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Polizeiticker Leipzig Mord im Fahrstuhl: Staatsanwältin will lebenslange Haft
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Mord im Fahrstuhl: Staatsanwältin will lebenslange Haft
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20:14 10.03.2016
Das Landgericht Leipzig verkündet am 15. März 2016 sein Urteil.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

Bis zum Schluss zog er es vor zu schweigen. Der wegen Mordversuches und Mordes an zwei Freunden vor dem Leipziger Landgericht angeklagte Sebastian T. (30) hat sich auch am Donnerstag, in seinem sogenannten letzten Wort vor der Urteilsverkündung am 15. März, nicht zu den schweren Vorwürfen geäußert. Während Staatsanwältin Katrin Minkus eine lebenslange Haftstrafe für den Familienvater forderte, plädierte Verteidiger Hansjörg Elbs auf Freispruch.

„Der Zweifel ist bekanntlich der Freund der Verteidigung“, sagte Anwalt Elbs. Sein Mandant könne nicht mit der erforderlichen Sicherheit und daher nicht zweifelsfrei als Täter überführt werden. „Es gab kein Geständnis. Und in Briefen an seine Ehefrau beteuert der Angeklagte seine Unschuld“, so der Verteidiger weiter.

Die Staatsanwältin indes ist aufgrund der Gesamtschau der Indizien davon überzeugt, dass der Angeklagte am 16. September 2013 seinen Kumpel Adriano H. (22) in den Fahrstuhlschacht eines 16-Geschossers in der Stuttgarter Allee gestoßen hat. Das habe die bereits seit August vorigen Jahres laufende Beweisaufnahme am Landgericht ergeben, bei der dutzende Zeugen sowie mehrere Sachverständige angehört wurden. Minkus verwies unter anderem auf DNA-Spuren des Angeklagten am Tatort. „Unter dem Vorwand, dass in dem Fahrstuhlschacht weitere Drogen zu finden sind“, habe er den 22-Jährigen dorthin gelockt, um ihn von der 14. Etage in die Tiefe zu stürzen.

Der Verteidiger wiederum hielt es nicht für ausgeschlossen, dass Adriano H. eben bei der Suche nach Betäubungsmitteln das Gleichgewicht verloren hat. Daher sei nicht aufklärbar, ob es sich um einen Unfall, eine Selbsttötung oder um Fremdeinwirkung gehandelt habe.

Für nicht nachweisbar hielt er ebenso einen versuchten Mord an Brian H. (20) am 11. September 2013. Der 20-Jährige war auf den Gleisen zwischen Rückmarsdorf und Miltitz von einem Zug erfasst und schwer verletzt worden. Selbstmordabsichten könnten nicht ausgeschlossen werden, da bei Brian H. schwere Depressionen diagnostiziert worden seien. Der Verteidiger lenkte den Verdacht zudem auf einen Zeugen, der für die Tatnacht kein Alibi habe vorweisen können.

Staatsanwältin Minkus indes war überzeugt davon, dass der Angeklagte den Geschädigten betäubt und auf die Gleise gelegt hat. Ihrer Ansicht nach mixte der Beschuldigte ein Medikament in den Drink des Mannes, das die Wirkung von K.-o.-Tropfen hatte, sodass sich der Geschädigte später an nichts erinnern konnte. Dabei handelte es sich um ein Beruhigungs- und Schlafmittel, das offenbar die Ehefrau des Angeklagten genommen hat und bereits abhängig davon war. Denn in der Wohnung des Paares, so die Anklägerin, hatten Ermittler einen entsprechenden Überweisungsschein gefunden. Als Motiv für Mord und Mordversuch nannte sie, dass der spielsüchtige Angeklagte verhindern wollte, dass seine Betrugshandlungen im Internet aufgedeckt werden. Sie hielt ihn zudem der fünf angeklagten Brandstiftungen zwischen Januar und März 2013 in Grünau für überführt.

Einem Psychiater zufolge ist Sebastian T. voll schuldfähig. Die Staatsanwältin beantragte neben einer lebenslangen Freiheitsstrafe zudem, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Damit wäre seine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren auf Bewährung unmöglich; eine erste Prüfung der Haftzeit stünde erst etliche Jahre später an.

Von Sabine Kreuz

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