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Milde Strafe für Leipziger Messerstecherin wegen Notwehrsituation

Milde Strafe für Leipziger Messerstecherin wegen Notwehrsituation

Wie erstarrt nahm Franziska D., die nach einem Streit um Lärm am 27. Oktober 2012 ihren Nachbarn Bastian P. getötet hatte, gestern das Urteil des Leipziger Landgerichtes entgegen: Schuldig der Körperverletzung mit Todesfolge und des unerlaubten Betäubungsmittelbesitzes.

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Quelle: dpa

Die Sanktion - zwei Jahre, zehn Monate und zwei Wochen Haft - kann nicht zur Bewährung ausgesetzt werden.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten sechs Jahre Gefängnis gefordert, die Verteidigung indes wegen eines Notwehrexzesses auf Straffreiheit plädiert und lediglich wegen des Drogenbesitzes eine geringe Sanktion für angemessen erachtet.

"Ohne Drogen wäre womöglich alles anders gelaufen", sagte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf. In der verhängnisvollen Nacht kurz nach 2 Uhr war Bastian P. (29) in seiner Wohnung in der Dimpfelstraße dermaßen laut, dass die Angeklagte als unmittelbare Nachbarin dachte, er springe gleich durch die Wand. P. stand unter Drogen, hatte zudem rund zwei Promille Alkohol intus.

Als er von Franziska D. (27), ihrem Verlobten (24) und einem weiteren Mieter (28) zur Rede gestellt wurde, erschien der 29-Jährige nicht nur nackt an seiner Wohnungstür, sondern reagierte auch sofort aggressiv, verteilte Faustschläge. Nach Ansicht des Gerichts bestand daher für das Trio eine Notwehrsituation. "Auch die Angeklagte war berechtigt, den Angriff abzuwehren. Doch dann traf sie eine fatale Fehlentscheidung, als sie in ihrer Küche das Messer holte und dreimal zustach", so Jagenlauf.

Er bezeichnete dessen Einsatz als "nicht verhältnismäßig". Laut Rechtsmediziner Ronny Bayer wurden Arterie und Vene im rechten Oberschenkel vollständig durchtrennt, so dass das Opfer binnen weniger Minuten verblutete. Das Gericht folgte aber nicht der Ansicht von Verteidiger Rainer Wittner, der sich auf Paragraf 33 des Strafgesetzbuches berief, wonach ein Täter nicht bestraft wird, hat er die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken überschritten.

"Die Angeklagte erkannte die Gefährlichkeit ihres Handelns sofort und rief den Notarzt", so Jagenlauf. Auch die Verkäuferin hatte Drogen intus - Cannabis geraucht und Crystal konsumiert. Laut Gutachter Matthias Lammel befand sie sich aber nicht im Rausch. Der Psychiater hatte der Angeklagten volle Schuldfähigkeit attestiert.

Gericht und Staatsanwaltschaft gingen davon aus, dass Franziska D. "nicht töten wollte". Als Nebenklägerin schloss sich die Mutter des Opfers der Auffassung an. Wobei deren Anwältin Ruth Siekmeier sagte: "Dass kein Tötungsvorsatz vorliegen soll, wenn jemand mit einem Messer zusticht, das eine 18 Zentimeter lange Klinge hat, ist Eltern allerdings schwer zu erklären."

Der Vater von Bastian P., der sein Studium schon vor längerer Zeit abgebrochen hatte, kritisierte Polizei und Justiz wegen mangelnder Aufklärung. Er hielt einen anderen Tatablauf für möglich. Dazu Jagenlauf: "Es gibt aber keinerlei Hinweise, dass der Geschädigte heimtückisch zu Boden gedrückt und in hilfloser Lage erstochen wurde." Ob Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt werden, war gestern noch nicht klar.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.07.2013

Sabine Kreuz

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