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Motiv für Raub: Leipziger will zurück ins Gefängnis

Motiv für Raub: Leipziger will zurück ins Gefängnis

Verteidiger Matthias Luderer brachte es gestern auf den Punkt: "Die Sache fällt aus dem üblichen Rahmen." Denn sein Mandant Sebastian R. habe "einen Überfall als Mittel zum Zweck" begangen.

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Der Angeklagte mit Verteidiger Matthias Luderer.

Quelle: Andreas Doering

Leipzig. Der 38-Jährige wollte wieder hinter Gitter. Und dort wird er nach dem gestrigen Urteil - viereinhalb Jahre Haft wegen schwerer räuberischer Erpressung - tatsächlich längere Zeit bleiben müssen.

Der Leipziger Sebastian R. kam schon oft mit dem Gesetz in Konflikt. Als er 2002 wegen schwerer Brandstiftung verurteilt wurde, hielt das Landgericht neben einer Haftstrafe aufgrund einer Persönlichkeitsstörung des Angeklagten seine Behandlung im Maßregelvollzug, in der Psychiatrie, für erforderlich. Ein Jahrzehnt lang wurde er dort therapiert. Als er Mitte 2012 "aus einem bestimmten Biotop mit ganz bestimmten Regeln entlassen wurde", so Luderer weiter, konnte R. seinen Worten zufolge "mit der Freiheit nichts anfangen". Zudem kam er mit Hartz IV nicht zurecht. "Er hatte draußen niemanden mehr. Nur seinen Kater. Deshalb wünschte er sich manchmal, drinnen wieder mit jemandem zu kommunizieren", meinte der Verteidiger.

So kam Sebastian R. am 16. Januar dieses Jahres auf die verhängnisvolle Idee mit dem Überfall auf einen Supermarkt im Stadtteil Schönau. Dort stellte er einen Schokohasen aufs Laufband, um zu erreichen, dass die Kasse geöffnet wird. In dem Moment richtete er eine Waffe auf die Angestellte und erpresste 600 Euro. Bevor er flüchtete, bedankte er sich auch noch beim Personal. "Danach verprasste er das Geld in verschiedenen Etablissements", sagte gestern der Vorsitzende Richter Berthold Pfuhl. Wie berichtet, ließ sich der Grünauer R. erst ins Eros-Center chauffieren, anschließend in ein Bordell im Leipziger Süden, wo er "den Mädels" Champagner ausgab. Den Rest setzte er in einer Kneipe in Hochprozentiges um und meldete sich anschließend mit den Worten: "Ich bin der, den Ihr sucht" bei der Polizei - und die nahm ihn auch gleich fest. Den Beamten zeigte er anschließend die Stelle, wo er die Tatwaffe (eine Feuerzeugpistole) entsorgt hatte.

Staatsanwältin Beate Herber beantragte wegen des Raubüberfalls fünf Jahre Haft, sie hielt zudem aufgrund diverser Vorstrafen und der "verfestigten Lebensperspektive des Angeklagten" - Alkohol und Straftaten - eine anschließende Sicherungsverwahrung für erforderlich. Diese Auffassung teilten aber weder der Verteidiger (er plädierte auf dreieinhalb Jahre Haft) noch das Gericht, das die Voraussetzungen dafür als nicht erfüllt ansah. Unter anderem, weil R., einst Streckenläufer bei der Deutschen Bahn, eine Scheinwaffe eingesetzt hatte. "Das ist aber Ihre letzte Chance. Beim nächsten Mal geht es wirklich um Sicherungsverwahrung", so Pfuhl. Eine erneute Maßregel ordnete das Gericht nicht an, da der Angeklagte als austherapiert gilt. Nach der Urteilsverkündung wurde er ins Gefängnis gebracht.

Sabine Kreuz

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