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Mord ohne Leiche – Eklat zum Prozessauftakt

Verfahren in Leipzig Mord ohne Leiche – Eklat zum Prozessauftakt

Staranwalt Endrik Wilhelm will den Prozess um einen Mord ohne Leiche platzen lassen. Weil ein Schriftstück seines Mandanten von einem Übersetzer an die Staatsanwaltschaft weitergegeben wurde, will er die Einstellung des Verfahrens gegen seinen Mandanten beantragen.

Die 17-jährige Santa soll am Mord an ihrem Ex-Freund beteiligt gewesen sein.
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  Am ersten Prozesstag wurde nicht einmal die Anklage verlesen. Das Verfahren um den Mord ohne Leiche begann am Dienstag mit einem Eklat am Landgericht Leipzig. Endrik Wilhelm, Staranwalt aus Dresden und Verteidiger des 21-jährigen Mohammad Hasan A., erwägt die Einstellung des Verfahrens gegen seinen Mandanten zu beantragen. „Eine effektive Verteidigung ist nicht mehr möglich“, so Wilhelm. Den erfahrenen Strafrechtler regt ein Vorfall um ein Schriftstück auf. Sein Mandat hatte ihm in der vergangenen Woche eine Erklärung in arabischer Sprache übergeben. Wilhelm gab das Papier an ein Übersetzungsbüro in Dresden weiter. Dort blieb es offenbar auf dem Schreibtisch der Dolmetscherin liegen.

Ein Kollege habe es dort später gefunden und aus Neugier gelesen. Über den Inhalt ist bisher nichts bekannt, er ist aber offenbar brisant. Der Mitarbeiter des Büros ging mit der schriftlichen Aussage am Sonntag zur Polizei und übergab es schließlich der Staatsanwaltschaft in Dresden. Von dort sei die Erklärung dann am Montag in die Akten der Leipziger Ankläger gelangt. Am Dienstag lag das Papier in mehrfacher Ausfertigung in einem Karton im Gerichtssaal. Für Wilhelm ein Unding. Er wollte den Pappbehälter versiegeln lassen und ging sogar noch weiter: „Die Unterlagen müssen in den Ofen und verbrannt werden“, forderte der Verteidiger. Er sieht in der Weitergabe eine massive Verletzung des Grundsatzes auf ein faires Verfahren. Die Waffengleichheit zur Staatsanwaltschaft sei verletzt.

Leiche ist verschwunden

In dem Indizienprozess müssen sich eine Mutter Entessar A. (38), ihre Tochter Santa A. (17) und deren neuer Freund Mohammad Hasan A. (21) verantworten. Der Vorwurf: Sie sollen heimtückisch den Ex-Partner des Mädchens getötet haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trio vor, dem 30 Jahre alten Mann sowohl mit Händen als auch mit einem Messer todbringende Verletzungen zugefügt zu haben. Als Tatort gilt bislang die Wohnung von Entessar A. und ihrer Tochter im Leipziger Gerichtsweg. Die Anklage geht von einer Tatzeit zwischen dem 27. November 2015, 21.30 Uhr, und dem 28. November, kurz nach 2 Uhr, aus. Die drei Angeklagten, die aus Syrien stammen, sollen nach dem Verbrechen die Leiche an einem bislang nicht bekannten Ort versteckt haben.

Mutter und Tochter umarmten sich zum Prozessauftakt.

Mutter und Tochter umarmten sich zum Prozessauftakt.

Quelle: André Kempner

Nach den Erkenntnissen der Ermittler hatte die jetzt 17-jährige Santa A. das spätere Opfer – den Dolmetscher Fahad S. aus Afghanistan – im August 2013 in einem Asylbewerberheim in Chemnitz kennengelernt. Nachdem Mutter und Tochter im Juni 2014 nach Leipzig gezogen waren, lernte das Mädchen dann aber ihren neuen Freund Mohammad Hasan A. kennen, hatte aber weiter mit dem Dolmetscher Kontakt.

Brüder stellen Vermisstenanzeige

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sprechen mehrere Indizien gegen das Trio. So soll es nicht nur das Konto des Opfers abgeräumt, sondern auch seine Wohnung in Chemnitz geplündert sowie sein Auto verkauft haben. Die drei in Erfurt und Hamburg lebenden Brüder des Dolmetschers hatten den Mann als vermisst gemeldet und treten jetzt als Nebenkläger in dem Prozess auf..

Das Trio wurde am 16. Februar dieses Jahres festgenommen; seither sitzen alle drei Beschuldigten in Untersuchungshaft. Bislang hat die 3. Strafkammer des Landgerichts bis 14. November dieses Jahres insgesamt elf Verhandlungstage anberaumt. Nächster Termin ist der 7. September.

Von Sabine Kreuz/Matthias Roth

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