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Nachbarschaftsstreit in Leipzig-Schönefeld - Frau gibt Messerstiche zu: "Ich hatte Angst"

Nachbarschaftsstreit in Leipzig-Schönefeld - Frau gibt Messerstiche zu: "Ich hatte Angst"

Handelte es sich um Notwehr oder eine Panikreaktion? Warum mischte sich die zierliche Frau überhaupt in eine Schlägerei unter drei Männern ein und stach mit einem Messer zu? Diese Fragen stehen seit Donnerstag im Mittelpunkt eines Prozesses um einen tödlich endenden Nachbarschaftsstreit wegen Lärms in Schönefeld.

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Die Angeklagte und ihr Anwalt.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Am 27. Oktober 2012 in einem Mehrfamilienhaus nachts 2.21 Uhr.

Franziska D. (27), die Angeklagte, bricht am Landgericht immer wieder in Tränen aus. Sie kniet vor der Mutter ihres einstigen Nachbarn Bastian P. (29), den sie mit einem Messer tödlich verletzt hatte. "Ich hoffe, Sie können mir irgendwann verzeihen", sagt sie schluchzend zu der Nebenklägerin. Der Vater, ebenfalls Nebenkläger, macht unmissverständlich klar, dass er im Gegensatz zu seiner Ex-Frau eine Entschuldigung nicht annimmt. Zudem äußert der Ingenieur Zweifel an dem Tatablauf, von dem die Staatsanwaltschaft bislang ausgeht.

Laut Anklage stach Verkäuferin Franziska D. in dem Mehrgeschosser in der Dimpfelstraße dreimal mit einem Küchenmesser, dessen Klinge 18 Zentimeter lang ist, auf den Nachbarn ein. Zweimal in den Oberkörper, der dritte Stich traf eine Hauptschlagader im rechten Oberschenkel. "Schon vor dem Eintreffen des Notarztes war der 29-Jährige verblutet", so Staatsanwältin Katrin Minkus. Sie lastet der Angeklagten Körperverletzung mit Todesfolge an.

Den Stichen war eine Auseinandersetzung wegen Lärms vorausgegangen. Als Verkäuferin Franziska D. von der Spätschicht gegen 23.30 Uhr nach Hause zurückkehrte, wartete dort ihr Verlobter Markus W. (24) auf sie. Gegen 2 Uhr setzte dann aus der unmittelbaren Nachbarwohnung Lärm ein. "Keine Musik. Es war so, als ob jemand vom Schrank oder gegen die Wand springt. Vielleicht zehnmal", schildert die Angeklagte. "Das Haus vibrierte. Ich bekam Panik, dachte, da passiert ein Verbrechen."

Ihr Freund entschloss sich seinen Worten zufolge daraufhin, bei Bastian P. zu klingeln. Das hatte zuvor schon ein anderer Nachbar (28) getan. Laut Markus W. gab es binnen Sekunden vor der Wohnungstür des späteren Opfers, das vollkommen nackt war, eine Rangelei. Bastian P. habe den beiden Männern Fausthiebe ins Gesicht versetzt. In dieser Situation soll die Angeklagte in ihre Küche gerannt, das Messer geholt und zugestochen haben. "Ich hatte Angst, mein Freund war verletzt. Ich wollte, dass es aufhört", so Franziska D. auf die ihr eindringlich gestellte Frage nach dem Motiv. "Sie wollte den Angriff abwehren", sagt Verteidiger Rainer Wittner. Der Vater des Opfers hält jedoch dagegen: "Ein nackter Mann ist relativ wehrlos."

Als Bastian P. zusammenbrach, alarmierte Franziska D. selbst den Rettungsdienst. Wenig später wurde sie festgenommen, saß vier Wochen in Untersuchungshaft. Bereits kurz nach der Tat ergaben Tests, dass sie unter Drogeneinfluss stand: Sie hatte Cannabis geraucht und zudem Crystal genommen. Und beim Opfer wurden sogenannte Rausch-Pilze, die wie die Droge LSD wirken, festgestellt. Seine Wohnung sei vermüllt gewesen, so ein Polizist gestern. Der 29-Jährige hatte bereits geraume Zeit sein Studium abgebrochen. Prozessfortsetzung: 9. Juli.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.07.2013

Sabine Kreuz

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