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Nackt durch die Straßen von Leipzig: Gericht entscheidet über Zukunft von Timor S.

Nackt durch die Straßen von Leipzig: Gericht entscheidet über Zukunft von Timor S.

Er ging in Läden, klaute mal Zigaretten und Bier, dann ein Sandwich, das er sofort hinunterschlang. In einem Tankstellen-Shop griff er sich Wechselgeld, das einem völlig verdutzten Kunden gehörte.

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Quelle: dpa

Leipzig. Und im Konsum stieß er eine Mitarbeiterin beiseite, griff in die Kasse und verschwand mit 170 Euro. Einem Marktleiter versetzte er Faustschläge ins Gesicht, einen Polizisten bespuckte er. Diese sowie ein Dutzend weiterer Vorfälle, hauptsächlich begangen im Leipziger Südosten, gibt Timor S. vor dem Landgericht zu.

Dort geht es seit gestern in einem Prozess aber vor allem um die Frage: "Kann der 23-Jährige für seine Serie von Straftaten aus dem Sommer 2013 überhaupt zur Verantwortung gezogen werden?" Er selbst sagt: "Ich war in einer Notlage, hatte nichts zu essen und auch keinen Wohnsitz." Timor S. wirkt im Gerichtssaal völlig gelassen, spricht leise - und macht auf Prozessbeobachter keineswegs einen verstörten Eindruck.

"Doch er wird nie machen, was man ihm sagt"

"Er kann nett sein", bestätigt seine Mutter Irina S., "und er hört auch zu, so dass man denkt, er hat etwas verstanden", berichtet die 49-Jährige. "Doch er wird nie machen, was man ihm sagt." Schon seit seinem zehnten Lebensjahr höre er auf niemanden, mache, was er wolle, sei ihr gegenüber aggressiv. "Er ist schon mehrfach völlig nackt durch die Straßen von Leipzig gerannt. X-mal hat ihn die Polizei zum Beispiel in Stötteritz oder in der Innenstadt aufgegriffen", so die Frau weiter. Sie hatte ihm Mitte vorigen Jahres eine Frist gesetzt, bis zu der er sich um eine eigene Wohnung und Ausbildung kümmern sollte, ihn auch ein Stück weit begleitet. Doch er habe nichts getan, stattdessen massiv Alkohol getrunken, Drogen genommen.

Irina S. erwirkte im August 2013 beim Familiengericht eine Verfügung, wonach er sich ihr nicht mehr nähern dürfe, nicht in ihrer Wohnung in Holzhausen, nicht in ihrem Garten in der Nähe. Doch Timor S. hielt sich nicht daran, jeden Tag gab es Vorfälle. "Meine Nachbarn kamen und sagten, dass sie Angst vor ihm haben. Er klaut, er schlägt, er tut Böses. Er hört Stimmen. Das ist nicht normal."

Nach einer Reihe von Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz sowie Diebstählen und Körperverletzungen erging am 4. Oktober 2013 Haftbefehl. Fünf Monate saß Timor S. in Untersuchungshaft. Aufgrund eines Gutachtens von Psychiater Matthias Lammel wurde der 23-Jährige danach vorläufig im Maßregelvollzug, der Psychiatrie in Altscherbitz, untergebracht. Offenbar leidet er an einer schizophrenen Psychose - wie sein leiblicher Vater. Nach Angaben von Irina S. wurde diese Krankheit auch bei ihrem anderen Sohn diagnostiziert. Das Landgericht entscheidet am 4. Juli über den weiteren Weg des Beschuldigten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.06.2014

Sabine Kreuz

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