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Polizeiticker Leipzig Nach Überfall auf Tankstelle: Bombenbastler soll in Maßregelvollzug
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Nach Überfall auf Tankstelle: Bombenbastler soll in Maßregelvollzug
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00:17 29.10.2016
Jan S. wurde nach dem Überfall auf eine Tankstelle verurteilt. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Er drohte an einer Tankstelle mit einer Bombenattrappe und will inzwischen von nichts mehr wissen: Der 38-jährige Jan S. ist am Mittwoch am Landgericht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Eineinhalb Jahre Haft gab es für versuchte räuberische Erpressung und Bedrohung. Die 5. Strafkammer ordnete allerdings die Unterbringung im Maßregelvollzug an. Grund: Der ohnehin an Psychosen leidende Angeklagte ist seit vielen Jahren drogenabhängig und soll in einer Entziehungsanstalt eine Langzeittherapie machen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Jan S. am 25. Mai vorigen Jahres die Sprint Tankstelle in der Lützner Straße überfallen hat. Er selbst will zwar keine Erinnerung mehr daran haben, erkannte sich aber auf der Aufnahme der Überwachungskamera wieder. Darauf ist zu sehen, wie er wortlos einen Zettel über den Verkaufstresen schiebt: „Überfall! An der Tankstelle ist eine Bombe. Alle Tageseinnahmen sofort in den Beutel, sonst platzt die Bombe!“ Die Verkäuferin ließ ihn zunächst abblitzen. Als sie eine Viertelstunde später draußen etwas zu erledigen hatte, öffnete er seine Jacke und zeigte der Frau die täuschend echt aussehende Attrappe. Zudem hielt er eine Fernbedienung mit blinkender roter Lampe. Die Frau floh und Jan S. musste ohne Beute verschwinden.

Es war keineswegs seine erste Straftat. Aktenkundig sind bislang 17 Fälle – Drogenbesitz, Betrug, Diebstahl, Hausfriedensbruch, Nachstellung. Einmal gab es dafür eine Bewährungsstrafe, doch zuletzt wurden die Verfahren immer wieder eingestellt, da Jan S. ab 2013 aufgrund einer diagnostizierten Schizophrenie als schuldunfähig galt.

Christof Hieronymus, Leitender Oberarzt der Klinik für Forensische Psychiatrie im Städtischen Klinikum St. Georg, berichtete als Gutachter im Prozess ebenfalls über krankheitsbedingte Psychosen des Angeklagten. So sei Jan S. mitten im Winter ins Meer gesprungen. Zudem würden ihn immer wieder Ängste umtreiben, in einem Atomkrieg zu sein. Aber: Tatrelevant sei das nicht, so Hieronymus. Bei Eigentumsdelikten wie eben dem Überfall auf die Tankstelle ginge es vielmehr um Beschaffungskriminalität, weil der Angeklagte Geld für Drogen gebraucht habe. Der Drogenkonsum – Jan S. soll unter anderem Crystal, Benzodiazepine und psychoaktive Substanzen wie Badesalze nehmen – könnte dem Experten zufolge auch eine Erklärung dafür sein, dass sich der Angeklagte nicht mehr an den Überfall erinnert.

Der Gutachter schlug deshalb eine Unterbringung im Maßregelvollzug vor. „Eine Gefängnisstrafe wäre für den Angeklagten wenig hilfreich“, so der Psychiater.

Dem schloss sich auch Staatsanwältin Patty Hammer an, die eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten forderte. Verteidiger André Röhrich meinte hingegen, dass für eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt keine Voraussetzungen gegeben seien. Er plädierte für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung und schlug die Teilnahme an einer ambulanten Therapie als Bewährungsauflage vor.

Doch für eine Bewährungsstrafe sah das Gericht keinen Spielraum mehr. „So kann es ja nicht weitergehen“, sagte der Vorsitzende Richter Berthold Pfuhl angesichts des kriminellen Vorlebens von Jan S., das Gericht wolle ein Signal setzen, dass der Angeklagte nicht aus Langeweile Straftaten begehen kann.

Entlastend für den Bombenbastler war vor allem das Verhalten seines Opfers im Prozess. Tankstellen-Angestellte Yvonne H. (29) wollte erst gar nicht gegen den Angeklagten aussagen. „Jeder macht mal Fehler“, fand sie. Als er sich bei ihr entschuldigte, meinte sie zu ihm: „Ich bin deshalb nicht böse, aber lerne draus!“

Von Frank Döring

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