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Polizeiticker Leipzig Mit Kameras und Streifen gegen Adventsdiebe
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Mit Kameras und Streifen gegen Adventsdiebe
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22:13 26.11.2018
So schnell kann es gehen: Wie in dieser nachgestellten Szene gehen Taschendiebe im Gedränge auf Tour. Quelle: André Kempner
Leipzig

Viele Menschen auf engem Raum, abgelenkt, glühweinselig: Für Taschen- und Ladendiebe könnte das ganze Jahr Vorweihnachtszeit sein. „Die sich bietenden Tatgelegenheiten führen erfahrungsgemäß Straftäter in Versuchung, denn Besucher bewegen sich auf räumlich engem Raum und schützen oftmals ihre Wertsachen nicht ausreichend“, sagt Polizeisprecherin Maria Braunsdorf. „Somit rechnen wir auch in diesem Jahr während der Adventszeit mit vermehrten Versuchen des Taschendiebstahls.“ Klar, dass die Sicherheitsbehörden die kommenden Wochen besonders im Blick haben und entsprechend mehr Personal in die Schwerpunktbereiche entsenden. Und auch der Einzelhandel rüstet sich.

Banden sind größtes Problem

Ohnehin sei vor allem der gewerbsmäßige Bandendiebstahl in Geschäften für den Einzelhandel ein zunehmendes Problem, sagt Gunter Engelmann-Merkel, Geschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen. Offiziell registriert werden jährlich bundesweit rund 350 000 Ladendiebstähle, geht aus einem Positionspapier des Verbandes hervor. „Die geschätzte Dunkelziffer beträgt aber mindestens 98 Prozent.“

Eine Studie des Kölner EHI Retail Institut geht davon aus, dass tatsächlich jährlich rechnerisch rund 23 Millionen Diebstahlsdelikte im Einzelhandel verwirklicht werden. „Und Leipzig ist das ein Schwerpunkt“, so Engelmann-Merkel. „Wir haben es mit Gelegenheitstätern, Beschaffungskriminalität und gewerbsmäßigen Banden, die gezielt bestimmte Waren und Marken im Fokus haben, zu tun.“

Gerade die Vorweihnachtszeit, wenn besonders viele Kunden in den Geschäften unterwegs sind, rufe verstärkt auch Diebe auf den Plan. Hinzu kämen Kriminelle, die im Gedränge an den Kassen Falschgeld unter die Leute bringen wollen. Aufgrund des wachsenden Problems arbeite der Handelsverband seit Jahren eng mit der Polizei zusammen, berichtet der Verbandsfunktionär. „Wir schätzen die Arbeit der Behörde sehr hoch und machen mit der Polizei auch gemeinsame Präventionsveranstaltungen.“

Allerdings hadern die Händler mit manchen Vorschriften, etwa zur Videoüberwachung. „Für die Ladengeschäfte des Einzelhandels ist derzeit aufgrund der restriktiven Auslegung des Bundesdatenschutzgesetzes eine effektive und umfängliche Videoüberwachung selbst besonders gefährdeter Bereiche in den Ladengeschäften oftmals nicht möglich“, heißt es in dem Positionspapier des Verbandes.

Kameraüberwachung hilft

Dabei gilt gerade Videotechnik durchaus als scharfe Waffe gegen Diebe. „Die Kameraüberwachung am Leipziger Hauptbahnhof und teilweise auch schon in den Zügen der Deutschen Bahn hilft uns, insbesondere bei der Strafverfolgung, Taschendiebstähle zu rekonstruieren und Täter zu überführen“, berichtet Yvonne Manger von der Bundespolizeiinspektion Leipzig. Außerdem helfe ein enger Informationsaustausch mit Landespolizei, DB Sicherheit und Sicherheitsdienst der Promenaden, „um gerade auch in diesem Deliktbereich neue Strukturen oder Begehungsweisen schnellstmöglich zu erkennen und gezielt zu bekämpfen“.

Auch die Einsatzgruppe Bahn-Zentrum arbeitet bekanntlich behördenübergreifend, was bei regelmäßigen Razzien im Bahnhofsumfeld deutlich wird. „Nach einem leichten Anstieg der Fallzahlen zwischen 2016 und 2017 von 426 auf 459 Taschendiebstähle haben wir im Jahr 2018 bisher einen Rückgang um circa 15 Prozent zu verzeichnen“, konstatiert die Bundespolizeisprecherin. „Dennoch gilt, dass jeder Taschendiebstahl einer zu viel ist. Der Fahndungsdruck der Bundespolizei bleibt deshalb hoch.“

Polizeipräsenz auf Weinachtsmarkt

Auch die Polizeidirektion vermeldet einen positiven Trend – zumindest für den Leipziger Weihnachtsmarkt: Die Zahl der Taschendiebstähle zwischen den Glühwein- und Würstchenständen ging seit 2014 kontinuierlich zurück. Im vergangenen Jahr wurde hier gerade mal zwölf Fälle erfasst, informiert Polizeisprecherin Maria Braunsdorf, 2016 waren es noch 40. Zum Vergleich: Im gesamten Stadtzentrum registrierte die Polizei im vergleichbaren Zeitraum 2017 159 Diebstähle, 33 mehr als im Jahr zuvor und so viele wie seit 2013 nicht mehr. „Das Kriminalitätsphänomen Taschendiebstahl und Diebstahl durch Antänzer bleibt ein polizeilicher Schwerpunkt zur Adventszeit“, stellt sie klar.

Entsprechend der Gefahrenprognose seien vielfältige Maßnahmen zum Schutz der Besucher und der Stärkung des Sicherheitsgefühls etabliert worden. Dazu gehören verstärkte Streifen und das Errichten einer polizeilichen Kontaktstelle auf dem Weihnachtsmarkt. Wichtig sei eine Polizeipräsenz, die auch von den Besuchern wahrgenommen werde – und von den potenziellen Tätern.

Von Frank Döring

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