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Polizeiticker Leipzig Nach Räumung des „Black Triangle“: Leipziger Polizei rüstet sich für Großeinsatz
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Nach Räumung des „Black Triangle“: Leipziger Polizei rüstet sich für Großeinsatz
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21:16 16.01.2019
Nach der Räumung des „Black Triangle“ rechnet die Polizei mit Vergeltungsaktionen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Für die linke Szene ist es „Tag X + 1“: Nach der Räumung des alternativen Zentrums „Black Triangle“ im Leipziger Süden ist für Mittwochabend eine Solidaritäts-Demonstration in Connewitz geplant. Um 18 Uhr soll am Wiedebachplatz gegen die von der Polizei beendete Besetzung des einstigen Umspannwerks protestiert werden. „Wir wollen das Gelände zurück und es tatsächlich basisdemokratisch und emanzipatorisch nutzen und gestalten“, heißt es in dem anonymen Aufruf, der am Dienstag bei Indymedia veröffentlicht wurde.

Die Polizei bereitet sich angesichts der angespannten Lage auf einen Großeinsatz vor. „Wir sind vorbereitet“, sagte Sprecher Uwe Voigt zu LVZ.de. Auf Details wollte er nicht eingehen, nur so viel: Deeskalation stehe bei dem Einsatz an erster Stelle. „Wir warten zunächst ab was passiert und sind vor Ort, um Recht und Ordnung sicherzustellen.“ Einschreiten würden die Beamten nur, wenn es zu Gewalt komme oder gegen Auflagen verstoßen werde, so Voigt.

Brandanschlag auf Bahn-Auto

Es müsse jedoch mit Vergeltungsaktionen gerechnet werden, hieß es unisono von den Sicherheitsbehörden. Im besonderen Fokus könnte dabei die Deutsche Bahn (DB) stehen, die das seit zweieinhalb Jahren besetzte Umspannwerk an der Arno-Nitzsche-Straßen wegen Hausfriedensbruchs räumen ließ.

In der Stieglitzstraße im Stadtteil Schleußig wurde in der Nacht ein Brandanschlag auf einen Dienstwagen der Bahn verübt. Quelle: Einsatzfahrten Leipzig

Einen Vorgeschmack gab es bereits in der Nacht zum Mittwoch: Auf ein DB-Auto in Schleußig wurde gegen 0.30 Uhr ein Brandanschlag verübt. „Der in der Stieglitzstraße abgestellte Mercedes gehörte zum Fuhrpark der Bahn und war entsprechend zu erkennen“, sagte Polizeisprecher Voigt. Die Kripo ermittele wegen Brandstiftung. Auch wenn ein Bekennerschreiben bislang fehle, müsse von einem Zusammenhang mit der „Black Triangle“-Räumung ausgegangen werden, hieß es.

Für Anwohner insbesondere im Leipziger Süden unüberhörbar, war in der Nacht auch ein Hubschrauber im Einsatz. „Wir haben unsere Kontrollen verstärkt“, bestätigte Jens Damrau von der Bundespolizei, die für den Schutz der Bahnanlagen zuständig ist. „Für uns steht der Schutz der Reisenden im Fokus“, so der Behördensprecher. Bereits am Dienstag war die Präsenz der Polizei im Stadtgebiet deutlich erhöht worden. Mannschaftswagen waren unter anderem auf dem Markt zu sehen.

Nagel: „Demo nicht der Platz, um auszurasten“

Wie viele Menschen am Abend an der Soli-Demo teilnehmen werden, ist unklar. Weder Polizei noch die Versammlungsbehörde der Stadt konnten dazu Angaben machen. Das Ordnungsamt teilte auf Nachfrage von LVZ.de mit, dass bis 15 Uhr noch keine Versammlung für den Abend angezeigt worden sei.

Die Linke-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel erklärte im Gespräch mit LVZ.de, sie gehe davon aus, dass es nach dem Auftakt am Wiedebachplatz auch einen Marsch über die Karl-Liebknecht-Straße geben wird, um den Protest aus Connewitz in die Stadt zu tragen. Sie selbst sei aber nicht Anmelderin der Versammlung. Die Ankündigung zum Protest am „Tag X + 1“ kursiere im Netz schon seit rund zwei Jahren.

Großeinsatz in Leipzig: Die Polizei hat mit rund 150 Beamten das alternative Zentrum Black Triangle in Leipzig durchsucht. Das ehemalige Umspannwerk war seit rund zweieinhalb Jahren besetzt.

„Die Demo ist nicht der Platz, um auszurasten“, rief Nagel dazu auf, friedlich zu bleiben. „Es geht darum zu zeigen, dass viele nicht damit einverstanden sind, was die Polizei dort gemacht hat.“ Gemeinsam mit ihrem Parteikollegen Adam Bednarsky hatte Nagel bereits am Dienstag den Polizeieinsatz und die Räumung des seit Mitte 2016 besetzten „Schwarzen Dreiecks“ hart kritisiert und diese als „Versuch einer Eskalation und Provokation“ bezeichnet, da bis zuletzt noch Verhandlungsversuche stattgefunden hätten.

„Black Triangle“ war innerhalb der Szene umstritten

Offenbar hatte es innerhalb der alternativen Szene zuletzt Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung des besetzten Umspannwerks gegeben. „Diese Räumung ist auch ein Versagen der solidarischen linken Strukturen, die es zuletzt nicht geschafft haben, sich den Freiraum anzueignen und auf breite Beine zu stellen“, hieß es in dem Indymedia-Aufruf zur Demo. Vom „basisdemokratischen und emanzipatorischen Anspruch“ sei im „Black Triangle“ am Ende nicht viel übrig geblieben.

„Sexismus, gewalttätiges Verhalten, Veränderungsresistenz und das Herausdrängen von Kritiker*innen der Praxis des Nutzer*innen“kollektives“ waren schon länger an der Tagesordnung“, schrieben die anonymen Verfasser, die sich als „Solidarische Kiezbewohner*innen“ bezeichneten. Konsterniert stellten sie fest: „Anstatt wir selbst die Dinge in die Hand genommen haben, hat nun der Staat seinen Anspruch durchgesetzt.“

Von Robert Nößler

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