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Motiv für Mordversuch im Leipziger Jobcenter: Wut und Hass

Motiv für Mordversuch im Leipziger Jobcenter: Wut und Hass

Überraschung am Dienstag am Leipziger Landgericht: Der wegen versuchten Mordes an einer Arbeitsvermittlerin im Jobcenter angeklagte Leipziger Jan N. (34) schwieg zu den Vorwürfen.

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Jan N. verbirgt zum Prozessauftakt sein Gesicht.

Quelle: Andr Kempner

Leipzig. Dabei hatte er unmittelbar nach der Hammer-Attacke am 21. Mai ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Ihm kommt kein Wort des Bedauerns über die Lippen, keine Entschuldigung. Überhaupt würdigt Jan N. das Opfer, das im Saal 230 direkt ihm gegenüber Platz nimmt, keines Blickes. Es ist ein Glücksfall, dass Pia K. überlebt hat. Laut Staatsanwältin Karin Schultrich schlug der 34-Jährige neunmal mit einem in Plastikfolie gewickelten Maurerhammer auf die 52-Jährige ein. Sie erlitt einen Schädelbruch, einen Bruch der Augenhöhle sowie viele Platzwunden und Hämatome. "Das Tatmotiv steht sittlich auf tiefster Stufe", so die Staatsanwältin. Aus Hass und Wut über gekürzte Bezüge habe er beschlossen, die Sachbearbeiterin in ihrem Büro zu töten. Die Anklage geht von einem heimtückischen und aus niedrigen Beweggründen erfolgten Angriff aus und wirft Jan N. versuchten Mord vor.

"Gleich der erste Schlag traf direkt meinen Kopf. Ich wollte ihm den Hammer wegnehmen, das ist mir aber nicht gelungen", berichtet die 52-Jährige, die auch Nebenklägerin im Verfahren ist. "Ich hatte keine Fluchtmöglichkeit."

Als Stefan Thümmler an jenem Morgen kurz nach 9.30 Uhr "Schreie wie aus einem Horrorfilm" hörte, rannte der Jobcenter-Besucher ins Nachbarbüro. "Der Mann schlug wie ein Kaputter zu. Er war wie im Wahn", schildert der 37-Jährige vor Gericht seine damaligen Eindrücke. Dann habe er ihn gepackt, weggezogen und fixiert. "Er wehrte sich nicht, war ganz ruhig, das hat mich gewundert. Als ob sich ein Schalter umlegte", meint der Straßenbauer, dessen beherztes Eingreifen vom Vorsitzenden Richter Hans Jagenlauf ausdrücklich gewürdigt wird.

Mit unbewegter Miene und verkniffenem Mund verfolgt der Angeklagte die Befragungen. Er selbst will sich nicht äußern. Sein Verteidiger Malte Heise sagt außerhalb der Verhandlung: "Es besteht die Gefahr, dass er noch mal mit Worten zuschlägt." Jan N. fühle sich nach wie vor als Opfer. Ihm sollte das Arbeitslosengeld II von Juni bis August um jeweils 30 Prozent gekürzt werden. Das hätte ein monatliches Minus von 114,60 Euro bedeutet. Grund für die Sanktion war, dass der Langzeitarbeitslose eine Beschäftigungsmaßnahme - das Säubern von Grünanlagen - als "Penner-Arbeit" und als "menschenunwürdig" strikt abgelehnt hatte.

Unmittelbar nach dem Anschlag wurde der 34-Jährige verhaftet. Schon damals fiel dem Polizisten Steven Patrick G. (51) sein "eiskalter Blick" auf. Und noch etwas: "Er hatte in einem Rucksack bereits alles mit: Wechselwäsche, Zahnbürste, Schuhe. Als ob er sich für die Haft vorbereitet hätte", so der Beamte. Kollegen stellten bei der Durchsuchung der Wohnung des Beschuldigten mehrere Waffen - einen Totschläger und ein Luftdruckgewehr - sicher.

Schon vor der Hammer-Attacke war der Angeklagte im Jobcenter aufgefallen. Wegen eines Pfefferspray-Angriffs auf einen anderen Mitarbeiter 2010 kam er mit einer Bewährungsstrafe davon. Davon wusste Pia K. nach eigener Aussage jedoch nichts. "Aus Datenschutzgründen dürfen solche Vorfälle nicht in den Akten vermerkt werden", sagt die Sozialarbeiterin. Wegen posttraumatischer Belastungsstörungen sei sie noch krank, es gehe ihr nicht gut. "Außerdem steht nächste Woche wieder eine OP an." Sie lehne es ab, wieder in das Jobcenter zurückzukehren. Dorthin hatte die Stadt Leipzig die vormalige Mitarbeiterin von Jugendamt und Allgemeinem Sozialdienst 2007 delegiert. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.11.2013

Sabine Kreuz

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