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Polizeiticker Leipzig Mutter aus Leipzig muss wegen Kindesmisshandlung ins Gefängnis
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Mutter aus Leipzig muss wegen Kindesmisshandlung ins Gefängnis
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08:14 11.10.2018
Eine Mutter aus Leipzig schlägt ihre Kinder, und der Vater unternimmt nichts. Ein Sohn wäre beinahe verdurstet. (Symbolbild) Quelle: Patrick Pleul/dpa
Leipzig

Geschlagen, gedemütigt, gequält: Eine Mutter aus Leipzig-Altlindenau, die vier ihrer Kinder massiv misshandelt hat, muss für zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Einer ihrer Söhne, ein zwei Jahre alter Junge, wäre beinahe verdurstet. Die 35-Jährige brach nach der Urteilsverkündung am Mittwoch in Tränen aus.

Dem Kindesvater billigte das Amtsgericht hingegen eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten – auf Bewährung – zu. „Er übte nicht akut Gewalt aus“, sagte die Vorsitzende Richterin Gabriele Schulz, im Fall des immer dünner werdenden zweijährigen Sohnes „steuerte er aber auch nicht aktiv gegen“. Der Mann soll zudem 1200 Euro an einen gemeinnützigen Verein zahlen. Die Strafen entsprachen den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

„Spitze des Eisberges“

„Was hier verhandelt wird, ist nur die Spitze des Eisberges“, war Staatsanwältin Diana Süß überzeugt. Als der betroffene zweijährige Kevin* nach dem Einschreiten des Jugendamtes am 10. Juni 2016 in eine Klinik kam, hatte er ein massives Untergewicht, einen Blähbauch, war hochauffällig und traumatisiert. „Noch zwei Wochen länger – und das Kind wäre tot gewesen“, sagte die Staatsanwältin. „Die Nieren waren bereits angegriffen.“

Die Anklagebehörde warf der damals siebenfachen Mutter Nadine L. sowie auch dem leiblichen Vater, Andreas J. (36), Misshandlung durch Unterlassen vor. Das arbeitslose Paar, das in der Erich-Köhn-Straße wohnte, habe den Jungen monatelang nicht ausreichend ernährt.

„Frau schlug auch ihn“

Als Kevin nicht essen wollte, vermutete Nadine L. einen Bandwurm. „Trotz ihres Verdachts ging sie nicht zum Arzt“, so Richterin Schulz. „Schließlich verweigerte der Junge bei ihr das Essen. Sie nahm es hin, war weiterhin gewalttätig.“ Auch der Vater habe gesehen, dass der Junge beim Füttern blau anlief, und nichts unternommen. „Immer, wenn es schwierig wurde, ist er gegangen“, sagte die Richterin. „Die Frau hat auch ihn geschlagen, wenn er andere Erziehungsvorstellungen hatte.“

Das Argument von Verteidiger Malte Heise, dass sich sein Mandant mehrere Monate lang um seine Eltern in Zittau kümmerte und daher „abwesend“ war (der Anwalt plädierte auf Freispruch), akzeptierte das Gericht nicht. Viele staatliche Helfer hätten die Großfamilie unterstützt, er hätte reagieren müssen. Die älteste Tochter Lara*, damals zwölf, habe sich Sorgen um den Kleinen gemacht, darüber auch mit dem Vater gesprochen.

„Gewalt nicht unterbunden“

Laut Gericht nahm Andreas J. in Kauf, dass seine Partnerin die Töchter und Söhne quält. „Er hat die Gewalt nicht unterbunden“, hieß es bei der Urteilsverkündung. Dennoch trafen weitere Vorwürfe der Misshandlung allein die Kindesmutter. Sie soll ihre Älteste mehrfach geschlagen haben. Das gab die Frau auch zu, Fausthiebe jedoch bestritt sie.

Eine weitere Tochter zog sie an den Haaren und warf die Vierjährige ins Bett, sodass sie mit dem Kopf gegen eine Kante krachte. Und auch ein behinderter Sohn (9) bezog Schläge. Verteidigerin Angela Schröder-Scherrle verwies auf die komplette Überforderung und beantragte eine Bewährungsstrafe.

Alle Kinder – das Paar bekam insgesamt neun – befinden sich inzwischen in staatlicher Obhut. Ihren eigenen Angaben zufolge sind Nadine L. und Andreas J. inzwischen getrennt, auch wenn sie notgedrungen derzeit in einer Wohnung leben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(*Namen der Kinder geändert.)

Von Sabine Kreuz

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