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Polizeiticker Leipzig Mordversuch auf offener Straße: Staatsanwalt will achteinhalb Jahre Haft
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Mordversuch auf offener Straße: Staatsanwalt will achteinhalb Jahre Haft
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19:14 28.11.2018
Der Angeklagte Andre P. (r.) mit Verteidiger Malte Heise im Landgericht Leipzig. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

„Ich hätte mir nie zugetraut, so rücksichtslos zu handeln.“ Andre P., der Angeklagte, wirkte am Landgericht Leipzig selbst erschüttert über das, was er zwei Menschen angetan hat. Laut Anklage stach der 23-Jährige am 1. Juni dieses Jahres nachts in Leipzig, im Zentrum-Nord, mit einem Messer von hinten auf die beiden Passanten ein, fügte ihnen teils schwerste körperliche Schäden zu.

Staatsanwalt Torsten Naumann forderte am Mittwoch, den beschuldigten Barkeeper wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu achteinhalb Jahren Gefängnis zu verurteilen. Verteidiger Malte Heise bewertete die Übergriffe jeweils als gefährliche Körperverletzung und hielt insgesamt fünf Jahre Haft für angemessen.

Nach Ansicht von Staatsanwalt Naumann spielte sich Andre P. als „Herr über Leben und Tod“ auf. Auf seinem Heimweg nach einer Familienfeier glaubte sich der 23-Jährige plötzlich einer Diebesbande gegenüber. „Ein Wahrnehmungsfehler“, wie sein Verteidiger formulierte. Andre P. bildete sich ein, von Kriminellen bestohlen worden zu sein. Seinen verlustig geglaubten Geldbeutel hatte er, wie er später selbst feststellte, allerdings noch bei sich.

„Mit erheblicher Wucht“ habe Andre P. in der Eutritzscher Straße auf einen vor ihm laufenden jungen Mann – Frederik K. (24) – und danach noch auf dessen Begleiterin Katharina F. (25) eingestochen, so der Staatsanwalt. „Er nahm den Tod beider billigend in Kauf.“ Die zwei Sportstudenten, in ein Gespräch vertieft, seien völlig arg- und wehrlos gewesen.

Urteilsverkündung am Donnerstag

Frederik K. schilderte als Zeuge vor Gericht: „Mein Arm und meine Klamotten waren voller Blut. Es lief bis in die Schuhe. Da ist mir klar geworden, dass etwas Schlimmes passiert war.“ Das Duo war mit zwei weiteren Bekannten kurz nach 3 Uhr ebenfalls auf dem Heimweg, konnte sich letztlich auf den Hof der Stadtwerke retten.

Staatsanwalt Naumann wertete den beinahe tödlichen Messerangriff auf den Sportstudenten als versuchten Mord, gegenüber der Kommilitonin jedoch als gefährliche Körperverletzung, weil Andre P. von ihr abgelassen habe, als sie stürzte und bereits am Boden lag. Es handele sich dabei um einen „strafbefreienden Rücktritt vom Versuch“. Anne Prestrich und Nicolas Sauer, die Anwälte der beiden Opfer, plädierten hingegen auf versuchten Mord in beiden Fällen. Bei der Höhe der Strafforderung schlossen sie sich dem Antrag des Staatsanwaltes an.

Verteidiger Malte Heise sprach vom „Augenblicksversagen eines ansonsten rechtstreuen jungen Mannes“, der die Übergriffe von Anfang an einräumte. Es habe sich nicht um versuchte Tötungsdelikte gehandelt. Der Anwalt verwies zudem auf die erhebliche Alkoholisierung zur Tatzeit (maximal 2,3 Promille) und somit eine eingeschränkte Schuldfähigkeit.

Die Schwurgerichtskammer will am Donnerstag ihr Urteil verkünden.

Von Sabine Kreuz

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