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Polizeiticker Leipzig Millionendeals im Kinderzimmer: Drogenprozess gegen 20-Jährigen in Leipzig
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Millionendeals im Kinderzimmer: Drogenprozess gegen 20-Jährigen in Leipzig
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22:11 25.08.2015
Zum Prozessauftakt schwieg der Angeklagte. Quelle: dpa
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Leipzig

Im Wochenrhythmus sollen die Kuriere aus den Niederlanden in Leipzig vorgefahren sein. Am 26. Februar dieses Jahres kommt die letzte Drogenfuhre an: Sieben Kartons, prall gefüllt mit Kokain, Haschisch und Ecstasy, schleppt ein junger Mann in sein Zimmer in der Wohnung seiner Eltern. Zum Verkauf der Ware kommt der mittlerweile als „Kinderzimmer-Dealer“ bekannte 20-Jährige nicht mehr. Die Ermittler schlagen zu, nachdem sie ihn schon geraume Zeit im Visier hatten.

Seit Dienstag muss er sich nun vor dem Landgericht Leipzig verantworten. Teilnahmslos und unbeeindruckt wirkt er. Von Dezember 2013 bis Februar 2015 soll der Angeklagte über das Internet mit insgesamt 914 Kilogramm Drogen und verschreibungspflichtigen Tabletten gehandelt haben. Seine Eltern haben von den Machenschaften des Sohnes offenbar nichts mitbekommen. Zumeist lieferte er einfach per Post, wobei er letztlich aufflog: Einige Pakete blieben liegen, wurden dann geöffnet, so dass die Polizei Wind bekam. Ermittlern zufolge ging der junge Mann ansonsten äußerst konspirativ und professionell vor.

Begonnen habe er seine Karriere im nur eingeschränkt zugänglichen sogenannten Darknet, dann sei er ins offen zugängliche Internet gewechselt, wo er die Ware auf der Plattform „Shiny Flakes“ (leuchtende Flocken) angeboten habe. Zur Anonymisierung von Empfängern und Absendern sei eine Spezialsoftware zum Einsatz gekommen. Außer Heroin habe er alles geliefert, was es an Drogen auf dem Markt gab. Bezahlt wurde mit dem Internetgeld Bitcoin. „Bestellung, Bezahlung, Vorauskasse“, sei das System gewesen, so die Staatsanwaltschaft.

Die Polizei geht von mehreren Tausend Kunden weltweit aus. Wie die Leipziger Polizei im März mitgeteilt hatte, wurden nach der Festnahme des Angeklagten rund 360 Kilogramm Drogen beschlagnahmt - es ist einer der größten Drogenfunde in Deutschland. Die Ermittler präsentierten Berge von beschlagnahmtem Kokain, Ecstasy, LSD und Marihuana. Bis zu seiner Festnahme soll der Beschuldigte nach Angaben der Staatsanwaltschaft vier Millionen Euro aus den Verkäufen erlöst haben. Er werde zunächst keine Erklärung zu den Vorwürfen abgeben, ließ der Angeklagte zum Prozessauftakt von seinem Verteidiger Stefan Costabel verkünden.

Auch bei früheren Vernehmungen hatte sich der Beschuldigte in Schweigen gehüllt. Für den Prozess sind bisher Termine bis zum 6. Oktober festgelegt. Nach dem ersten Verhandlungstag sollte es ein Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen zwischen allen Prozessbeteiligten geben. Dabei dürfte auch erörtert worden sein, ob für den jungen Mann noch das Jugendstrafrecht oder das Erwachsenstrafrecht gilt. Bei einer Verurteilung wirkt sich das erheblich auf das Strafmaß aus. Nach Jugendstrafrecht droht eine Höchststrafe von zehn Jahren Haft.

Wird er als Erwachsener behandelt, könnten es bis zu 15 Jahre werden. Zu welchem Ergebnis die Parteien gekommen sind, soll am nächsten Prozesstag am 8. September verkündet werden. Der Kurier des „Kinderzimmer-Dealers“, der in einem abgetrennten Verfahren seit Montag vor Gericht steht, hatte zunächst auch geschwiegen, dann aber ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Sabine Fuchs, dpa

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