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Mord ohne Leiche: Krach um geheimes Geständnis

Landgericht Leipzig Mord ohne Leiche: Krach um geheimes Geständnis

Handfester Krach im Prozess um einen Mord ohne Leiche: Als Zeugen wurden am Morgen die Leipziger Oberstaatsanwältin Claudia Laube (52) und später ihr Dresdner Kollege Christian Avenarius (57) vernommen. Es ging um die Frage, wie ein Brief des Hauptangeklagten an seinen Verteidiger in die Hände von Staatsanwaltschaft und Gericht gelangen konnte.

Der Mordprozess läuft noch bis Frühjahr 2017 am Landgericht Leipzig.

Quelle: LVZ

Leipzig. Handfester Krach im Prozess um einen Mord ohne Leiche am Montag vor dem Landgericht Leipzig: Als Zeugen wurden am Morgen die Leipziger Oberstaatsanwältin Claudia Laube (52) und später ihr Dresdner Kollege Christian Avenarius (57) vernommen. Es ging um die Frage, wie ein Brief des Hauptangeklagten Mohammad A. (21) an seinen Verteidiger Endrik Wilhelm in die Hände von Staatsanwaltschaft und Gericht gelangen konnte. Immerhin soll der Syrer in der laut Wilhelm „geschützten Verteidigerpost“ die Schuld an dem Mord auf sich genommen und seine beiden Mitangeklagten entlastet haben.

Laube und Avenarius berichteten von einem Telefonat am Nachmittag des 14. August dieses Jahres – zwei Tage vor Beginn des Mordprozesses. Ein ihm bekannter Beamter des Landeskriminalamtes habe mit einem weiteren Kriminalisten und einem Dolmetscher seinen Rat gesucht, so Avenarius. Der Dolmetscher habe in der Wohnung seiner Freundin ein brisantes Dokument gefunden. Diesen auf hocharabisch geschriebenen Brief von Mohammad A. an seinen Anwalt nannte Avenarius „eine Art Geständnis“. Der Dresdner Oberstaatsanwalt sprach von einem Handlungszwang: „Mir war klar, dass dieses Dokument prozessual nicht verwertet werden durfte, aber ich kann als Staatsanwalt auch nicht darüber hinweggehen.“ Zumal in dem Schreiben auch geschildert werde, dass der Leichnam des Mordopfers in einem See bei Magdeburg versenkt worden sei.

Laube verwies darauf, dass mit dem Brief nicht nur die Belange eines Angeklagten berührt würden, sondern von allen drei Beschuldigten. Deren Verteidiger könnten somit prüfen, ob der für ihre Mandanten entlastende Brief als Beweismittel im Verfahren eingeführt werden solle. Laube habe das Dokument deshalb trotz rechtlicher Bedenken von Avenarius dem Gericht zukommen lassen. Vorwürfe, sie habe dem Dolmetscher mit einer Wohnungsdurchsuchung gedroht, wies die Oberstaatsanwältin zurück.

Verteidiger Endrik Wilhelm brauste immer wieder auf und kommentierte die Aussagen Laubes mit scharfen Worten. „Das ist ja so ein Unsinn, unfassbar!“, meinte er etwa, „diese Rechtsauffassung ist absurd.“

Schon seit Prozessbeginn tobt der Streit um den Brief. Wilhelm hatte deshalb Befangenheitsanträge gegen das Gericht gestellt. Mittlerweile gibt es Verhandlungstermine bis 5. April 2017. Mohammad A. sowie seiner Freundin Santa (17) und deren Mutter Entassar A. (38), die ebenfalls aus Syrien stammen, wird vorgeworfen, den 30-jährigen Übersetzer Farhad S. – der Afghane war Ex-Freund des beschuldigten Mädchens – nach Leipzig gelockt und ihn aus Habgier ermordet zu haben.

Von Frank Döring

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