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Neun Jahre nach PPV-Skandal: Erneut illegales Schneeballsystem vor Gericht

Prozess in Leipzig Neun Jahre nach PPV-Skandal: Erneut illegales Schneeballsystem vor Gericht

Fast neun Jahre ist es her, dass Abzockern der Leipziger Firma Product Promotion Vertrieb (PPV) der Prozess gemacht wurde. Seit Freitag müssen sich drei Angeklagte am Amtsgericht erneut wegen solcher sogenannter progressiver Kundenwerbung verantworten.

Am Amtsgericht müssen sich drei mutmaßliche Abzocker wegen eines illegalen Schneeballsystems verantworten.
 

Quelle: LVZ

Leipzig.  Fast neun Jahre ist es her, als drei auffällige Blondinen mit großen Designersonnenbrillen wegen eines illegalen Schneeballsystems erstmals auf der Anklagebank saßen. Den Beschuldigten war vorgeworfen worden, rund 5000 Arbeitssuchende für teure Seminare angeworben und allein zwischen 2002 und 2004 mehr als 650 000 Euro eingenommen zu haben. Anderthalb Jahre später endete der Mammutprozess um die Leipziger Firma Product Promotion Vertrieb (PPV) mit Haftstrafen, der Bundesgerichtshof setzte diese später zur Bewährung aus. Doch das Geschäftsmodell ist nicht totzukriegen. Seit Freitag müssen sich drei Angeklagte am Amtsgericht erneut wegen solcher sogenannter progressiver Kundenwerbung verantworten – darunter eine der blonden Damen von damals: Ivonne K. (39) steht als Inhaberin von zwei Leipziger Firmen vor Gericht, die in den Jahren 2010 und 2011 Mitarbeiter angeworben und Persönlichkeitsseminare verkauft haben sollen. Mitangeklagt sind Cordula K. (59), die für Ausbildungsbelange zuständig gewesen sein soll und Controller Dominik P. (32).

Über bewusst ungenaue Annoncen sollen die Firmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Mitarbeiter angeworben haben, vorzugsweise in der Zielgruppe ab 55 Jahre. Laut Anklage wurden den Kandidaten Provisionen in Aussicht gestellt, wenn sie später weitere Mitarbeiter anwerben. Um überhaupt dabei sein zu können, mussten die Jobeinsteiger sich allerdings zur Teilnahme an kostenintensiven Seminaren verpflichten. Für Module wie Motivation, Rhetorik und Persönlichkeitsschulung wurden zwischen 3300 und 4150 Euro fällig. Für die Kunden habe nicht wegen des Inhalts ein Anreiz zum Buchen der Seminare bestanden, so die Staatsanwaltschaft, sondern weil eine solche Schulung Voraussetzung war, um selbst als Mitarbeiter tätig werden zu können. Um ihre Opfer weich zu kochen, luden die mutmaßlichen Abzocker zuvor zu sogenannten Präsentationsveranstaltungen in Leipziger Hotels oder Ausflugsgaststätten in der Umgebung ein. In einigen Fällen mussten die Teilnehmer nach Angaben der Anklagebehörde auch dafür Geld bezahlen. Zeugen berichteten Ermittlern, dass Mitarbeiter der Firma bei diesen Veranstaltungen zum begeisterten Klatschen animiert hätten. Danach war meist das Eis gebrochen.

So wurde Peter K. im April 2010 von einer angeblich gut bezahlten Nebentätigkeit bei Events angelockt. In einem ersten Vorgespräch war das prognostizierte Einkommen schon nicht mehr so hoch, weil Mitarbeiter einige Kosten auch selbst übernehmen mussten. Außerdem sollte er für Schulungsmaßnahmen zahlen. Dazu habe der Angeklagte Dominik P. den Kandidaten gleich zur Bank begleitet, wo Peter K. 900 Euro in bar bezahlt haben soll. Weitere 3445 Euro Seminargebühr habe er wenig später überwiesen. Sein erster Job bestand darin, eine potenzielle Kandidatin zu einer Geschäftspräsentation der Firma von Ivonne K. zu chauffieren. Weil die Interessentin aber keine Verträge unterschrieb, so die Anklage, bekam Peter K. auch keine Provision. Veronika H. nahm nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft im März 2010 sogar einen Kredit auf, um das Pflichtseminar bezahlen zu können. Die Angeklagte Cordula K. habe dazu geraten als Verwendungszweck „Beschaffung Möbel“ anzugeben. Auch Veronika H. sei hinsichtlich einer Provision leer ausgegangen, weil der Mann, den sie betreuen sollte, ebenfalls keinen Vertrag abschloss.

Insgesamt 19 solcher Fälle brachte die Staatsanwaltschaft jetzt zur Anklage. Am Freitag zog sich das Gericht mit den Verteidigern zunächst zu einem „Gespräch zur Sach- und Rechtslage“ zurück. Bislang sind weitere drei Verhandlungstermine geplant.

Von Frank Döring

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