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Mord ohne Leiche: Trio schweigt

Landgericht Leipzig Mord ohne Leiche: Trio schweigt

Ein Dolmetscher soll in Leipzig getötet und danach im Elbe-Havel-Kanal in Sachsen-Anhalt versenkt worden sein. Doch das Opfer wurde bislang nicht gefunden. Im Prozess um einen Mord ohne Leiche am Leipziger Landgericht erklärten die drei Angeklagten am Dienstag, zunächst schweigen zu wollen.

Das Landgericht Leipzig verhandelt in einem Mordfall, in dem bislang keine Leiche gefunden wurde.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ein Dolmetscher soll in Leipzig getötet und danach im Elbe-Havel-Kanal in Sachsen-Anhalt versenkt worden sein. Doch das Opfer wurde bislang nicht gefunden. Im Prozess um einen Mord ohne Leiche am Leipziger Landgericht erklärten die drei Angeklagten am Dienstag, dem mittlerweile dritten Verhandlungstag, vorläufig keine Angaben zu den Vorwürfen machen zu wollen.

Die Staatsanwaltschaft lastet dem Trio an, den Übersetzer aus Chemnitz, den 30-jährigen Afghanen Farhad S., nach Leipzig gelockt und ihn aus Habgier heimtückisch ermordet zu haben. Auf der Anklagebank sitzen die 38-jährige Entassar A., ihre Tochter Santa (17) und deren Freund Mohammad A. (21). Die drei Syrer sollen das Opfer, den Ex-Partner der 17-Jährigen, unter dem Vorwand, dass ihn das Mädchen noch immer lieben würde, in eine Wohnung in den Gerichtsweg gelotst haben. Dort jedoch habe ihn der 21-Jährige – nach einem mit beiden Frauen geschmiedeten Tatplan – mit einem Messer und bloßen Händen umgebracht, sagte Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller.

Wegen diverser Anträge der Verteidigung seit dem Prozessauftakt am 16. August kam es erst am Dienstag zur Verlesung der Anklage. Müller zufolge soll der 21-jährige Angeklagte, ein Student, nach dem Mord zwei Autos des Afghanen gestohlen haben. Für einen BMW habe er einen Kaufvertrag rückdatiert und die Unterschrift des Opfers gefälscht. „Zudem entwendete er einen Audi A 3 des Geschädigten in Chemnitz“, sagte der Staatsanwalt. Dieses Fahrzeug habe Mohammad A. dann am 1. Dezember 2015 an einen Leipziger Autohändler verkauft. Mit einer gefälschten Unterschrift soll der Student auch 10 500 Euro vom Konto des Opfers in einer Sparkassenfiliale im sächsischen Glauchau abgehoben haben.

Wie berichtet, gab es bereits am ersten Prozesstag einen Eklat. Auslöser war ein Schreiben des 21-jährigen Angeklagten an seinen Verteidiger Endrik Wilhelm. Der Professor hatte das in arabischer Sprache verfasste Schriftstück einem Dresdner Übersetzerbüro übergeben. Dort war es allerdings auf dem Schreibtisch einer Dolmetscherin liegengeblieben. Ein Freund und Kollege, der es in ihrer Abwesenheit gelesen hatte, erachtete den Inhalt offenbar für so brisant, dass er den Brief zu Ermittlungsbehörden in Dresden brachte, die ihn wiederum der Staatsanwaltschaft Leipzig zur Verfügung stellten. Nach Ansicht Wilhelms ist dadurch „eine effektive Verteidigung nicht mehr möglich“. Dass Staatsanwaltschaft und Gericht diesen Brief lasen, sei skandalös. Es handle sich um geschützte „Verteidigerpost“, so Wilhelm. Er stellte einen Befangenheitsantrag gegen alle drei Berufsrichter der 3. Strafkammer.

Dieser wurde am Dienstag von einer anderen Strafkammer abgelehnt. Begründung: Es bestehe kein grundlegender Verstoß gegen Verfahrensrechte, selbst wenn diese Konstellation „außergewöhnlich“ sei. Auch der Antrag an das Gericht, den Brief zur Vernichtung herauszugeben, wurde abgelehnt. Aufgrund der Übermittlung durch einen Zeugen „stellt er keine Verteidigerpost mehr dar“, so der Vorsitzende Richter Norbert Göbel. Und: „Die Unterlagen sind für die Beweisaufnahme wichtig.“

Daraufhin folgte ein erneuter Befangenheitsantrag gegen die drei Berufsrichter und zwei Schöffen. Auch darüber muss nun wieder eine andere Strafkammer entscheiden. Fortsetzung: 12. Oktober.

Von Sabine Kreuz

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
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