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Nach Schießerei in der Eisenbahnstraße: Pistolenschütze muss hinter Gitter

Nach Schießerei in der Eisenbahnstraße: Pistolenschütze muss hinter Gitter

Es war ein Vergeltungsschlag gegen eine verfeindete Bande: Das Amtsgericht bewertet die Schießerei am 21. Oktober in der Eisenbahnstraße als einen Akt der Selbstjustiz und schickte gestern den mutmaßlichen Schützen Dzeladin B.

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Geschossen: Die Tat ereignete sich am 21. Oktober in der Eisenbahnstraße, die Kripo sicherte Spuren.

Quelle: Holger Baumgärtner

(40) für zwei Jahre und vier Monate hinter Gitter. Im Prozess wollte kaum ein Zeuge gegen den Albaner aussagen. "Bis zum heutigen Tag", sagte Richterin Ute Fritsch, "herrscht ein Klima der Angst."

Im Herbst 2013 fürchtete die Kripo, dass die Lage in der Eisenbahnstraße vollends aus dem Ruder läuft. Nachdem am 8. Juli der Iraner Sooren O. (29) die beiden Albaner Dzeladin B. und Alisan O. (45) niederschoss, feuerte am 21. Oktober Dzeladin B. auf Kourosh R. (29), einen engen Freund von Sooren O., der den Ermittlern seit dem Diskokrieg 2008 bestens bekannt ist. "Wir mussten die Gruppe um Sooren O. beruhigen, dass sie nicht selbst loszieht und das klärt", sagte gestern ein Beamter des Bandenkommissariats vor Gericht aus. Sooren O. habe gesagt, wenn es die Polizei nicht klärt, kümmere man sich selbst darum.

Diesen Eindruck versuchten die Angehörigen der konkurrierenden Clans im Prozess zu zerstreuen. So räumte Mohammad M. (23), ein Syrer aus der Gang von Sooren O, zwar ein, dass am 10. August ein Mann mit seiner Waffe auf ihn gezielt und gedroht habe: "Das nächste Mal knalle ich dich ab!" Aber, so Mohammad M., "das war irgendein Irrer", den Angeklagten kenne er nur vom Sehen. Richterin Fritsch bezeichnete dies als "glatte Falschaussage". Denn dessen Verlobte, Anastasia V. (23), der mit Beugehaft gedroht worden war, und auch die Freundin von Sooren O. sagten gegen den Angeklagten aus. Auch die Schießerei am 21. Oktober war nach Aussage des Opfers plötzlich nur noch ein dummer Unfall. "Er hat mir seine neue Waffe gezeigt, dabei ist wohl ein Schuss losgegangen", hatte Kourosh R. zum Prozessauftakt erzählt. Doch auch dies ließ die Richterin gestern nicht gelten. "Wir sind davon überzeugt, dass es ein gezielter Schuss auf die Beine war", so Ute Fritsch. "Es sollte eine Vergeltung sein für den Vorfall im Juli."

Sie verurteilte Dzeladin B. wegen Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung, sprach ihn allerdings vom Vorwurf der versuchten räuberischen Erpressung frei. Wie berichtet, soll der Angeklagte am 3. Mai einem Iraker drei Faustschläge verpasst haben, als dieser Spielschulden einforderte. Aber auch in diesem Fall widerrief das Opfer frühere Anschuldigungen: "Ich war durcheinander." Ein sicherer Tatnachweis war deshalb nach Ansicht des Gerichts nicht zu führen.

Staatsanwältin Katrin Minkus hielt den massiv vorbestraften Angeklagten in allen angeklagten Fällen für schuldig, beantragte drei Jahre und neun Monate Haft. Verteidiger Stefan Wirth verwies auf widersprüchliche Zeugenaussagen, forderte in den meisten Anklagepunkten Freispruch. Nur wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz sei sein Mandant zu verurteilen. "Er ist wegen gefährlicher Körperverletzung seit fünf Monaten in Untersuchungshaft", sagte er. "Sooren O., gegen den wegen versuchten Totschlags ermittelt wird, kam nach einem Monat aus der Haft. Das ist schwer nachvollziehbar."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.04.2014

Döring, Frank

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