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Polizeiticker Leipzig Mieter legt elf Brände in Leipziger Hochhaus: Er wollte löschen und ein Held sein
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Mieter legt elf Brände in Leipziger Hochhaus: Er wollte löschen und ein Held sein
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20:15 01.03.2018
Tatort des Brandstifters Ronny M.: dieser 16-Geschosser in der Stuttgarter Allee in Grünau, in dem er auch selbst gewohnt hat.  Quelle: Fotos: André Kempner
Leipzig

 Er versetzte die Mieter eines Grünauer 16-Geschossers in Angst und Schrecken. Allein im September 2017 legte er zehn Brände in einem Hochhaus an der Stuttgarter Allee, zuvor bereits einmal im Juli. Zum Auftakt des Prozesses vor dem Amtsgericht Leipzig gab nun Möbelträger Ronny M. am Donnerstag alles zu. Überraschend: Der 42-Jährige wohnte selbst in dem Gebäude. „Er wollte löschen und damit beweisen, was für ein Held und guter Mensch er ist“, sagte sein Verteidiger Stephan Bonell zum Motiv.

Laut Anklage brannte es einige Male in den Fahrstühlen, sodass diese vorübergehend stillgelegt werden mussten. Verheerend vor allem für Mieter der obersten Etagen. Dann wiederum ging Unrat auf den Fluren in Flammen auf – diese griffen teils auf Wohnungstüren über. „Der Angeklagte legte auch mithilfe von Brandbeschleuniger Feuer“, sagte Staatsanwalt Michael Viehweger. „Ihm war bewusst, dass es sich um ein bewohntes Gebäude handelt. Er nahm Schaden billigend in Kauf.“ Zum Glück gab es keine Verletzten. Der Sachschaden in dem Gebäude der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) summierte sich auf etliche Tausend Euro. Der Staatsanwalt legte Ronny M. schwere Brandstiftung, versuchte schwere Brandstiftung und Sachbeschädigung zur Last.

Mieter hielten Brandwache

Der erste der elf Fälle trug sich am 3. Juli kurz nach Mitternacht in einem Lift zu. Am 20. September setzte dann eine Serie ein, die erst am 26. September endete. „Die Mieter waren in großer Sorge. Sie hielten schon Brandwache“, berichtete eine Polizistin vom Revier in der Ratzelstraße. Nicht nur Bewohner legten sich am späten Abend des 26. September auf die Lauer, auch etliche Beamte in Zivil durchstreiften das Hochhaus. „Es bestand der Verdacht, dass der mutmaßliche Feuerteufel in der siebten Etage wohnt“, sagte ein an der Aktion beteiligter Polizeihauptmeister. Und tatsächlich qualmte es auch dort wieder. Alle Indizien deuteten auf Ronny M. hin – er wurde am 27. September festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Gutachten überführen Angeklagten

„Die Beweissituation ist ziemlich eindeutig“, so die Vorsitzende Richterin Ute Pisecky. Auch ohne Geständnis hätte der 42-Jährige aufgrund von Spuren- und DNA-Gutachten überführt werden können, meinte sie. Weil er die Brandserie aber schließlich einräumte, verkürzt das Gericht nun die Beweisaufnahme und verzichtet auf fast alle der 50 Zeugen. Für den Fall des Geständnisses hatte Richterin Pisecky bereits angekündigt, dass die Haftstrafe zwei Jahre und acht Monate nicht überschreiten wird. Das Urteil ergeht voraussichtlich am 20. März.

Verteidiger Bonell gab vor Gericht eine Erklärung für seinen Mandanten ab. Dieser habe damals Stress mit Nachbarn, Freundin und Gartenverein gehabt. „Als Brandlöscher und Helfer für Polizei und Feuerwehr wollte er sich positiv darstellen“, schilderte der Anwalt. Die LWB hat Ronny M. die Wohnung, in der er allein lebte, gekündigt. Jetzt habe er keinerlei Kontakte mehr – einzig zu seiner sieben Jahre alten Tochter.

Von Sabine Kreuz

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