Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Polizeiticker Leipzig Mordversuch in Asylunterkunft – Prozess beginnt
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Mordversuch in Asylunterkunft – Prozess beginnt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:18 16.04.2018
Der Angeklagte Maher Al-G. (r.) mit seinem Verteidiger Stephan Bonell. Quelle: Foto: A. Kempner
Anzeige
Markranstädt/Leipzig

Sie waren Freunde und in der Flüchtlingsunterkunft in Markranstädt auch unmittelbare Zimmernachbarn. Doch am 19. August 2017 soll der Iraker Maher Al-G. (30) kurz vor Mitternacht seinem Landsmann Rafea Al-K. (38) zweimal mit Wucht ein Messer in den Rücken gerammt haben, um ihn zu töten. Ein dritter Stich verletzte den linken Arm. Nach der Anklageerhebung wegen versuchten Mordes begann am Montag ein mehrtägiger Prozess vor dem Leipziger Landgericht.

Opfer blutüberströmt

„Beim letzten Stich brach die Klinge ab. Der Angeklagte erkannte daraufhin, dass er seinen Plan nicht mehr umsetzen konnte und verließ den Tatort“, sagte Staatsanwalt Torsten Naumann. Das Opfer war blutüberströmt am Eingang der Unterkunft an der Krakauer Straße entdeckt und ins Leipziger Diakonissenkrankenhaus gebracht worden.

„Ohne sofortige medizinische Versorgung wäre der Verletzte verstorben“, so der Staatsanwalt weiter. Durch die Messerstiche mit einer sieben Zentimeter langen Klinge habe die Gefahr bestanden, dass Luft in den Brustkorb eindringt. Bei einem Sturz hatte der Geschädigte zudem eine Kopfplatzwunde erlitten.

Die Staatsanwaltschaft ging in ihrer Anklage davon aus, dass ein Streit um religiöse Fragen Auslöser des Messerangriffs war. Dem Vernehmen nach sind beide Asylbewerber Moslems, sie gehören jedoch verschiedenen Glaubensrichtungen an: Der Angeklagte ist Sunnit, der Geschädigte Schiit.

Doch der Beschuldigte wollte am Montag auf Anraten seines Verteidigers Stephan Bonell zunächst keine Angaben machen. Und das Opfer erklärte: „Ich weiß bis jetzt nicht, was eigentlich Sache ist. Ich habe ihn nicht verletzt, auch verbal nicht.“ Zudem wies er darauf hin, dass es im Irak „noch die Blutrache“ gebe und er nicht wolle, dass die Angehörigen des Angeklagten Probleme bekämen.

Prozess bis 30. April

Auf Nachfragen des Vorsitzenden Richters Hans Jagenlauf schilderte der Geschädigte schließlich, dass es nach Provokationen „zum Kampf“ kam. Der Angeklagte habe ihn durch lautes Klopfen an die Zimmerwand genervt, er sich revanchiert und ihm stinkendes Wasser ins Zimmer geschüttet.

„Dann beschimpfte er mich als Schiit, beleidigte meine Familie.“ Religiösen Streit hätten sie aber zuvor nie gehabt. Außerhalb der Unterkunft schlugen beide aufeinander ein. „Der Angeklagte fing an. Ich ging nicht davon aus, dass er mich mit einem Messer traktiert.“ Zur Aufklärung des Verbrechens will das Gericht bis 30. April noch mehrere Zeugen hören.

Von Sabine Kreuz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach mehreren Beschwerden über Lärm von der Nonnenwiese hat die Polizei am Sonntagabend dort eine Musikveranstaltung mit rund 250 Gästen aufgelöst. Die Veranstalter betrieben neben lauter Musik auch eine Bar.

16.04.2018

Auf dem Weg durch den Grünstreifen am Leipziger Dittrichring ist ein 27-Jähirger in der Nacht von Freitag zu Samstag überfallen worden. Drei Männer bedrohten ihn mit einem Messer und stahlen sein Smartphone. Die Polizei bittet um Hinweise.

16.04.2018

Ein Auto hat am Sonnabend einem Motorrad auf der Milititzer Straße die Vorfahrt genommen. Der Zweiradfahrer verletzte sich dabei schwer und musste in eine Klinik eingeliefert werden.

15.04.2018
Anzeige