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Nervenzusammenbruch im Landgericht Leipzig: Staatsanwalt will lebenslange Haft

Mord an Dolmetscher Nervenzusammenbruch im Landgericht Leipzig: Staatsanwalt will lebenslange Haft

Nervenzusammenbruch im Landgericht Leipzig: Beim Prozess um den Mord an einem Dolmetscher aus Afghanistan forderte Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller am Mittwoch für zwei Angeklagte lebenslange Haft, für eine Mittäterin wegen ihres jugendlichen Alters zur Tatzeit neuneinhalb Jahre Haft. Eine Beschuldigte erlitt danach einen Weinkrampf.

Die wegen Mordes an einem Dolmetscher angeklagten zwei Frauen sowie ein Mann sitzen in Untersuchungshaft. Sie werden jeweils in Handfesseln zum Prozess am Landgericht Leipzig gebracht.
 

Quelle: dpa

Leipzig.  „Ich kann mir vorstellen, warum es ihr nach dem Vortrag des Staatsanwaltes nicht gutgeht“, stellte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel am Mittwoch im Landgericht Leipzig fest. Die Angeklagte Entessar A. (39) war in einer Prozesspause in Tränen ausgebrochen und konnte sich nicht mehr beruhigen. Sie habe Schüttelfrost, sei mit den Nerven völlig fertig und habe das Gefühl, sich gleich übergeben zu müssen, meinte ihre Verteidigung.

Kurz zuvor hatte Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller gefordert, Entessar A. lebenslang hinter Gitter zu bringen – wegen gemeinschaftlich begangenen heimtückischen Mordes aus Habgier an dem Dolmetscher Farhad S. (30) aus Afghanistan. Nach Auffassung des Anklägers rammten zwar weder sie noch ihre Tochter Santa A. (18) dem damaligen Freund der Jugendlichen ein Messer 25-mal in Brust und Rücken. Das habe vielmehr der Angeklagte Mohammad A. (22) Ende November 2015 mit „unbedingtem Tötungswillen“ in der Wohnung der beiden Frauen im Leipziger Gerichtsweg getan. „Sie wussten aber von der Tötungsabsicht und haben sie gebilligt“, so der Staatsanwalt. „Sie wirkten bei der Vorbereitung und der – auch wenn es makaber klingt – Nachbereitung, der Entsorgung der Leiche, mit“, sagte Müller.

Farhad S., der in Chemnitz für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als Dolmetscher tätig war und dort 2013 Santa A. kennengelernt hatte, sei „unter Vorspiegelung einer intakten Beziehung zwischen Santa und ihm“ nach Leipzig gelockt worden. Tatsächlich hätten die drei Syrer aber das Ziel gehabt, ihn zu töten, um sich in den Besitz seines Vermögens zu bringen. Nach dem Vergraben der Leiche in der Nähe von Magdeburg hätten sie 10.000 Euro vom Konto des Dolmetschers abgeräumt, seinen Audi A 3 für 4000 Euro verkauft, zudem seinen BMW genutzt. Die Leiche war überraschend erst im März dieses Jahres – ein dreiviertel Jahr nach Beginn des Prozesses um einen Mord ohne Leiche – entdeckt worden. Damals stützte die Staatsanwaltschaft ihre Anklage gegen das Trio auf eine Vielzahl von Indizien.

Staatsanwalt Müller forderte am Mittwoch lebenslange Haft auch für Mohammad A.; der neue Freund von Santa A. hatte letztlich die tödlichen Messerstiche gestanden. Als Hintergrund nannte er, dass die Jugendliche von dem Dolmetscher vergewaltigt und misshandelt worden sei. Zur Beteiligung der beiden Frauen äußerte er sich nicht. Laut Entessar A. wollte sie Farhad S. wegen der sexuellen Gewalt zur Rede stellen. Santa A. wiederum schilderte einen Streit mit dem Dolmetscher wegen ihres geplantes Umzuges nach Köln. Beide Frauen wollen, als Mohammad den Afghanen tötete, in einem Nebenzimmer gewesen sein.

Staatsanwalt Müller beantragte für die jetzt 18-Jährige, für die aufgrund ihres Alters zur Tatzeit zwingend das mildere Jugendrecht anzuwenden sei, neuneinhalb Jahre Haft wegen Mordes. Für Mittwoch waren auch die Plädoyers der Anwälte der Familie des Opfers, der Nebenkläger, vorgesehen. Die Vorträge wurden wegen des Nervenzusammenbruchs von Entessar A. auf den 16. August vertagt. Die Angeklagte sei augenscheinlich verhandlungsunfähig. Zur Klärung wollten die Richter den Amtsarzt einschalten. Bei der zuständigen Stelle hieß es aber, so teilte Richter Göbel mit, sie seien unterbesetzt, es komme keiner.

Von Sabine Kreuz

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