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Mordversuch im Elternhaus: Leipziger will eigenen Vater töten

Prozess am Landgericht Mordversuch im Elternhaus: Leipziger will eigenen Vater töten

Seit Mittwoch steht ein Leipziger (28) vor Gericht, dem die Staatsanwaltschaft versuchten Mord vorwirft. Toni B. soll in der Nacht zum 16. Januar 2017 versucht haben, seinen schlafenden Vater mit einer Rasierklinge umzubringen.

Im Prozess am Landgericht geht es um einen Drogensüchtigen, der versucht haben soll, seinen Vater zu töten.
 

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Hörte er im Wahn Stimmen oder befahl ihm tatsächlich ein Kumpel, seinem eigenen Vater den Kopf abzuschneiden? Seit Mittwoch steht ein 28-jähriger Leipziger vor Gericht, dem die Staatsanwaltschaft versuchten Mord vorwirft. Demnach soll Toni B. in der Nacht zum 16. Januar 2017 zwischen 23 und 23.30 Uhr im Elternhaus in Engelsdorf versucht haben, seinen schlafenden Vater Jürgen (57) mit einer Rasierklinge umzubringen. „Er wollte ihn töten“, stellte Staatsanwalt Ulrich Jakob zum Prozessauftakt klar. „Zuvor hatte der Beschuldigte an einigen Stellen im Haus Messer bereitgelegt.“ Die Schnittverletzung an der rechten Halsseite – fünf Zentimeter lang, 0,5 Zentimeter tief – blutete zwar stark, erwies sich allerdings als nicht lebensbedrohlich.

Jürgen B. rief nicht sofort die Polizei, doch als er die im Haus bereitgelegten Messer entdeckte, bekam er nach eigener Aussage Angst. Die Beamten trafen gegen 1.50 Uhr ein – und bekamen es mit einem aggressiven Tatverdächtigen zu tun. Laut Staatsanwaltschaft schlug und trat Toni B. um sich, biss einen Polizisten in den rechten Arm, weshalb ihm neben versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung auch Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen wird.

Bestraft werden kann der gebürtige Schkeuditzer für diese Taten aber nicht. Die Anklagebehörde ist der Ansicht, dass Toni B. die Bluttat im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat. Wegen seines langzeitigen Drogenkonsums habe sich der Beschuldigte in einem akuten psychotischen Zustand befunden. Deshalb läuft vor der 1. Strafkammer des Landgerichts auch ein sogenanntes Sicherungsverfahren. Dabei geht es nicht um eine Verurteilung zu einem bestimmten Strafmaß, sondern um die Frage, ob Toni B. für längere Zeit in der geschlossenen Psychiatrie behandelt werden muss. Er war bereits von der Untersuchungshaft in eine Klinik für Forensische Psychiatrie eingewiesen worden. Staatsanwalt Jakob geht davon aus, dass von dem 28-Jährigen aufgrund seines Zustands weitere erhebliche Straftaten zu erwarten sind.

Die Aussagen von Toni B. lassen darauf schließen, in welchem verwirrten Zustand er zur Tatzeit gewesen sein muss. Gegenüber einem psychiatrischen Sachverständigen erklärte er, Stimmen gehört zu haben. Vor Gericht ließ er über seinen Verteidiger Malte Heise erklären, dass ihn ein Kumpel aufgefordert habe, seinem Vater den Kopf abzuschneiden, ansonsten würde ihm selbst das angetan. Dieser Bekannte habe auch einen Schlüssel für sein Elternhaus gehabt, so Toni B., er habe sich von ihm bedroht gefühlt. Aus Angst vor Angriffen habe er deshalb auch die vielen Messer im Haus bereitgelegt. Die Bluttat selbst räumte Toni B. vor Gericht ein. In mehreren Briefen entschuldigte er sich mittlerweile bei seinen Eltern. Auch für frühere Zwischenfälle, die Gegenstand der Anklage sind. So soll er Ende August 2016 seiner Mutter gedroht haben, den Fernseher zu zerstören, wenn sie ihm nicht sofort Geld gibt. Zudem soll er Wände in seinem Zimmer zerstört haben – Schaden: 2000 Euro. „Er hatte seit mindestens einem Jahr Probleme mit Drogen“, sagte sein Vater. „Deshalb kamen immer diese Wutausbrüche.“

Der Prozess ist noch bis 9. August geplant.

Von Frank Döring

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