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Nach Säureanschlag in Leipzig: Verdächtiger fordert elektronische Fußfessel

Nach Säureanschlag in Leipzig: Verdächtiger fordert elektronische Fußfessel

Ist er ein Säure-Attentäter, Brandstifter und Serieneinbrecher? Immer wieder gerät Mario F. (43) unter Verdacht, allein seine Ex-Freundinnen haben gegen ihn fast 300 Anzeigen erstattet.

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Fußfessel

Quelle: Fredrik von Erichsen

Leipzig. Alles falsch, sagt er, und kontert mit einer verwegenen Idee: Als vermutlich erster Tatverdächtiger Sachsens fordert F., dass die Behörden ihm eine elektronische Fußfessel anlegen zur totalen Überwachung seiner Person.

Nach dem Säureanschlag am 27. November vorigen Jahres in der Siemensstraße war der arbeitslose Schlosser sofort beschuldigt worden. Seine Ex-Freundin Lydia S. (29), in deren Wohnung Einbrecher die hochgiftige Substanz verschüttet hatten, war sicher, dass Mario F. hinter der Tat steckt. Seit der Trennung Mitte September werde sie von ihm bedroht. Die junge Frau erstattete Anzeigen unter anderem wegen Verleumdung, Morddrohung und Einbruchs. Und sie erwirkte eine Anordnung gemäß Gewaltschutzgesetz, wonach Mario F. sich ihrer Wohnung maximal bis auf hundert Meter nähern darf (die LVZ berichtete).

Am 17. Dezember rückte ein Großaufgebot der Polizei in der Gießerstraße an. Mario F. wohnt hier als Verwalter in einem größtenteils leerstehenden Haus. Gegen ihn wird unter anderem wegen besonders schweren Diebstahls ermittelt, so geht es aus entsprechenden Durchsuchungsbeschlüssen hervor. Unter Führung des Fachkommissariats für schwere Diebstahlsdelikte schleppten Beamte kistenweise gestohlene Gegenstände sowie Waffen raus. Beschlagnahmte Computertechnik soll von einem Beutezug bei Spreadshirt Mitte November stammen, ein Handy und ein Computer aus einem Einbruch bei Lydia S. In einer ersten Info nannte die Polizei Mario F. als Tatverdächtigen in beiden Fällen, aktuell ist der Name getilgt.

"Die anderen Wohnungen sind als Lagerräume vermietet", wehrt sich der Beschuldigte gegenüber der LVZ. Die Beute aus dem Spreadshirt-Bruch habe ein Bekannter in dem Haus abgestellt, sagt Mario F. und zeigt ein Foto des mutmaßlichen Einbrechers. "Ich habe damit nichts zu tun." Allerdings fand die Polizei bei Mario F. auch Flusssäure - jene Substanz, mit der das Attentat bei Lydia S. verübt wurde. Durch die Chemikalie waren fünf Menschen verletzt worden, neben Lydia S. auch ein 48-jähriger Polizeibeamter. "Ich habe mir die Säure besorgt, weil ich damit Glas ätzen will", behauptet er. Die Polizei prüft nach dem Chemikalienfund indes, "inwieweit ein Zusammenhang mit dem Säureanschlag im November besteht". Zum aktuellen Ermittlungsstand und Details des Verfahrens äußert sich die Polizei derzeit jedoch nicht.

Mario F. glaubt hingegen mit Videoaufnahmen vom Hauseingang seiner Ex beweisen zu können, dass er nicht der Säure-Attentäter ist. Die Kamera habe er "gegen Fahrraddiebe" installiert. "Wenn ich diese Aufnahmen vom Tag des Säureanschlags nicht hätte", glaubt Mario F. "würde ich jetzt im Knast sitzen." Mit der elektronischen Fußfessel, so seine Idealvorstellung, könnten Behörden den Aufenthaltsort rund um die Uhr kontrollieren. Für einen vorbestraften Mann, der im Leipziger Milieu nach eigenem Bekunden gut vernetzt ist, klingt dies nach einem reichlich exotischen Anliegen. Aber Mario F. meint es offenbar ernst, wünscht sich eine Art Dauer-Alibi. "Ich habe von der Polizei mehrfach gefordert, dass mir eine elektronische Fußfessel angelegt wird", sagt der Plagwitzer.

Die Behörde bestätigte das auf Anfrage, weist aber auf unüberwindliche rechtliche Hürden hin. "Mir ist nicht bekannt, dass es eine solche Forderung schon einmal gegeben hat", sagte auch Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz. "Aber wegen des erheblichen Eingriffs in die Freiheitsrechte kann das nicht von einem Betroffenen ohne Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen beantragt werden, um ihn so von angeblich zu Unrecht erfolgten Vorwürfen und Beschuldigungen zu entlasten."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.01.2014

Frank Döring

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