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Polizeiticker Leipzig Mordversuch – Barkeeper sticht zwei vermeintliche Diebe nieder
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Mordversuch – Barkeeper sticht zwei vermeintliche Diebe nieder
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15:06 08.11.2018
Vor Prozessbeginn: Angeklagter Andre P. (r.) mit Anwalt Malte Heise. Quelle: Foto: A. Kempner
Leipzig

Sie befanden sich auf dem Heimweg von einer Party in der Studentendisco „TV Club“, als ein Unbekannter sie am 1. Juni dieses Jahres plötzlich von hinten mit einem Messer niederstach. Der Täter hielt die zwei Sportstudenten für die Diebe seiner Geldbörse – ein Irrglaube.

Wegen versuchten Mordes muss sich der 23 Jahre alte Andre Romano P. – ein Barkeeper aus Leipzig – seit Mittwoch vor dem Landgericht verantworten.

„Mein Arm und meine Klamotten waren voller Blut. Es lief bis in die Schuhe. Da ist mir klar geworden, dass etwas Schlimmes passiert war“, schildert Frederik K. (24) als Betroffener vor Gericht. Der Sportstudent unterhielt sich damals auf dem Heimweg gerade mit Kommilitonin Katharina F. (25), als sich ihnen in der Eutritzscher Straße – nahe der Roscherstraße – der Unbekannte näherte. Da war es kurz nach 3 Uhr. Zwei weitere Studenten, die zur Gruppe gehörten, waren schon ein Stück weit vorangelaufen.

Opfer in Lebensgefahr

„Völlig unvermittelt stach der Angeklagte das Messer mit einer acht bis zehn Zentimeter langen Klinge mehrfach wuchtig in den Rücken und Nacken des Mannes“, sagt Staatsanwalt Torsten Naumann zum Prozessauftakt. Frederik K. wurde fünfmal getroffen. Er schwebte in Lebensgefahr.

Nachdem er auf den Hof der Stadtwerke flüchten konnte, erhob der Täter das Messer gegen Katharina F. – sie erlitt vier Stich- und Schnittverletzungen. Beide wurden in die Notaufnahme einer Klinik gebracht und operiert.

„Aus Rache und Selbstjustiz“ habe der Angeklagte zugestochen, so der Staatsanwalt. „Ihm war bewusst, dass Stiche in den Rücken todbringende Verletzungen sein können.“ Andre P. habe „heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen“ gehandelt. „Er war der irrigen Annahme, dass die Gruppe seine Geldbörse gestohlen hat. Tatsächlich hatte er diese aber bei sich.“

Der Messerstecher war zunächst in Richtung Zoo geflüchtet, aber noch am Tatmorgen von der Polizei gefasst worden. Er sitzt seither in Untersuchungshaft.

Anwalt: „Wahrnehmungschaos“

Sein Verteidiger Malte Heise spricht vor Gericht von einem „Wahrnehmungschaos“ seines Mandanten. Andre P. sei vor zwei, drei Jahren in Leipzig-Schönefeld Opfer eines Trickdiebes geworden. Der habe das Portemonnaie geklaut.

Als Andre P. nun an jenem 1. Juni ebenfalls von einer Geburtstagsparty in Familie auf dem Heimweg war, sei er an einer Tankstelle von einer Person belästigt und nach seinem Handy gefragt worden. Da habe der Barkeeper eine Bande vermutet. Als er wenig später die Gruppe sah, „war ich mir sicher, die gehören zum Dieb“, heißt es weiter in der vom Verteidiger verlesenen Erklärung. „Ich habe nicht geredet, sondern zugestochen. Dann bekam ich Panik und rannte weg.“

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Hans Jagenlauf, ob er selbst eine Erklärung habe, sagt der 23-Jährige: „Ich habe keine. Es lag am Alkohol, dass ich falsch entschieden habe.“ Er hatte etwa zwei Promille intus. Nach dem Geständnis entschuldigt sich der bis dato Unbescholtene bei beiden Opfern, die nach ihren Worten psychisch „relativ gut klarkommen“, nicht unter Ängsten leiden. Der Prozess läuft noch bis 29. November.

Von Sabine Kreuz

Update: Der angeklagte Barkeeper ist kein Mitarbeiter des TV-Clubs.

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