch sechs Verhandlungstage bis Ende Juni geplant.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.03.2015

Frank Döring

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