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Polizeiticker Leipzig Nach Hooligan-Krawallen in Leipzig: Geständnis erspart Gefängnis
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Nach Hooligan-Krawallen in Leipzig: Geständnis erspart Gefängnis
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15:11 13.09.2018
Vor Prozessbeginn am Amtsgericht Leipzig: Die Angeklagten David D. (2.v.l.) und Andreas C. (r.) mit ihren Verteidigern Olaf Klemke und Christel Jeske. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Erneut überraschendes Urteil am Donnerstag beim zweiten Prozess um die Hooligan-Krawalle in Leipzig: Das Amtsgericht honorierte das umfassende Geständnis der beiden Angeklagten David D. (31) und Andreas C. (49). Sie wurden wegen besonders schweren Landfriedensbruchs zu 16 Monaten Haft – allerdings auf Bewährung – verurteilt. Als Bewährungsauflage müssen sie 1600 beziehungsweise 2000 Euro an die Staatskasse zahlen. Das Strafmaß entsprach der Forderung der Staatsanwaltschaft und im Wesentlichen auch der Verteidigung.

Die erste Verhandlung um die rechtsextremen Ausschreitungen von Anfang 2016 im linksalternativen Stadtteil Leipzig-Connewitz hatte hingegen am 23. August noch mit je 20 Monaten Haft – ohne Bewährung – geendet. Die beiden damaligen Angeklagten wollten sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

„Untergeordnete Rolle“

Die Staatsanwaltschaft lastet den Angeklagten jeweils an, sich in Absprache mit 250 bis 300 weiteren Rechtsextremen am 11. Januar 2016 an der Randale in Connewitz beteiligt zu haben. Der Mob war mit Eisenstangen, Ästen, Latten und anderen Werkzeugen auf Gebäude und Kraftfahrzeuge vor allem in der Wolfgang-Heinze-Straße losgegangen. Dabei wurden 25 Geschäfte, Bars und Wohnungen zerstört sowie 18 Kraftfahrzeuge demoliert. Schaden: 113 000 Euro.

Chemielaborant David D. und Angestellter Andreas C., die sich am Donnerstag verantworten mussten, sollen dabei „eine untergeordnete Rolle“ gespielt haben, sagte der Vorsitzende Richter Marcus Pirk bei der Urteilsverkündung. Sie hätten zwar nicht selbst Sachschäden verursacht, durch ihr Mitmarschieren aber Unterstützungsbeihilfe geleistet.

„Gefährdungspotenzial gigantisch“

„Das Gefährdungspotenzial war gigantisch“, so Pirk. Die Angeklagten hätten „unheimliches Glück“ gehabt, dass militante Bewohner aus Connewitz an jenem Abend im Leipziger Zentrum Legida-Protestveranstaltungen unterstützt hätten. „Es wäre wahrscheinlich sonst zu einem Blutbad gekommen“, so der Richter weiter.

Zum Motiv des verabredeten Marsches durch Connewitz hatte Rechtsanwalt Olaf Klemke, der für seinen Mandanten David D. eine Erklärung abgab, zuvor gesagt: „Es sollte gezeigt werden, dass die Straße allen gehört und nicht bloß den Linksextremisten. Und dass jeder dort demonstrieren kann, wo er will.“

Nicht öffentliche Verfahrensabsprache

Vor Beginn des Prozesses gab es eine nicht öffentliche Verfahrensabsprache. Demnach waren den beiden Angeklagten im Falle ihres Geständnisses Haftstrafen zwischen 15 und 21 Monaten – ausgesetzt auf Bewährung – zugesichert worden.

Staatsanwältin Sandra Daute forderte für beide Angeklagte schließlich jeweils 16 Monate und die Verteidiger Olaf Klemke und Christel Jeske jeweils 15 Monate Haft auf Bewährung.

Allein am Amtsgericht Leipzig sind 92 Verfahren anhängig. Die Staatsanwaltschaft hat bislang Anklage gegen 202 Personen erhoben. Die Prozesse finden außer in Leipzig an den Amtsgerichten Torgau, Eilenburg und Grimma statt. In der Regel müssen sich je zwei Personen verantworten.

Von Sabine Kreuz

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