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Nach Mordversuch an Ex-Mann: Drei Jahre Haft für frühere Offiziersgattin

Gerichtsurteil in Leipzig Nach Mordversuch an Ex-Mann: Drei Jahre Haft für frühere Offiziersgattin

Überraschend niedrige Strafe nach einem blutigen Familiendrama in Leutzsch: Wegen versuchten Mordes an ihrem Ex-Mann ist eine vierfache Mutter am Mittwoch vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden.

Eine vierfache Mutter wurde am Landgericht Leipzig wegen versuchten Mordes an ihrem Ex-Mann schuldig gesprochen. Bei einem vorweihnachtlichen Familientreffen stach sie mit einem Messer auf ihren früheren Gatten ein. Er überlebte nur durch Zufall.

Quelle: LVZ

Leipzig. Überraschend niedrige Strafe nach einem blutigen Familiendrama in Leutzsch: Wegen versuchten Mordes an ihrem Ex-Mann ist eine vierfache Mutter am Mittwoch vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Annette Anna Z. (50) am 12. Dezember 2015 ihren langjährigen Gatten Axel Z. (51), ein Arzt und ranghoher Bundeswehr-Offizier, mit einem Küchenmesser erstechen wollte. Die Angeklagte sei keineswegs die Mörderin, wie sie in Fernsehkrimis auftaucht, betonte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf, aber sie habe sich des versuchten Mordes aus Heimtücke schuldig gemacht.

Demnach war die Angeklagte verzweifelt, als sie an jenem Abend draußen im Dunkeln stand und die versammelte Familie, ihren Ex-Mann Axel Z. (51) mit seiner neuen Lebensgefährtin (46) sowie drei ihrer vier Kinder (17 bis 27 Jahre) bei einem festlichen vorweihnachtlichen Essen durch die Terrassentür des Einfamilienhauses in der Hans-Driesch-Straße beobachtete. Sie habe an dem Tag unbedingt Kontakt zu ihren Kindern gewollt, so der Richter. Zunächst schickte sie ihnen Nachrichten per WhatsApp. Als sie nicht reagierten, klopfte die alkoholisierte Frau an der Tür. Der Ex-Mann öffnete, sie stach vor den Augen ihrer Kinder mit einem Küchenmesser zu. Nur durch Zufall glitt die Klinge von einer Rippe ab, wenige Zentimeter entschieden über Leben und Tod. Nach Ansicht der Strafkammer wollte Annette Anna Z. den Tod nicht absichtlich herbeiführen, nahm ihn aber billigend in Kauf und nutzte die Arglosigkeit des Opfers aus.

Doch warum fiel die Strafe ausgesprochen mild aus? Das Gericht erkannte erhebliche Umstände, die zugunsten der Angeklagten sprechen. So habe sie mit der Summe von 20 000 Euro einen sehr beachtlichen Schadensersatz geleistet. Zudem sei sie bisher trotz ihrer langjährigen Alkoholsucht straffrei geblieben. Auch der Mordanschlag auf ihren Ex-Mann war nach Einschätzung der Richter nicht geplant, sondern eine spontane Tat. Und: Annette Anna Z. habe Reue gezeigt und sich entschuldigt. Kurz vor der Urteilsverkündung sagte sie: „Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich so vielen Menschen so viel Leid angetan habe. Ich hatte nicht vor, jemanden zu töten.“ Sie kennt ihren Mann schon seit der Schulzeit, da war sie gerade 17.

Staatsanwältin Katrin Minkus hatte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren gefordert. „Wer eine solche Tat verübt, nimmt den Tod billigend in Kauf oder hat diesen sogar beabsichtigt“, sagte sie. Auch für Nebenklägerin Anne Prestrich, die den Bundeswehrarzt im Prozess vertrat, war die Schuldfrage klar. „Ihre Kinder und ihr Mann sind Opfer Ihrer jahrelangen Alkoholsucht“, sagte sie zur Angeklagten, „was passiert ist, haben Sie zu verantworten.“ Prestrich bezog sich dabei auch auf die Aussagen der Angeklagten nach der Tat. Als Axel Z. seine Ex-Frau anherrschte, sie habe ihn beinahe umgebracht, soll sie darauf geantwortet haben: „Ich wünschte, du wärst tot. Eines Tages werde ich dich töten. Du hast mir alles genommen: Geld, Haus und Kinder.“

Verteidiger Malte Heise sagte, für seine Mandantin seien ihre zwei Töchter und zwei Söhne ihr ganzer Lebensinhalt gewesen. Wie berichtet, hatte Annette Anna Z. wegen ihnen ihr Jura-Studium abgebrochen. Heise verneinte ein Motiv für eine Tötungsabsicht. Schließlich habe sie von ihrem Ex-Mann nach der Trennung im August 2011, und der Scheidung 2014 mehr als 60 000 Euro erhalten, Unterhalt sowie einen Eigentumsanteil am gemeinsamen Haus. „Erhebliche Umstände sprechen dafür, dass sie die Gefahr einer tödlichen Verletzung nicht erkannt hat“, so der Anwalt. „Sie war auf dem Wege, sich zu Tode zu trinken und aufgrund ihrer Schlaflosigkeit nervlich völlig am Ende.“ Er beantragte eine Haftstrafe von maximal viereinhalb Jahren und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

Von Frank Döring

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