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Polizeiticker Leipzig Neuer Zoff in Prozess um verscharrtes Mordopfer
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Neuer Zoff in Prozess um verscharrtes Mordopfer
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17:56 07.06.2018
Gegen die 3. Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Norbert Göbel stellten die Verteidiger im Mordprozess einen Befangenheitsantrag. Quelle: André Kempner
Leipzig

Heftiger Schlagabtausch zwischen Verteidigung und Gericht, aber noch immer keine Anklageverlesung: Der Prozess um einen spektakulären Mordfall im September 2014 in Leipzig-Eutritzsch tritt weiter auf der Stelle. Am Donnerstag trennte die 3. Strafkammer des Landgerichts das Verfahren gegen einen Beschuldigten ab, der wegen Erkrankung wiederholt nicht erschienen war. Daraufhin stellte die Verteidigung des Hauptangeklagten einen Befangenheitsantrag gegen die drei Berufsrichter. Wann und in welcher Besetzung der Mordprozess fortgesetzt wird, ist damit völlig offen.

Filmreifes Mordkomplott

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll Hüseyin D. (49) der Initiator eines fast filmreifen Mordkomplotts gewesen sein. Der Deutsche türkischer Herkunft habe seine zwei Komplizen Ismail Ö. (23) und Hasan M. (45) aus Wut über Beleidigungen und Geldforderungen veranlasst, den türkischen Geschäftspartner Mehmet I. (42) zu fesseln und mit Klebeband zu umwickeln, so die Staatsanwaltschaft. In seinem Auftrag soll Ismail Ö. das Opfer schließlich erwürgt haben. Erst im November 2017 grub die Polizei die verscharrte Leiche auf einem Gewerbeareal an der Dessauer Straße in rund zwei Metern Tiefe aus – nach einem Hinweis des Bosniers Hasan M., der als Kronzeuge im Zeugenschutzprogramm des Landeskriminalamtes ist. Ihm und Ismail Ö. wird gemeinschaftlicher Totschlag angelastet, Hüseyin D. sitzt wegen Mordes vor Gericht.

Zähe juristische Aufarbeitung

So zäh wie die Ermittlungen gestaltet sich nun auch die juristische Aufarbeitung. Bereits zum ursprünglichen Prozessauftakt fehlte Ismail Ö., da er sich nach Angaben der Verteidigung wegen einer akuten psychotischen Erkrankung in der Türkei in einem Krankenhaus befindet. Auch am Donnerstag legte sein Anwalt Frank Wilhelm Drücke ein entsprechendes Attest vor. Allerdings auch eine Buchungsbestätigung, wonach Ismail Ö. für den 6. Juni einen Flug von der Türkei nach Berlin-Schönefeld gebucht hatte – um anderntags zum Prozess zu kommen. Doch wie sich herausstellte, hatte das Gericht ihn ohnehin verspätet geladen.

Einer Verfahrensabtrennung stehe dennoch nichts entgegen, befand der Vorsitzende Richter Norbert Göbel. „Wenn er erkrankt ist, kann dies nicht zu Lasten der übrigen Angeklagten gehen“, verwies er auf den fälligen Beschleunigungsgrundsatz, da einer der Beschuldigten in Untersuchungshaft sitzt.

Vertrauen zu Richtern zerstört

Postwendend stellte die Verteidigung einen Befangenheitsantrag. Ihr Mandant Hüseyin D. könne nicht mehr davon ausgehen, dass ihm das Gericht ergebnisoffen und unbefangen gegenübertritt, das Vertrauen sei zerstört. Maßgeblich für die Tatvorwürfe gegen den Deutsch-Türken sind demnach die Aussagen des Hauptbelastungszeugen, der sich allerdings in Bezug auf den zweiten Angeklagten Ismail Ö. in Widersprüche verstrickt haben soll. Würde dieses Verfahren abgetrennt, so argumentieren die Verteidiger, könnte das ihre Möglichkeiten erheblich einschränken. Zuvor hatten sie eine Aussetzung des Verfahrens beantragt. Mit medikamentöser Unterstützung, schätzten sie ein, könne Ismail Ö. durchaus bei einem der nächsten Termine verhandlungsfähig sein. Ob der Prozess wie geplant am 28. Juni fortgesetzt wird, ist fraglich.

Von Frank Döring

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