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Mordversuch aus Rache: Acht Jahre Haft für einstigen Pizzeria-Mitarbeiter

Mordversuch aus Rache: Acht Jahre Haft für einstigen Pizzeria-Mitarbeiter

Aus Rache für seine fristlose Kündigung bei einem Pizza-Lieferservice hat der Leipziger Marco H. (24) im Mai 2013 im Wohnhaus seiner beiden Chefs in Connewitz Feuer gelegt.

Leipzig. Gestern bekam er vom Landgericht für versuchten Mord an zehn Bewohnern, darunter einigen Kindern, sowie für eine Serie weiterer Delikte die Quittung: acht Jahre Haft.

"Die Bewohner hatten großes Glück, dass alles glimpflich ausging. Aber Sie auch", sprach der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf den Angeklagten gestern direkt an. Und verwies auf den so tragischen Fall aus Hamburg, wo erst vorige Woche ein 13-jähriger Jugendfeuerwehrmann in einer Flüchtlingsunterkunft gezündelt hatte und drei Menschen ums Leben kamen. "Der Junge hat wie Sie auch den Tod nicht gewollt, aber billigend in Kauf genommen." Mit 13 Jahren ist der Hamburger noch strafunmündig. Beim Eintritt derart schwerer Folgen auch in Leipzig hätte die Strafe für den 24-Jährigen lebenslänglich verbunden mit der Verhängung der besonderen Schwere der Schuld bedeutet, so Jagenlauf weiter. Dass die Sanktion nunmehr sehr milde ausfalle, liege am Geständnis des Angeklagten und seiner glaubhaften Schuldeinsicht. Es sei ungewöhnlich, dass sich Marco H. vor Prozessbeginn in einem Brief an das Gericht gewandt habe, um reinen Tisch zu machen, um ein neues Leben zu beginnen.

Wie berichtet, gab der 24-Jährige zu, am 15. Mai vorigen Jahres gegen 3.15 Uhr einen Fahrradanhänger im Treppenhaus in der Bornaischen Straße angezündet und sich danach aus dem Staub gemacht zu haben. "Ich hatte aber nicht die Absicht, Menschen in Gefahr zu bringen", so der Beschuldigte später. Er habe seinen Chefs nur einen Schrecken einjagen wollen. Allerdings hatte er die fristlose Kündigung provoziert, indem er sich heimlich einen Firmenwagen schnappte und zur Disco nach Halle fuhr. Weil ein Rauchmelder in der Tatnacht anschlug und die Feuerwehr rechtzeitig die auf Holztreppen und -vertäfelung übergreifenden Flammen löschen konnte, wurde eine furchtbare Tragödie verhindert. Vor allem die Kinder, die aus dem Schlaf gerissen wurden, würden unter den psychischen Folgen leiden, sagte der Richter. Laut Gericht verwirklichte Marco H. mit der Tat, die er heimtückisch, mit gemeingefährlichen Mitteln und aus niedrigen Beweggründen beging, gleich mehrere Mordmerkmale. Zudem hatte er Reifen zerstochen, bei Frust und unter Alkohol Autos und weitere Gegenstände in Brand gesteckt.

Das Landgericht folgte dem "maßvollen Antrag" von Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller, der auf acht Jahre plädiert hatte. Verteidiger Ingo Stolzenburg bewertete das Zündeln "nur" als Sachbeschädigung am Fahrradanhänger und als fahrlässige Brandstiftung im Flur. Einen Antrag zur Strafhöhe stellte er nicht. Sein Mandant rechnete gestern jedoch mit einer geringeren Strafe. Ob Revision eingelegt wird, ist noch unklar. Marco H., der zwei Lehren - zum Hotelfachmann und Kfz-Mechatroniker - geschmissen hatte, soll im Gefängnis eine Chance zur Berufsausbildung erhalten sowie in einer Sozialtherapeutischen Abteilung behandelt werden. Mit seiner Freundin hat er drei Kinder, darunter zwei gemeinsame. Bislang hält sie noch zu ihm.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.02.2014

Sabine Kreuz

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