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Mord im Rockermilieu: Staatsanwaltschaft verhängt Nachrichtensperre

Eisenbahnstraße Mord im Rockermilieu: Staatsanwaltschaft verhängt Nachrichtensperre

Flammt der blutige Disko-Krieg wieder auf, der Leipzig 2008 erschüttert hat? Zumindest legen das Indizien nach dem Mord in der Eisenbahnstraße am vorigen Samstag im Rockermilieu nahe.

Polizeieinsatz rundum das Hauptquartier der United Tribunes am Montag in der Eisenbahnstraße in Leipzig.

Quelle: LVZ

Leipzig. Zu Details des jüngsten Gewaltverbrechens in der Eisenbahnstraße hat die Staatsanwaltschaft vorläufig eine Nachrichtensperre verhängt. Behördensprecher Ricardo Schulz äußerte sich gestern weder zu möglichen Hintergründen des blutigen Bandenkriegs im Leipziger Osten noch zu Personen. Doch offenbar ist auch den Ermittlern das Motiv der Gewalteskalation unklar: „Wir versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen. Wir sind dabei, herauszufinden, warum es zur Anwendung einer Schusswaffe gekommen ist“, sagte Oberstaatsanwalt Schulz. Er machte weder Angaben zur Identität des Getöteten noch zum Obduktionsergebnis oder zu den beiden Verletzten.

Nach ersten Erkenntnissen hat ein Mitglied des Motorradclubs „Hells Angels“ auf Angehörige der verfeindeten Straßengang „United Tribuns“ geschossen. Gegen den 30-jährigen mutmaßlichen Schützen erging – wie berichtet – Haftbefehl wegen Mordes. Weitere 13 Personen wurden wieder auf freien Fuß gesetzt, es wird aber weiter gegen sie ermittelt. Unbestätigten Informationen zufolge gehen die Ermittler offenbar von einem zweiten Schützen aus. In einer Parkanlage im Leipziger Osten soll eine zweite Waffe gefunden worden sein.

Auf der Facebook-Seite der „United Tribuns“ wurden Angaben zum Getöteten gemacht. Demnach handelt es sich bei dem Opfer um Veysel A. (27), er war Anwärter auf eine Vollmitgliedschaft. Dem Vernehmen nach soll einer der beiden Verletzten ein 34-jähriges Clubmitglied sein, der andere der 31-jährige Vize-Chef der Leipziger Tribuns – der gebürtige Iraner Sooren O., der auch schon eine zentrale Figur im Disko-Krieg war. Er gehörte damals zu einer von Ausländern dominierten Bande um den berüchtigten Artur T. (31), die sich gewaltsame Auseinandersetzungen mit Security-Firmen lieferte. Dabei wurde im März 2008 in der City ein Mann (28) erschossen. Dieser Mord ist bis heute nicht aufgeklärt, bestätigte gestern Oberstaatsanwalt Schulz. Ausgerechnet nach der erst vorigen Monat verkündeten Rückkehr des Armeniers Artur T. (31) nach Leipzig – er war jahrelang für hiesige Behörden nicht greifbar – kam es zu einer erneuten Gewalteskalation.

Aktenkundig immer wieder in Aus-einandersetzungen an der Eisenbahnstraße verwickelt war Sooren O.: Mit einer Pistole feuerte er am 8. Juli 2013 auf die Beine von zwei Kontrahenten. Erst unlängst kam er dafür mit einer Bewährungsstrafe davon. Vor Gericht gab er sich gern geläutert. Er sei 2015 zu seiner Mutter nach Berlin gezogen, arbeite als Übersetzer in Flüchtlingsheimen, besuche in Leipzig Freundin und Kind, sagte er.

Auch gestern führte die Polizei in der Eisenbahnstraße Großkontrollen durch. Laut Polizeisprecher Andreas Loepki dürfte klar sein, „dass in der aktuellen Zuspitzung zugleich die Gefahr einer weiteren Eskalation gelegen ist“. Loepki in einer E-Mail an die LVZ: „Die allgemeine Lage rund um die Eisenbahnstraße hat sich nicht verändert – das Gebiet war, ist und bleibt (wahrscheinlich) auf nicht absehbare Zeit ein kriminalgeografischer Schwerpunkt.“

Sabine Kreuz

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