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Mordversuch an Frau und Tochter: Staatsanwältin fordert lebenslänglich

Mordversuch an Frau und Tochter: Staatsanwältin fordert lebenslänglich

Im Prozess gegen einen irakischen Familienvater wegen zweifachen Mordversuchs hat die Staatsanwaltschaft gestern lebenslange Haft für den Angeklagten gefordert.

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Quelle: dpa

Djamal A. (42) habe am 31. August 2014 in der Wohnung der Familie in der Lützner Straße jeweils 17 Mal auf seine Frau Anisa (40) und seine damals 15-jährige Tochter Lya (Namen der Opfer geändert) eingestochen, um sie zu töten, so Staatsanwältin Karin Schultrich. "Es bestand eindeutig ein Tötungsvorsatz", sagte sie. Bei der Tatwaffe habe es sich um ein Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge gehandelt, mit dem sonst Schafe zerteilt werden.

Wie berichtet, schwebten Mutter und Tochter in Lebensgefahr. Lya erlitt sogar noch am Tatort einen Kreislaufschock. Beide überlebten nur durch Not-Operationen - und sehr viel Glück. Schultrich räumte ein, dass die Staatsanwaltschaft von jenem Tathergang ausgehe, den die Opfer schilderten. Beide wollten jedoch nicht in der Hauptverhandlung vor Gericht gegen den Familienvater aussagen und nahmen als Angehörige ihr Recht auf Aussageverweigerung in Anspruch. Deshalb fußen die Erkenntnisse zum Tatablauf auch ausschließlich auf den Angaben, die Anisa und Lya im Rahmen des Verfahrens gegenüber dem Ermittlungsrichter gemacht haben.

Dies kritisierte Verteidiger Stephan Bonell vehement. Die Arbeit der Ermittlungsbehörden sei "katastrophal" gewesen. So sei bei der Vernehmung der Opfer nicht einmal ein Vertreter der Staatsanwaltschaft zugegen gewesen. "Wir haben keinen genauen Geschehensablauf", schlussfolgerte er in seinem Plädoyer, "wissen so gut wie nichts."

Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, wonach der Iraker nur deshalb von seinen Opfern abließ, weil er dachte, sie seien schon tot, ging Bonell davon aus, dass sein Mandant vom Tötungsvorsatz wieder zurückgetreten sei. Djamal A. habe im Affekt gehandelt. "Hat er wirklich vorgehabt, das Leben von Frau und Tochter auszulöschen?", so der Strafverteidiger. "Er war in einem Blutrausch, "aber was hat er wahrgenommen?" Bonell sprach von einer "schändlichen Tat", aber eben nicht von einem versuchten Tötungsdelikt. Sieben Jahre Haft forderte er für seinen Mandanten wegen schwerer Körperverletzung.

Die Spuren dieser Bluttat, die großen Narben, wird Lya ein Leben lang an jenen Tag erinnern, als ihre Familie aufhörte zu existieren. "Mir kamen die Tränen, als ich ihre Wunden sah", gestand Opferanwalt Stefan Costabel, der ebenfalls lebenslänglich forderte. "Meine Mandantin hat mir aufgetragen, vor dem Angeklagten zu sagen, dass er sie nicht gebrochen hat und er auch nicht mehr ihr Vater ist." Allmählich finde das Mädchen ins Leben zurück. "Die Brocken, die auf ihren kleinen Schultern lasten, sind immens."

Ihr Vater versuchte, das Unerklärliche zu erklären. "Ich habe viel ausgehalten, aber irgendwann konnte ich nicht mehr", so Djamal A. "Ich liebe meine Frau und meine Tochter. Aber dann kam es in mir zu einer Explosion."

Das Urteil wird heute verkündet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.03.2015

Döring, Frank

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