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Polizeiticker Leipzig Nachbarn mit Tode bedroht: Mann muss in Entziehungsanstalt
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Nachbarn mit Tode bedroht: Mann muss in Entziehungsanstalt
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20:01 11.06.2018
14. Dezember 2017: Spezialkräfte der Polizei führen den Tunesier ab. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Mit Molotowcocktails und einem Gasbrenner versetzte er seine Nachbarn in Todesangst: Ein Crystal-Süchtiger hat am 14. Dezember 2017 in Grünau einen Großeinsatz der Polizei heraufbeschworen. Nach mehr als achtstündiger Hauptverhandlung entschied am Montag das Amtsgericht: Der Tunesier muss in eine Entziehungsanstalt.

Immer wieder „Allahu akbar“

Laut Staatsanwaltschaft soll Hamdi M. (30) am 14. Dezember 2017 gegen 19.15 Uhr mit einer Glasflasche mit Lunte sowie einer Lötlampe und einer Gaskartusche durch das Treppenhaus des Mietshauses in der Grünauer Wegastraße gelaufen sein. Immer wieder schrie er „Allahu Akbar“, entzündete schließlich die Lötlampe mit einer 20 Zentimeter langen Flamme, richtete diese in Richtung von Nachbarn. Doreen F. (37) floh mit ihrer sechsjährigen Tochter auf den Balkon. „Die Kleine hatte Todesangst, zitterte am ganzen Körper“, sagte sie vor Gericht. Eine andere Mieterin sagte: „Wenn jemand ,Allahu Akbar‘ ruft, befürchtet man Schlimmes.“

Messer und Fleischerbeil

Nachdem die Nachbarin die Polizei gerufen hatte, verschanzte sich Hamdi M. in seiner Wohnung. Über einen Nachbarbalkon nahm die Polizei Kontakt zu ihm auf, parallel wurde das Spezialeinsatzkommando (SEK) alarmiert und das Haus evakuiert. Der Tunesier wollte aber den Tatvorwürfen zufolge seine Wohnung nicht verlassen und drohte: „Wenn ihr reinkommt, sterben alle.“ Nach Angaben der Polizei hatte Hamdi M. ein großes Messer in der Hand, ein weiteres steckte in seinem Hosenbund. Außerdem soll er ein Fleischerbeil gehalten haben. Einsatzkräfte konnten den Nordafrikaner überwältigen, nachdem er die Tür geöffnet hatte. In seiner Wohnung standen Molotowcocktails griffbereit herum. Später stellte sich heraus: Die darin befindliche Flüssigkeit hatte offenbar einen zu niedrigen Alkoholgehalt, war somit nicht entzündbar.

Autos von Nachbarn beschädigt

Staatsanwalt Harald Römmer warf ihm Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten sowie Bedrohung und versuchte Nötigung vor. Weil er zudem mehrmals vor dem Haus geparkte Autos seiner Nachbarn beschädigte und dabei fast 7000 Euro Schaden anrichtete, legte er ihm auch Sachbeschädigung zur Last. Aufgrund einer Drogenpsychose gilt Hamdi M. allerdings als schuldunfähig. Es ging im Prozess deshalb um die Frage, ob der Beschuldigte in den Maßregelvollzug muss. Der psychiatrische Gutachter Christof Hieronymus empfahl ein Bündel ambulanter Maßnahmen, etwa Drogenscreening.

Verlobung nach der Tat

Verteidiger Fabian Gerewitz plädierte für eine Bewährung, verwies auf das familiäre Umfeld des seit zehn Jahren drogenabhängigen Tunesiers: Hamdi M. hat mit der Leipzigerin Yvonne C. (42) eine gemeinsame Tochter (5), im Januar verlobte sich die Frau sogar mit ihm. Das Kind war auch der Grund, weshalb Hamdi M. in Deutschland einen Duldungsstatus hat. Der vorbestrafte Tunesier, der bereits in Italien wegen Drogenhandels im Knast saß, sollte abgeschoben werden. Aktuell ist er in der Psychiatrie Altscherbitz, verweigert eine Therapie.

Amtsrichter Oette folgte am Ende dem Antrag der Staatsanwaltschaft und ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. „Ich kann eine Bewährung nicht verantworten“, sagte er. „Die Gefahr erheblicher Straftaten besteht weiterhin.“

Von Frank Döring

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