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„Mord ohne Leiche“: Prozess verzögert sich

Landgericht Leipzig „Mord ohne Leiche“: Prozess verzögert sich

Schon mehr als ein Jahr zieht sich der Prozess gegen drei Männer wegen des Mordes an einem afghanischen Dolmetscher hin. Seit Dienstag ist klar: In dem Fall, der als „Mord ohne Leiche“ bekannt wurde, kommt es zu weiteren Verzögerungen.

Das Landgericht in Leipzig – seit mehr als einem Jahr läuft hier der Prozess um den Mord an einem Dolmetscher.
 

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Schon mehr als ein Jahr zieht sich der Prozess gegen drei Syrer wegen des Mordes an einem afghanischen Dolmetscher hin. Seit Dienstag ist klar: In dem Fall, der als „Mord ohne Leiche“ bekannt wurde, kommt es zu weiteren erheblichen Verzögerungen.

Dabei hatte die Staatsanwaltschaft bereits Ende Juli plädiert: Mohammad A. (22) und Entessar A. (39) sollen demnach wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes aus Habgier eine lebenslange Haft verbüßen, Santa A. (18) nach Jugendrecht neuneinhalb Jahre. Die damals 14-Jährige hatte den Dolmetscher Farhad S. (30), der für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge tätig war, im August 2013 in einem Asylbewerberheim in Chemnitz kennengelernt und mit dem deutlich älteren Afghanen eine sexuelle Beziehung. Obwohl sie mit ihrer Mutter Entessar im Juni 2014 nach Leipzig zog, blieb sie mit dem wohlhabenden Mann in Kontakt. Unter dem Vorwand, dass ihn Santa A. noch immer lieben würde, soll Farhad S. nach Leipzig gelockt und hier in der Wohnung der beiden Frauen im Leipziger Gerichtsweg ermordet worden sein. Die Anklage geht von einer Tatzeit zwischen dem 27. November 2015, 21.30 Uhr, und dem 28. November, kurz nach 2 Uhr, aus.

Laut Staatsanwaltschaft stach Mohammad A. 25-mal in Brust und Rücken von Farhad S. (30). Die Frauen hätten von der Tötungsabsicht gewusst und diese gebilligt. Zudem sollen sie bei der Planung und bei der Entsorgung der Leiche mitgewirkt haben. Nach dem Vergraben des Leichnams hätten sie 10 000 Euro vom Konto des Opfers abgehoben, seinen Audi A 3 für 4000 Euro verkauft, zudem seinen BMW genutzt. Erst im März dieses Jahres war die Leiche überraschend in einem Waldstück im Külzauer Forst an der Autobahn 2 bei Burg entdeckt worden – ein dreiviertel Jahr nach Prozessbeginn.

Am Mittwoch, es war der 31. Verhandlungstag, beantragten die Verteidiger Daniel Luderer und Endrik Wilhelm die Vernehmung von zwei Zeugen. Die Männer sollen dabei gewesen sein, als Entessar A. und ihre Tochter im Herbst 2015 bei der Polizei waren, um Farhad S. wegen Nachstellung und Nötigung anzuzeigen. Allerdings hätten sie zwei Stunden umsonst auf der Dienststelle in der Dimitroffstraße gewartet und dann, weil sie nicht noch länger warten wollten, auf eine Anzeigeerstattung verzichtet. „Das betrifft den Kern des Mordvorwurfs“, so Rechtsanwalt Wilhelm. „Es ging eben nicht um Rache oder Habgier, sondern war schiere Ausweglosigkeit, um sich vor den Straftaten von Farhad S. zu schützen.“ Die Polizei habe sich um das Problem nicht gekümmert. Bereits in ihren Geständnissen hatten die Angeklagten so argumentiert. Mohammad A. sagte, dass Santa A. von dem Dolmetscher vergewaltigt und misshandelt worden sei. Laut Entessar A. wollte sie Farhad S. wegen der sexuellen Gewalt zur Rede stellen.

Allerdings lehnte das Gericht beide Beweisanträge ab. Streit entzündete sich zwischen Strafkammer und Verteidigung auch in der Frage der psychiatrischen Begutachtung von Mohammad A. – was zu einem weiteren Befangenheitsantrag gegen das Gericht führte. Der Prozess wird am 30. August fortgesetzt. Zusätzliche Verhandlungstermine wurden bis Mitte November geplant.

Von Frank Döring

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