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Mordprozess: Jasmin ging nur durch Zufall in Disco – Angeklagter sollte sie beschützen

Mordprozess: Jasmin ging nur durch Zufall in Disco – Angeklagter sollte sie beschützen

Der mutmaßliche Mörder von Jasmin K. aus Elbisbach sollte seinem Opfer in der Mordnacht eigentlich Halt geben. Nur durch einen Zufall sei die 19-Jährige an dem Pfingstwochenende überhaupt in die Frohburger Disco „Blue“ gefahren.

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Verteidiger Rainer Wittner mit dem Angeklagten Sebastian S. am Freitagmorgen beim Prozessauftakt im Leipziger Landgericht.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Am dritten Prozesstag sagten der Partner und Freunde von Jasmin vor dem Landgericht Leipzig aus. Erstmals waren auch die als Nebenkläger auftretenden Eltern der jungen Frau im Gerichtssaal anwesend.

Jasmins Freund Peter W. wirkt gefasst auf seinem Zeugenstuhl. Mit ruhiger Stimme berichtet er der Schwurgerichtskammer von der letzten Begegnung mit seiner Freundin und den anschließenden Tagen in Ungewissheit. Später, als der 23-Jährige auf den Zuschauerplätzen die Verhandlung weiter verfolgt, stützt er immer wieder sein Gesicht mit den Händen.

Ein Strohhalm entscheidet

Zuletzt sieht Peter W. seine Freundin am frühen Abend vor der Tat. Da holt er sie vom Bahnhof ab. „Jasmin hat mich gefragt, ob sie später ins „Blue“ fahren soll“, berichtet W. Er selbst kann nicht mitkommen, muss am nächsten Tag arbeiten und schon um 4 Uhr aufstehen. Eigentlich will der 23-Jährige seiner Freundin die Entscheidung nicht abnehmen. „Du bist alt genug“, sagt er ihr. Dann lässt ihr Freund sie Strohhalme ziehen, sie erwischt das längere Ende und glaubt sich im Glück.

Jasmins Kumpel Erik S. ist auch mit von der Partie. Er wohnt in Otterwisch, eine gute Viertelstunde mit dem Auto von Jasmins Heimatdorf entfernt. Die junge Frau fährt nachts nicht gern allein. „Da hat sie immer die Türen verriegelt“, errinnert sich Peter W.

Auf dem Rückweg muss Jasmin zuerst wieder Erik S. absetzen. Die letzten rund 14 Kilometer lägen ohne Begleitung vor ihr. Die Clique weiß um die Angst der Auszubildenden und bittet deshalb den jetzt Angeklagten Sebastian S. mit in die Disco zu fahren. Er wohnt in Jasmins Nachbardorf Hopfgarten, soll als Beschützer auf dem letzten Abschnitt mitfahren.

Letzte SMS um 4.07 Uhr

Als das Trio das „Blue“ kurz vor Mitternacht erreicht, liegt Peter W. schon im Bett. „Es ist langweilig ohne Dich“ und „Ich liebe Dich“, schickt ihm Jasmin aufs Handy. Die letzte Nachricht leuchtet um 4.07 Uhr auf seinem Mobiltelefon auf. „Ich freue mich auf den Abend mit Dir“, schreibt die Freundin da. Am Sonnabend will das Paar eine Vereinsfeier in einem der Nachbarorte besuchen. Wo Jasmin diese SMS abgeschickt hat, ist noch unklar. Möglicherweise tippt sie die Worte am Straßenrand parkend ein, als Sebastian S. austreten war. Kurz darauf begeht er seine Gewalttat, so hat es Sebastian S. gestanden.

Peter W. berichtet der Kammer von den folgenden Tagen der Ungewissheit, wie rund 100 Freiwillige mit ihm die Umgebung absuchen und von Kontakten mit dem Angeklagten. Sebastian S. wird am Sonnabend völlig verwirrt in die Klinik nach Borna eingeliefert. Als er sich gesammelt hat, fragt er bei seinem Kumpel, wie die Suche läuft. „Er wollte immer auf dem aktuellen Stand sein“, so Peter W., der seinen früheren Freund heute nur noch den Herrn S. nennt.

Mutmaßlicher Mörder tröstet

Die Nachricht vom Leichenfund am Pfingstmontag erfährt der mutmaßliche Mörder zu Hause in Hopfgarten zusammen mit Mandy M., einer Freundin aus der Clique. Die 20-Jährige schildert diese Situation der Kammer. Sebastians Mutter beginnt damals an zu weinen, Mandy ist völlig aufgelöst, ergibt die Zeugenbefragung. Was niemand ahnt, der Täter steht genau neben ihnen, nimmt die Mutter in den Arm, streichelt der Bekannten den Arm.

Die Freunde erzählen am Freitag vor Gericht vom Abend in der Disco, der sei wie immer gewesen: Sie tanzen, trinken Alkohol und albern herum. Und sie reden im Zeugenstand über Sebastian S. Niemand kann sich erklären, was in der Nacht aus dem Ruder gelaufen ist. „Er war immer nett und hilfsbereit“, sagt Mandy M. Es bleiben in dem Prozess weiter mehr Fragen offen, als Antworten weiterhelfen.

Jasmins Eltern verfolgen die Verhandlung gefasst an der Seite ihrer Rechtsanwältin. Der Vater schaut immer wieder hinüber zur Anklagebank, die Mutter redet viel mit ihrem Rechtsbeistand. Dann ist Schluss. Der Prozess wird am 6. Januar fortgesetzt.

Matthias Roth

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