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Polizeiticker Leipzig Motiv-Suche: Auf welchen Typ war Stückelmörder fokussiert?
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Motiv-Suche: Auf welchen Typ war Stückelmörder fokussiert?
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19:16 29.01.2019
Vor Prozessbeginn im Landgericht: Der Angeklagte Dovchin D. (rechts) mit seinem Verteidiger Stefan Wirth. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Warum hat der Mongole Dovchin D. zwei Frauen mit in seine Wohnung in der Leipziger Demmeringstraße genommen und dort erwürgt? Die Frage nach dem Motiv spielt auch bei der Neuauflage des Mordprozesses am Landgericht eine entscheidende Rolle. Nach der teilweisen Aufhebung des Ersturteils durch den Bundesgerichtshof und der Zurückverweisung des Falls an das Gericht untersucht die nun zuständige 11. Strafkammer das frühere weibliche Umfeld des 39-Jährigen. Im Fokus: die Zeit, nachdem sich Ehefrau Christina 2014 von Dovchin D. getrennt hatte.

Nahm der Konstruktionsmechaniker deshalb aus Frustration einen bestimmten Frauentyp ins Visier? Die 11. Strafkammer bat am Dienstag, dem zweiten Tag im Revisionsprozess, Zeuginnen um Fotos von sich aus früheren Jahren. So eine Mitbewohnerin aus einer WG in der Lützner Straße, in der es laut der Marketingassistentin (36) aber alsbald Krach gab, weil D. weder im Haushalt half noch den Lebensmittelkauf mit finanzierte.

Zwei weitere Frauen schilderten ihre Erlebnisse, wonach er „enttäuscht“ beziehungsweise „wütend“ auf ausgeschlagene Besuchseinladungen reagiert habe. Von Interesse für die Richter war dabei jeweils, welche Haarfarbe die Frauen hatten, als sie die Bekanntschaft von Dovchin D. machten. Blond oder braun? Trugen sie langes oder kurzes Haar? Gewicht? Größe?

Angeklagter lehnt Gespräche mit Psychiater ab

Bereits im ersten Prozess war es darum gegangen, ob sich der Mann aufgrund der durch seine Ehefrau erlebten Erniedrigung möglicherweise an einem Frauentyp rächen wollte. Bei seiner Gutachtenerstattung hatte der Berliner Kriminalpsychiater Hans-Ludwig Kröber dazu erklärt, dass „die ausgesprochen attraktive Ehefrau“ in der Beziehung „dominant“ gewesen sei. „Sie sagte ihm nicht nur, was er zu tun und zu lassen, sondern auch, was er zu denken hat. Er war zunehmend nicht mehr bereit, die absolute Herrschaft seiner Frau hinzunehmen. Es hat sich ein enormes Maß an Groll gegen sie entwickelt.“

Die Expertise Kröbers basierte ausschließlich auf seinem Aktenstudium, dem auf Video aufgenommenen Geständnis von Dovchin D. bei der Polizei sowie den Zeugenaussagen. Denn bis heute lehnt der Angeklagte Gespräche mit dem Gutachter ab. Auf die Frage des Gerichts im ersten Prozess, ob aufgrund der dominanten Ehefrau des Angeklagten „Stellvertretermorde denkbar“ seien, sprach der Psychiater aber von Spekulationen.

Ex-Ehefrau sagt voraussichtlich am 4. März aus

Das Paar, das 2009 geheiratet und eine gemeinsame Tochter hat, ist mittlerweile rechtskräftig geschieden. Christina M. (31) erklärte am Dienstag, dass sie das ihr auch als Ex-Ehefrau zustehende Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch nehmen werde, wenn sie nicht außerhalb des Gerichtssaales bei einer audiovisuellen Vernehmung aussagen darf. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten keine Bedenken, sodass die Frau nun voraussichtlich am 4. März gehört und ihre Aussage aus einem Nachbarraum in Ton und Bild in den Saal übertragen wird.

Dovchin D. hat laut Ersturteil im April 2016 die Portugiesin Maria D. (43) und im November 2016 die Grünauerin Anja B. (40) getötet, zerstückelt und wie Müll entsorgt. Die erste Strafkammer verhängte wegen zweifachen Mordes lebenslange Haft. Nach erfolgreicher Revision der Verteidigung wurde das Urteil nur teilweise rechtskräftig; hinsichtlich der Tötung von Anja B. muss der Fall rechtlich neu bewertet werden. Sollten die Richter nicht von einer besonderen Schwere der Schuld ausgehen, könnte der 39-jährige Stückelmörder nach 15 Jahren Haft auf Bewährung entlassen werden.

Von Sabine Kreuz

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