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Polizeiticker Leipzig Mutmaßlicher Killer trotz Haft offenbar betrunken vor Leipziger Gericht
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23:00 30.09.2017
Mordverdächtiger Mohammad A.: Wachtmeister mussten ihn festhalten, weil er laut Gericht so betrunken war, dass er beinahe umgekippt wäre. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Im Mammutprozess um den Mord an einem afghanischen Dolmetscher ist die nächste Bombe geplatzt: Nach mehr als einem Jahr Verfahrensdauer tauchten am Freitag überraschend Dokumente auf, die belegen sollen, dass einer der drei Angeklagten jünger ist als bisher bekannt. Damit würde der Mordverdächtige, der auffallend angeheitert zum Gerichtstermin erschien, wahrscheinlich nur nach Jugendstrafrecht belangt werden können.

Es wäre eine weitere jähe Wende in dem an Turbulenzen nicht gerade armen Fall, der als „Mord ohne Leiche“ bekannt wurde. Und das, obwohl die Staatsanwaltschaft bereits Ende Juli plädiert hatte: Die Syrer Mohammad A. (22) und Entessar A. (39) sollten demnach wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes aus Habgier eine lebenslange Haft verbüßen, Santa A. (18) nach Jugendrecht neuneinhalb Jahre. Die damals 14-Jährige hatte den Dolmetscher Farhad S. (30), der für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge tätig war, im August 2013 in einem Asylbewerberheim in Chemnitz kennengelernt und mit ihm eine Affäre begonnen. Im Juni 2014 zog sie mit ihrer Mutter Entessar nach Leipzig, blieb jedoch mit dem wohlhabenden Afghanen in Kontakt. Unter dem Vorwand, dass ihn Santa A. noch immer lieben würde, soll Farhad S. nach Leipzig gelockt und hier in der Wohnung der beiden Frauen im Leipziger Gerichtsweg ermordet worden sein. 25-mal soll Mohammad A. dem Übersetzer in Brust und Rücken gestochen haben. Die Frauen wussten nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft von der Tötungsabsicht und billigten diese. Nach dem Vergraben des Leichnams hätten sie 10 000 Euro vom Konto des Opfers abgehoben, seinen Audi A 3 für 4000 Euro verkauft, zudem seinen BMW genutzt.

Die Anklage geht von einer Tatzeit zwischen dem 28. und 29. November 2015 aus. Doch entgegen der bisherigen Erkenntnisse soll der mutmaßliche Killer Mohammad A. damals noch unter 21 Jahre alt und damit im Sinne des Gesetzes Heranwachsender gewesen sein. Dokumente aus seiner Heimat Syrien und dem zeitweiligen Wohnort in Saudi-Arabien – ein Auszug aus einem Zivilregister und ein Personalausweis –, die das Gericht am Freitag in Augenschein nahm, weisen ein Geburtsdatum im November 1995 aus. Anstatt einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, würde damit unter Umständen nur eine Jugendstrafe von maximal zehn Jahren verhängt werden können. Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller wies darauf hin, dass die maßgeblichen Dokumente bisher nicht im Original vorliegen, sondern nur als Kopie.

Gleichwohl hatte Mohammad A. offenkundig schon vor dem morgendlichen Gerichtstermin einen Grund zum Feiern. Als er am Freitag kurz vor 9 Uhr aus der Untersuchungshaft in den Saal geführt wurde, war er augenscheinlich stark angetrunken. Beim Toilettengang musste er nach Angaben des Gerichts von Justizwachtmeistern festgehalten werden, damit er nicht umkippt. Staatsanwalt Müller wollte daraufhin die Verhandlungsfähigkeit des Syrers prüfen lassen. Der Vorsitzende Richter Norbert Göbel schlug einen freiwilligen Alkomattest vor, doch das lehnte Mohammad A. ab.

Daraufhin musste der Prozess erneut unterbrochen werden – zumal Mitangeklagte Santa A. nach einer Blinddarm-Operation vor wenigen Tagen ohnehin gesundheitlich angeschlagen war. Ursprünglich sollte der psychiatrische Gutachter Ralf Sternitzke über eine mögliche Schuldunfähigkeit von Mohammad A., ausgehend von einer früheren Verdachtsdiagnose über eine paranoide Schizophrenie, referieren. Dies wurde auf Mitte Oktober verschoben.

Der Mordprozess hatte im August 2016 begonnen. Erst im März dieses Jahres war die Leiche des Opfers überraschend in einem Waldstück bei Burg entdeckt worden.

Von Frank Döring

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