Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Polizeiticker Leipzig Mitarbeiter bestehlen eigene Firma – und der Sicherheitsbeauftragte macht mit
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Mitarbeiter bestehlen eigene Firma – und der Sicherheitsbeauftragte macht mit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:30 24.05.2018
Kupferrollen in einem Unternehmen (Archivbild) Quelle: dpa
Anzeige
Leipzig

Das ist dreist: Ein Jahr lang beklauten fünf Mitarbeiter ihren eigenen Betrieb – eine Leuchtenbaufirma aus Leipzig. Mit dabei: Marcus K., Teamleiter und Sicherheitsbeauftragter im Unternehmen, das vor allem Beleuchtungen für Züge beziehungsweise überhaupt Schienenfahrzeuge herstellt. Aufgeflogen ist die kriminelle Tour nur, weil Daniel H. in eine Polizeikontrolle geriet. Grund: Sein Fahrzeug war dermaßen mit Diebesgut überladen, dass es schon auf den Felgen fuhr. Am Donnerstag begann vor dem Leipziger Amtsgericht der Prozess – und alle legten in der Hoffnung auf milde Strafen ein Geständnis ab.

Die Staatsanwaltschaft ging bislang davon aus, dass die fünf Männer gemeinsame Sache machten. Staatsanwalt Christoph Kruczynski lastete ihnen an, von Januar 2014 bis Januar 2015 insgesamt 30 Tonnen Aluprofile und Aluschrott aus der Firma entwendet und bei Schrotthändlern in Leipzig und im Landkreis Leipzig verkauft zu haben. Laut Anklage gingen die Beschuldigten arbeitsteilig vor, waren in unterschiedlichem Maße beteiligt. „Sie haben sich ein regelmäßiges Einkommen verschafft“, sagte der Staatsanwalt. Erlös: 27 .000 Euro. Das Quintett muss sich nun wegen gewerbsmäßigen Diebstahls und Betruges im großen Stil verantworten.

Zum Prozessauftakt stellte sich allerdings heraus: Die Metalldiebe waren nicht nur in verschiedenen Fertigungsbereichen tätig. Sie beklauten ihr Unternehmen auch in zwei verschiedenen Gruppen. Und diese wussten – wie sie einhellig bestätigten – nichts voneinander.

Dem Geständnis zufolge waren Vorarbeiter Daniel H. (33) und sein Kollege sowie Kumpel Tommy B. (32) das eine Täter-Team. Und Marcus K. (29), der vom Leiharbeiter zum Teamleiter Logistik aufgestiegen war und zudem als Sicherheitsbeauftragter eingesetzt wurde, ging mit Eric W. (26) und schließlich auch dem ab November 2014 im Betrieb beschäftigten Rico L. (28) krummen Geschäften nach.
Marcus K. erhielt aufgrund seiner besonderen Stellung in dem 120-Mann-Unternehmen nicht nur ein Firmen-Handy, sondern konnte gegen ein geringes Entgelt auch einen firmeneigenen Transporter, einen Mercedes Sprinter, für private Zwecke nutzen. Und mit diesem, so gab er gestern zu, transportierte er sogar das gestohlene Metall zum Händler.

Auf die oft wiederholte Frage des Vorsitzenden Richters nach dem „Warum?“ sagten die Angeklagten wiederum übereinstimmend: „Geldnot war es nicht.“ Vorarbeiter Daniel H., der seinen Worten zufolge mit Tommy B. des Öfteren nach Schichtschluss gegen 22 Uhr den Kofferraum des Privat-Pkw mit Altmetall vollpackte, meinte: „Wir haben es mal probiert, es hat geklappt und ist nicht aufgefallen.“ Man habe sich keine Gedanken weiter gemacht. Die fast 17.000 Euro, die laut Anklage auf ihr beider Konto gingen, hätten sie sich geteilt. „Und was dafür gekauft?“, so der Richter. „Nichts Spezielles.“ Tommy B.: „Die Verlockung war so groß. Es war Leichtsinnigkeit.“

Am 10. Januar 2015 geriet dann Daniel H. in eine Polizeikontrolle. Der Seat, dessen Ladung aus 300 Kilo Profilen und Blechresten bestand, „ging in die Knie“, wie Richter Weber meinte.
„Der entscheidende Tag“, sagte am Donerstag Personalreferentin Rebecca M. (35), die als Zeugin gehört wurde. Daniel H. hätte zunächst von einem „einmaligen Vorfall“ berichtet. Firmeninterne Recherchen und Ermittlungen der Polizei offenbarten schließlich das ganze Ausmaß. Während Rebecca M. vor Gericht davon sprach, dass auch hochwertiges Produktionsmaterial entwendet wurde, wollen sich die Angeklagten nur an Schrott, der teils herumlag, vergriffen haben. Aber auch den Schrott verkauft die GmbH selbst. Bei Inventuren gab es laut der Zeugin zwar Fehlbeträge, die Ursache blieb jedoch unklar.

Allen fünf Mitarbeitern wurde gekündigt. Mit vier Beschuldigten schloss die Firma Vergleiche; sie zahlen ihre Schulden zurück. Nur Sicherheitsmann Marcus K. war der Personalreferentin zufolge bisher nicht erreichbar, Pfändungen scheiterten. Das Amtsgericht verkündet sein Urteil voraussichtlich am 7. Juni.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Ziel? „Freispruch für meine Mandantin“, kündigt Verteidiger Stephan Bonell gleich zu Beginn der Berufungsverhandlung am Donnerstag an. „Oder zumindest eine geringere Strafe“, fügte er hinzu. Nach dem Mord auf dem Pferdehof in Leipzig-Knauthain verhandelt das Landgericht Leipzig gegen die Lebenspartnerin des Killers. Es geht um Betrug.

24.05.2018

In der Nacht zum Donnerstag wurden in Leipzig 17 Autos zerkratzt, besprüht oder anderweitig beschädigt. In einem Fall konnte die Polizei einen 37-jährigen Tatverdächtigen ermitteln.

24.05.2018

Sie retteten sich über das Dach aus dem brennenden Wohnhaus und sind womöglich für die Ermittler entscheidende Zeugen: Zwei Männer haben sich nun bei der Polizei gemeldet.

25.05.2018
Anzeige