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Mord im Leipziger Rockermilieu: Was weiß der Bruder des Getöteten?

Prozess gegen Hells Angels Mord im Leipziger Rockermilieu: Was weiß der Bruder des Getöteten?

Ein Foto aus den Ermittlungsakten zum Mord im Leipziger Rockermilieu warf am Mittwoch vor dem Landgericht plötzlich viele Fragen auf. Die Aufnahme soll den Bruder des Mordopfers, des in der Eisenbahnstraße erschossenen Veysel A. (27), in der Nähe des Tatorts zeigen. War er an der Auseinandersetzung beteiligt?

Spurensicherung nach den tödlichen Schüssen am 25. Juni 2016 in der Leipziger Eisenbahnstraße.

Quelle: dpa

Leipzig.. Ein Foto aus den Ermittlungsakten zum Mord im Leipziger Rockermilieu warf am Mittwoch vor dem Landgericht plötzlich viele Fragen auf. Die Aufnahme soll den Bruder des Mordopfers, des in der Eisenbahnstraße erschossenen Veysel A. (27), in der Nähe des Tatorts zeigen. Wieso hielt sich Mehmet A. (48) da auf? War er etwa auch in die gewalttätige Auseinandersetzung zwischen den verfeindeten Motorradclubs Hells Angels und United Tribunes (UT) am 25. Juni vorigen Jahres verwickelt? Was weiß dieser Mann über jene dramatische Eskalation, die seinen jüngeren Bruder das Leben kostete?

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft wurden an jenem Tag gegen 15.35 Uhr sieben Schüsse aus der Gruppe der Hells Angels auf die Rocker der United Tribunes abgegeben. Laut Anklage handelte es sich um einen Vergeltungsschlag der Höllenengel, um sich für einen zuvor erfolgten Übergriff zu rächen. Zwei Schüsse trafen den türkischen UT-Anwärter Veysel A. – er starb.

Zwar ist sein Bruder Mehmet A. Nebenkläger in dem Mord-Prozess und saß bisher schweigend im Saal 115 des Landgerichts. Doch erstmals am Mittwoch identifizierte die Verteidigung der vier wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagten Hells Angels den Nebenkläger tatsächlich auch als jenen Mann vom Foto. Darauf soll er am Clubhaus der United Tribunes in der Eisenbahn-, Ecke Konstantinstraße zu sehen sein. Nach einer Prozessunterbrechung und Besprechung aller Verfahrensbeteiligten hinter verschlossenen Türen teilte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf schließlich mit: Mehmet A., der im Leipziger Osten einen Laden betreibt, soll nächsten Dienstag als Zeuge gehört werden. Während der laufenden Verhandlung am Mittwoch ist auch UT-Präsident Ramasan A. unter den Zuschauern entdeckt worden. Weil er als potenzieller Zeuge in dem Mammutprozess in Betracht kommt, wurde er des Saales verwiesen, um später unvoreingenommen aussagen zu können.

Die vier angeklagten Höllenengel haben bislang zu den Tatvorwürfen geschwiegen. Laut Staatsanwaltschaft soll der arbeitslose Maler Stefan S. (31) die Schüsse abgefeuert, Veysel A. tödlich getroffen und zwei weitere Tribuns-Mitglieder lebensgefährlich verletzt haben. Der Schütze muss sich deshalb auch wegen zweifachen Mordversuchs verantworten. Gegen die drei anderen Angeklagten besteht der Verdacht, dass sie durch Gewalttaten den Tod mitverschuldet haben. Sie sollen noch mehrfach auf den Kopf von UT-Anwärter Veysel A. eingetreten haben.

Die Todesschüsse waren – wie berichtet – direkt vor den Augen der Polizei gefallen. Außendienstleiter Mike J. (43) stand nur drei bis vier Meter von dem Schützen entfernt, als dieser die Pistole zog. Der Polizeihauptkommissar gilt daher als wichtigster Zeuge der Staatsanwaltschaft. Weitere sechs Beamte – die Besatzung von drei Streifenwagen – befanden sich zu dieser Zeit am Polizeiposten in der Eisenbahnstraße. Unter ihnen Lisa Z. (26): „Dass alles so eskaliert, hätte ich nicht gedacht. Es war auch für mich eine Ausnahmesituation.“ Zur Schussabgabe konnte sie am Mittwoch jedoch nichts sagen; als es krachte, war sie 100 Meter vom Tatort entfernt.

Von Sabine Kreuz

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