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Mord in Leipziger Fahrstuhl: 30-Jähriger schweigt vor Gericht

Prozessauftakt Mord in Leipziger Fahrstuhl: 30-Jähriger schweigt vor Gericht

Er soll einen Bekannten in einen Fahrstuhlschacht in Leipzig-Grünau gestoßen und ermordet haben. Einen anderen legte er mutmaßlich vor einen fahrenden Zug. Beim Auftakt zum Mordprozess hüllte sich der 30-jährige Sebastian T. am Donnerstag in Schweigen. Dem Landgericht steht ein Mammutprozess bevor.

Der 30-jährige Sebastian T. steht seit Donnerstag vor dem Leipziger Landgericht. Er soll im September 2013 seinen Bekannten Adriano H. in den Fahrstuhlschacht eines Grünauer Hochhauses gestoßen haben.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Dieser Fall schockierte Leipzig: Im September 2013 wurde die Leiche eines jungen Mannes im Fahrstuhlschacht eines Hochhauses in Leipzig-Grünau gefunden. Das Opfer lag oben auf der Kabine, es war aus großer Höhe heruntergestürzt. Seit Donnerstag muss sich der mutmaßliche Täter vor dem Leipziger Landgericht verantworten. Sebastian T. soll seinen Bekannten Adriano H. in den Schacht gestoßen haben, um ihn loszuwerden. Dessen Freund Brian R. legte der 30-Jährige nach Überzeugung der Ermittler auf Bahngleise im Leipziger Westen, wo er von einem Güterzug erfasst und schwer verletzt wurde. Zu beiden Fällen hüllt sich T. in Schweigen. Der arbeitslose Koch werde sich im Prozess nicht äußern, kündigte sein Anwalt Detlef Knoch an.

Der Mord in einem Grünauer Fahrstuhl beschäftigt seit Donnerstag das Leipziger Landgericht. Der 30-jährige Sebastian T. soll seinen Bekannten Adriano H. im September 2013 in einen Aufzugsschacht seines Wohnblocks in der Stuttgarter Allee gestoßen haben. Zum Prozessauftakt hüllte sich der Angeklagte in Schweigen. Fotos: André Kempner

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Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wollte T. seine beiden Freunde heimtückisch umbringen, weil diese von seinen Betrügereien Wind bekommen hatten. „Er beschloss, sie zu töten, um sich vor strafrechtlicher Verfolgung zu schützen“, so Staatsanwältin Katrin Minkus. Neben Mord und versuchtem Mord werden dem wegen Betrugs vorbestraften 30-Jährigen acht Brandstiftungen mit selbstgebauten Brandsätzen aus Benzin und Böllern vorgeworfen. Allein sieben Mal soll er Anfang 2013 in seinem Wohnblock in der Stuttgarter Allee 30 gezündelt haben, mehrfach auch am Fahrstuhl des 16-Geschossers, in dem sich später das tödliche Drama ereignete.

Todesstoß aus der 14. Etage

Am 16. September 2013 lockte T. laut der Staatsanwältin seinen von Drogen benebelten Bekannten Adriano H. unter einem Vorwand zu dem Aufzugsschacht. Dort sollten angeblich Drogen versteckt sein. Mit einem Werkzeug öffnete T. die Aufzugstür in der 14. Etage und sperrte diese mit einem Teleskopstock auf. Danach schubste er seinen 22-jährigen Bekannten in die Tiefe – die Kabine befand sich zu dieser Zeit im Erdgeschoss. „Er stieß ihn in den Schacht, um ihn zu töten“, ist Staatsanwältin Minkus überzeugt. Die eingeklemmte Leiche wurde einige Tage später gefunden, als der Fahrstuhl blockierte.

Sechs Tage zuvor soll T. bereits einen Mordanschlag auf seinen Bekannten Brian R. verübt haben. Dem 20-Jährigen soll er Medikamente in seinen Energy-Drink gemischt und den bewusstlosen R. anschließend auf die Bahngleise zwischen Rückmarsdorf und Markranstädt gelegt haben. Der von einem Güterzug erfasste Mann überlebte schwer verletzt mit mehreren Brüchen und einem Polytrauma. Er ist, ebenso wie Mutter und Bruder des getöteten Adriano H., Nebenkläger in dem Prozess.

In diesem Wohnblock in der Stutgarter Allee 30 wurde die Leiche entdeckt.

Quelle: André Kempner

Landgericht steht Mammutprozess bevor

Motiv für die beiden Taten war offenbar die Verdeckung von Straftaten. Der spielsüchtige Angeklagte soll bereits seit 2010 seinen Lebensunterhalt mit Betrügereien im Internet bestritten haben. Zeitweise nahm er die Identität seines späteren Opfers Brian R. an, eröffnete in dessen Namen ein Bankkonto und einen Ebay-Account. Die dort angebotenen Waren wurden jedoch nie geliefert. Aus Angst, von seinen Bekannten angezeigt zu werden, wollte er diese aus dem Weg schaffen, glaubt die Staatsanwaltschaft.

Dem Landgericht steht in dem Indizienprozess ein Mammutprogramm bevor: Insgesamt 31 Prozesstage sind angesetzt, mehr als 30 Zeugen sollen geladen werden. Zum nächsten Termin am 25. August soll der Zugführer aussagen. Das Urteil wird für den 4. Januar 2016 erwartet.

Richter Hans Jagenlauf machte bereits deutlich, dass aufgrund der Taten auch die Unterbringung in Sicherungsverwahrung in Betracht kommen kann. Eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren wäre dann nicht möglich. T., der seriös mit Krawatte und im grauen Anzug im Gericht erschien und seit Dezember in Untersuchungshaft sitzt, nahm dies alles ohne erkennbare Regung hin.

Robert Nößler / Sabine Kreuz

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