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Mord im Drogenkrieg: Tauziehen um Akten zu Verbrechen in Leipzig-Leutzsch

Mord im Drogenkrieg: Tauziehen um Akten zu Verbrechen in Leipzig-Leutzsch

Brisante Frage gestern am Landgericht Leipzig: Muss die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungsakten zum Mord im Drogenkrieg herausrücken? Diego M. (23), ein Deutsch-Bolivianer, war im Mai 2013 auf dem Bahngelände in Leutzsch regelrecht hingerichtet worden.

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Am Bahnhof Leutzsch wurde Diego M. brutal ermordet. (Archivbild vom 04.11.2010)

Quelle: Wolfgang Zeyen

Laut Staatsanwaltschaft war das Motiv des Verbrechens ein fehlgeschlagenes Drogengeschäft über 105 000 Euro. Möglicherweise ging es um 40 Kilo Marihuana. Allerdings verweigert die Behörde die Herausgabe der begehrten Unterlagen wegen einer "Gefährdung des Untersuchungszweckes". Das Verfahren laufe gegen unbekannt.

Doch drei Leipziger Anwälte wittern Unheil. Sie beharren auf einer Einsicht in diese Akten. Denn einer ihrer Mandanten, Monteur Jan S. (32), soll als vermeintlich guter Kumpel des erschossenen Diego M. von der Drogenszene massiv bedroht und zum Ersatz des entstandenen Verlustes aufgefordert worden sein. Aus Angst um sein Leben habe der 32-Jährige daraufhin, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, mit seinem Bruder Frank S. (25) und Kumpel Mario B. (33) im August ein Mordkomplott geschmiedet. Geschäftsmann Vincenzo G. sollte in Dresden mit einem Kopfschuss getötet werden. Zuvor griffen die Fahnder zu. Angeblich hatte Vincenzo G. 70 000 Euro von Jan S. gefordert, beide sollen sich im Paunsdorf-Center getroffen haben.

Am gestrigen zweiten Tag des Prozesses um diese Verabredung zum Mord forderte Verteidiger Ingo Stolzenburg, der den Angeklagten Mario B. vertritt, "das Geheimhaltungsinteresse zurückzustellen". Das Verfahren gegen das Trio sei nun einmal Teil des Gesamtkomplexes "Mord in Leutzsch". Er kritisierte scharf, dass die Staatsanwaltschaft "nur selektiv Akten gewährt" und noch während des schon laufenden Prozesses sukzessive Ordner nachschiebe. "Katastrophal", so Stolzenburg. Er beantragte eine Aussetzung der Verhandlung. Dem schlossen sich die Anwälte Elke Eßbach (für Jan S.) und Michael Krebs (für Frank S.) an. "Wir erhalten das Material nur zerrupft, bekommen kein abgerundetes Bild", so Eßbach. Krebs erklärte, dass aus Bruchstücken der Akten hervorgehe, dass sein Mandant am Tatort (am Bahngelände in Leutzsch) gewesen sein soll. "Gibt es dazu mehr an Akten? Das wissen wir nicht, müssen es aber überprüfen." Staatsanwalt Torsten Naumann blieb gelassen: "Gegen die drei Angeklagten besteht kein Anfangsverdacht des Mordes an Diego M., dieser Mord ist nicht Gegenstand des jetzigen Verfahrens." Die 1. Strafkammer des Gerichts - auch sie verfügt nicht über die Gesamt-Akten zu Diego M. - schickte gestern die Zeugen nach Hause, will bis zum nächsten Termin am 5. März über das weitere Vorgehen und den Antrag der Anwälte entscheiden. Die drei Angeklagten gingen wieder ins Gefängnis. Dort sollen sie nicht miteinander reden dürfen. Wie sich herausstellte, wurden aber ausgerechnet Jan S. und Mario B. in einer Zelle untergebracht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.02.2014

Sabine Kreuz

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