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Mord im Pflegeheim wegen gestörter Nachtruhe

Prozess am Landgericht Mord im Pflegeheim wegen gestörter Nachtruhe

Im November 2014 soll Silvio T. seinen Zimmergenossen im Altenpflegeheim "Am Rosental" mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet haben. Der Mann erlag später seinen Verletzungen. Nun kam vor dem Landgericht ein mögliches Motiv heraus.

Der Prozess dauert noch bis Anfang Juli (Symbolfoto).

Quelle: Leipzig report

Leipzig. Ein schockierendes Motiv wurde erstmals gestern, am zweiten Tag im Prozess um einen Mord im Städtischen Altenpflegeheim „Am Rosental", von einer Zeugin öffentlich benannt. Offenbar weil er sich in seiner Nachtruhe gestört fühlte, soll der Angeklagte Silvio T. (43) seinen bettlägerigen Mitbewohner Dieter W. (66) mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet haben. Unmittelbar vor dem Brand in dem Heim in der Leipziger Waldstraße am 25. November 2014 habe der Beschuldigte gegenüber Personal geäußert: „Entweder er zieht aus oder ich. Es kann nicht sein, dass ich seit zehn Tagen nicht schlafen kann." Das berichtete Altenpflegerin Tina A. (23) vor der Polizei beziehungsweise auch gestern am Landgericht. Sie habe Silvio T., der einige Zeit zuvor in dieses Zimmer verlegt worden war, der schlimmen Tat verdächtigt und sogar aufgefordert, sich zu bekennen. „Er leugnete", sagte die 23-Jährige gestern. Eine solche Tat traue sie ansonsten niemandem zu, auch habe sich kein anderer Bewohner zur Zeit des Brandausbruches in der Nähe des Zimmers 31 befunden.

Wie berichtet, war Silvio T. bereits am Folgetag vorläufig festgenommen worden. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Der gebürtige Eilenburger äußerte sich weder im Verlaufe der zurückliegenden Monate zu den Vorwürfen noch gestern vor Gericht. Verteidiger Stephan Bonell meinte, er werde keine Erklärung abgeben, von seinem Mandanten seien auch keine Angaben zu erwarten.

Das bettlägerige Opfer konnte den Schilderungen mehrerer Mitarbeiter aus dem Altenpflegeheim zufolge nicht kommunizieren, nur Laute von sich geben. Der 66-Jährige habe gefüttert, gewaschen und gewindelt werden müssen. „Er konnte nicht stehen oder laufen."

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wurde der Senior von dem Angeklagten mit einem alkoholhaltigen Mundwasser übergossen und angezündet. Der Hausmeister sowie ein Pfleger löschten die Flammen, doch der Mann hatte bereits so schwere Verbrennungen erlitten, dass er wenige Tage später, am 30. November, im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlag.

Laut Altenpflegerin Tina A. hatte der Angeklagte wenige Wochen vor der Tragödie bereits seine eigene Kleidung in Brand gesteckt. Schlimmeres konnte da verhindert werden, weil ihm ein Augenzeuge die Sachen vom Körper riss. Im Anschluss daran nahm das Personal Silvio T. Streichhölzer und Feuerzeug ab, die sich der Raucher auf anderen Stationen jedoch wieder besorgt hat. Der Prozess läuft noch bis 6. Juli.

Sabine Kreuz

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.05.2014.

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