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Millionen-Geschäfte mit Crystal in Leipzig: Achtköpfiger Drogenring angeklagt

Millionen-Geschäfte mit Crystal in Leipzig: Achtköpfiger Drogenring angeklagt

Es geht um illegale Drogendeals im potenziellen Wert von weit mehr als 200 Millionen Euro: Gegen acht mutmaßliche Mitglieder eines Crystal-Rings hat die Staatsanwaltschaft Leipzig jetzt Anklage erhoben.

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Schlag gegen den Crystal-Handel in Leipzig: Ein achtköpfiger Drogenring, der mit dem Handel Millionen verdient haben soll, ist jetzt angeklagt worden. (Symbolfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Die acht Männer aus der Messestadt sitzen bereits seit Anfang November in Untersuchungshaft. Ihnen werden schwere Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen. Im Mittelpunkt steht ein 32-jähriger Pharmahändler: Er soll mehr als vier Tonnen des Grundstoffs Chlorephedrin importiert und über ein Netz an Hintermännern zur Drogenproduktion teilweise nach Tschechien weiterverkauft haben.

Der Schlag gegen die Drogenbande hatte Anfang November vergangenen Jahres bundesweit für Aufsehen gesorgt. Das Bundeskriminalamt (BKA), das die Ermittlungen in dem Fall führte, beschlagnahmte damals in einer Lagerhalle im Leipziger Norden rund 2,9 Tonnen Chlorephedrin. Daraus ließen sich über 2,3 Tonnen des Methamphetamins Crystal herstellen, hieß es. Bei 80 Euro pro Gramm entspricht dies einem Straßenverkaufswert von etwa 184 Millionen Euro. Wie nun am Freitag mitgeteilt wurde, soll der Pharmahändler Mitte 2013 sogar insgesamt 4,1 Tonnen der Chemikalie erworben haben. Damit dürfte der Wert bei insgesamt rund 260 Millionen Euro liegen.

700.000 Euro Bargeld sichergestellt

Insgesamt wurden damals bei 19 Razzien rund 810.000 Euro sichergestellt. Darunter waren allein rund 700.000 Euro in bar, welche aus den Drogen- und Chemikalien-Verkäufen stammen sollen. Auch zahlreiche Handys, mehrere Geldzählmaschinen sowie ein hochwertiger Pkw wurde beschlagnahmt, wie Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz am Freitag gegenüber LVZ-Online sagte. „Die Bande ließ das Chlorephedrin nach derzeitigen Erkenntnissen in illegalen Rauschgiftlaboren in der Tschechischen Republik zu Crystal verarbeiten, welches dann zumindest zum Teil auch durch die Bande in Leipzig wieder verkauft worden sein soll“, so Schulz. Wie viel Kilogramm der Drogen in Umlauf kamen und wie viel die Bande damit umgesetzt hat, ist bislang noch unklar. „Man kann aber von Millionenbeträgen ausgehen“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Gegenstand der Anklage sind aber nur die Chlorephedrin-Verkäufe, die wir unserer Meinung nach den Beschuldigten konkret nachweisen können."

Dem 32-jährigen Beschaffer der Chemikalie wird Beihilfe zum unerlaubten bandenmäßigen Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in 13 Fällen vorgeworfen. Seine sechs mitangeklagten Komplizen, vier Armenier, eine Aserbaidschanerin und ein Ukrainer im Alter zwischen 23 und 47 Jahren, müssen sich wegen bandenmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln verantworten. Auch ein 38-jähriger mutmaßlicher Abnehmer wurde festgenommen. Der wegen Drogenhandels angeklagte Iraker bezog seinen Stoff nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft von verschiedenen Lieferanten.

Pharmahändler täuschte Vernichtung des Stoffs vor

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Die Staatsanwaltschaft in Leipzig wirft der Bande unerlaubten Drogenhandel im großen Stil vor.

Quelle: André Kempner

Laut den Ermittlungen verkaufte der 32-jährige Pharmahändler das Chlorephedrin „konspirativ“ in Teilmengen zwischen zehn und 20 Kilogramm an die Bande, der er selbst nicht direkt angehört haben soll. Er sei sich allerdings bewusst gewesen, dass damit Drogen hergestellt werden, so die Ermittler. Der Leipziger soll den Stoff aus dem europäischen Ausland importiert und dabei vorgetäuscht haben, dass er diesen vernichten wollte. Dies ist inzwischen tatsächlich geschehen: Die Ermittler entsorgten die in Deutschland grundsätzlich nicht verbotene Chemikalie.

Um die Verfahren schnellstmöglich zum Abschluss zu bringen, wurden die Vorwürfe gegen einzelne Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft abgetrennt und insgesamt vier Anklagen erhoben. Bei einer Verurteilung wegen bandenmäßigen Betäubungsmittelhandels drohen den Anführern der Bande Haftstrafen von mindestens fünf Jahren. Der erste Angeklagte, der 38-jährige Abnehmer der Drogen, steht bereits ab Montag vor dem Landgericht. Über eine Eröffnung der weiteren Verfahren hat die Große Strafkammer, die sich mit dem Fall beschäftigt, bislang noch nicht entschieden.

Ermittler: Crystal-Markt „empfindlich getroffen“

Schulz bezeichnete den einzigartigen Fall als „massiven Schlag“ gegen die Drogenszene in Leipzig und in Tschechien. „Das hat den Markt empfindlich getroffen, da ihm der Grundstoff zur Herstellung entzogen wurde “, erklärte der Staatsanwalt gegenüber LVZ-Online. Gleichzeitig räumte er allerdings ein, dass der Drogenhandel durch diesen Ermittlungserfolg wohl nur temporär geschwächt werde. „Es ist allen Beteiligten klar, dass andere versuchen werden, die entstandenen Lücken zu schließen“, so Schulz.

Robert Nößler

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